Prüfungssimulation – den Pflegeprozess durchspielen
Diese Seite stellt Ihnen eine Fallsituation, wie sie in der praktischen Abschlussprüfung vorkommt, und lässt Sie den Pflegeprozess selbst durchschreiben. Danach zeigt sie Ihnen zwei Dinge: was an Ihrer Darstellung formal fehlt – und die Punkte, an denen ein Prüfer bei genau diesem Fall nachhaken wird. Bewertet wird hier nichts. Sie bewerten selbst.
Die Simulation
Schritt für Schritt
Fall auswählen, lesen, dann die sechs Felder selbst ausfüllen. Erst danach die Rückmeldung öffnen – vorher wäre es Abschreiben.
Rückmeldung
Noch nichts ausgefüllt.
Wie das gemeint ist
Der Reiz an einer Übung wie dieser ist, sich die Lösung anzusehen und zufrieden zu nicken. Damit lernen Sie nichts. Die Stolpersteine sind deshalb hinter einem Knopf versteckt, und der Knopf lohnt sich erst, wenn oben etwas steht.
Fall lesen. Felder ausfüllen, auch wenn es zäh wird. Prüffragen ansehen und nachbessern. Dann die Stolpersteine aufdecken. Was Sie selbst nicht gefunden haben, merken Sie sich – das ist Ihr Lernstoff, nicht der Rest.
Die sechs Schritte folgen dem Pflegeprozess. In der praktischen Prüfung tragen Sie sie nicht in dieser Form vor, sondern begründen sie im Gespräch – aber wer sie einmal aufgeschrieben hat, redet flüssiger darüber.
Die zehn Prüffragen
Der Check oben stellt zehn Fragen an Ihren Text. Sie funktionieren auch ohne diese Seite – an jeder Vorbereitung, die Sie in der Hand haben:
- Ist die Informationssammlung mehr als ein Stichwort? Wer nichts vermisst, hat nicht hingesehen.
- Steht im Problem eine Beobachtung? Seit wann, wie oft, welcher Wert. „Ist sturzgefährdet“ ist eine Einschätzung, keine Beobachtung.
- Ist eine Ressource benannt? Ohne sie plant man Übernahme statt Anleitung.
- Hat das Ziel einen Termin? Ohne ihn lässt es sich nicht evaluieren.
- Beschreibt das Ziel den Menschen? „Wird regelmäßig mobilisiert“ beschreibt uns. „Geht bis 20.10. mit dem Rollator zur Toilette“ beschreibt ihn.
- Sind es mindestens drei Maßnahmen?
- Sagt jede Maßnahme, wann oder bei welchem Anlass?
- Steht eine Zuständigkeit dabei? Was allen gehört, macht am Ende niemand.
- Nennt die Begründung eine Grundlage? Ein Expertenstandard, ein Assessment, eine ärztliche Anordnung, eine eigene Beobachtung – irgendetwas, das über „ist halt sinnvoll“ hinausgeht.
- Hat die Evaluation ein Kriterium und einen Termin? „Wird beobachtet“ ist keine Evaluation.
Was diese Seite nicht kann
- Sie bewertet nicht. Es gibt keine Punktzahl und keine Note, weil beides hier gelogen wäre.
- Sie prüft die Form, nicht die Pflege. Ein sauber gebautes Ziel kann fachlich falsch sein. Der Check merkt das nicht – ein Prüfer schon.
- Sie kennt Ihr Bundesland nicht. Ablauf, Dauer und Gewichtung der praktischen Prüfung regeln die Pflegeschule und die zuständige Behörde.
- Sie ersetzt die Praxisanleitung nicht. Die Rückmeldung eines Menschen, der Sie am Bett gesehen hat, ist etwas anderes als eine Mustererkennung im Browser.
- Sie deckt sechs Fälle ab. Das ist ein Ausschnitt, keine Prüfungssammlung.
Woran es in der Prüfung scheitert
Fast immer nicht am Wissen, sondern an vier Stellen:
- Die Begründung fehlt. Die Handlung stimmt, aber auf die Frage „warum so?“ kommt „das machen wir immer so“. Das ist der häufigste Grund für Punktabzug im Fachgespräch.
- Das Ziel beschreibt die Pflege. Prüfen Sie jeden Zielsatz mit der Frage: Steht hier eine Aussage über den Menschen – oder über uns?
- Die Ressource wird vergessen. Dann folgt aus dem Problem zwangsläufig Übernahme, und die Planung wird zur Defizitliste.
- Die Evaluation bleibt offen. Der Prozess endet nicht bei der Maßnahme, sondern bei der Bewertung, ob sie gewirkt hat.
„Ich habe mich dafür entschieden, weil …“ – und dann etwas, das Sie gesehen, gemessen oder nachgelesen haben. Wer so anfängt, kommt selten in Bedrängnis.
Passend dazu
Prüfungsvorbereitung · Pflegeplanung formulieren · Pflegeplanung – der ganze Weg · Pflegeziele formulieren · Expertenstandards · Prophylaxen · Glossar A–Z
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Pflegeplanung. Eine Anleitung für die Praxis – Fiechter V. und Meier M., Recom, erstmals 1981 – Grundlage des sechsschrittigen Pflegeprozesses
- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV) – Ablauf und Inhalte der Prüfungen
- Übersicht der Expertenstandards mit aktuellem Stand – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen