Pflege – kurz und leicht erklärt

Verständliches Wissen rund um Pflege, Krankheit und Alter

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Schmerz im Alter

Schmerz gehört zu den am schlechtesten behandelten Problemen im Alter – nicht weil es keine Mittel gäbe, sondern weil er nicht erkannt oder für normal gehalten wird. Diese Seite erklärt, wie man Schmerz erfasst, auch wenn niemand mehr davon erzählen kann, und was wirklich hilft. Warum entzündungshemmende Schmerzmittel den Nieren schaden können, steht unter Die Nieren.

Warum Schmerz im Alter so oft unbehandelt bleibt

Schmerz gehört zu den am schlechtesten versorgten Problemen im Alter. Untersuchungen in Pflegeheimen finden regelmäßig, dass ein großer Teil der Bewohner Schmerzen hat – und dass ein erheblicher Teil davon keine oder eine unzureichende Behandlung bekommt. Dafür gibt es fünf Gründe, und alle fünf lassen sich abstellen:

Unbehandelter Schmerz ist nie harmlos

Er führt zu Schonung, Muskelabbau und Stürzen, zu Appetitverlust, Schlafstörungen, Rückzug, Depression und Delir. Wer Schmerz behandelt, behandelt all das mit.

Welche Art von Schmerz? Das entscheidet die Behandlung

Akut oder chronisch

Akuter Schmerz ist ein Warnsignal: Er hat eine Ursache, die man behandelt – eine Wunde, ein Bruch, eine Entzündung. Er verschwindet mit der Ursache.

Chronischer Schmerz besteht länger als drei bis sechs Monate und hat seine Warnfunktion verloren. Er ist zu einer eigenständigen Erkrankung geworden, mit Auswirkungen auf Stimmung, Schlaf, Beweglichkeit und soziales Leben. Ihn nur mit Tabletten anzugehen, funktioniert nicht – hier braucht es immer mehrere Ansätze gleichzeitig.

Nozizeptiv oder neuropathisch

Warum das wichtig ist: Auf neuropathischen Schmerz wirken die üblichen Schmerzmittel oft kaum. Er braucht andere Medikamente – bestimmte Antiepileptika oder Antidepressiva in niedriger Dosis. Wer jahrelang erfolglos Ibuprofen gegen brennende Füße nimmt, hat meist schlicht das falsche Mittel.

Schmerz erfassen – auch bei Menschen, die nichts mehr sagen

Der Grundsatz lautet: Schmerz ist das, was der Betroffene sagt, dass es ist. Nicht das, was man ihm ansieht, und nicht das, was zum Röntgenbild passt.

Bei Menschen, die sich äußern können

Bei fortgeschrittener Demenz

Hier wird nach Verhalten beurteilt. In der Pflege sind dafür Instrumente wie BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz) oder BISAD üblich. Beobachtet wird vor allem, was während einer Bewegung passiert – im Sitzen zeigt sich oft nichts.

Beim Bewegen beobachten – im Sitzen zeigt sich oft nichts. Atmung angestrengt, laut, stoßweise Lautäußerungen Stöhnen, Jammern, Schimpfen Gesichtsausdruck Stirnrunzeln, zusammengekniffene Augen Körpersprache Anspannung, Schonhaltung, Abwehr Trost Lässt sich die Person beruhigen? Neues auffälliges Verhalten? Zuerst an Schmerzen, Harndrang, Verstopfung und Infekt denken.
Diese fünf Bereiche fragt auch die BESD-Skala ab, mit der Pflegekräfte Schmerzen bei Demenz einschätzen.
Verhalten, das oft Schmerz bedeutet
  • Plötzliche Aggression oder Abwehr, besonders bei der Körperpflege
  • Neue nächtliche Unruhe, ständiges Rufen
  • Appetitverlust, Rückzug, Teilnahmslosigkeit
  • Weniger Bewegung, Verweigern des Aufstehens
  • Jede unerklärte Verhaltensänderung

Die Faustregel: Bei neuem auffälligem Verhalten bei Demenz zuerst an Schmerzen, Harndrang, Verstopfung und Infekt denken – erst dann an alles andere. Ein zeitlich befristeter Behandlungsversuch mit einem Schmerzmittel ist ein legitimes diagnostisches Mittel.

Behandlung mit Medikamenten – was im Alter gilt

Die Weltgesundheitsorganisation hat ein Stufenschema aufgestellt, das sich in der Praxis bewährt hat: von einfachen Schmerzmitteln über schwache bis zu starken Opioiden, jeweils ergänzt durch Begleitmedikamente. Im Alter gelten dabei einige Besonderheiten.

Zwei Grundregeln, die den größten Unterschied machen

Die einzelnen Wirkstoffgruppen

⚠️ Zwei Dinge, die bei Opioiden immer dazugehören
  • Abführmittel von Anfang an. Die Verstopfung unter Opioiden geht nicht von selbst weg und ist der häufigste Grund, warum Menschen ihr Schmerzmittel absetzen. Sie wird mitverordnet, nicht abgewartet.
  • Mittel gegen Übelkeit für die ersten Tage.
  • Sicher verwahren. Opioide gehören außer Reichweite von Kindern und Menschen mit Demenz. Reste gehen zurück in die Apotheke, nicht in den Hausmüll – mehr unter Medikamente aufbewahren.

Zur Angst vor Sucht: Wer Opioide gegen echte Schmerzen in angepasster Dosis nimmt, wird davon in aller Regel nicht abhängig. Diese Angst kostet mehr Lebensqualität als jede Nebenwirkung.

Was ohne Medikamente hilft – und mehr kann, als man denkt

Wenn nichts mehr hilft: die Schmerztherapie

Bei anhaltenden starken Schmerzen gibt es spezialisierte Angebote, die vielen zu spät angeboten werden:

Was Angehörige und Pflegende tun können

🖨️ Merkblatt zum Mitnehmen: Die Warnzeichen und das Wichtigste für Angehörige auf einer Seite – zum Ausdrucken für den Kühlschrank oder zum Weitergeben. Merkblatt als PDF

Passend dazu

Die Nieren · Arthrose · Demenz · Palliativpflege · Medikamente im Alter · Expertenstandard Schmerzmanagement

⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Neu aufgetretene starke Schmerzen, Schmerzen mit Fieber, Lähmungen oder Gefühlsstörungen gehören umgehend ärztlich abgeklärt. Schmerzmittel – auch freiverkäufliche – bei älteren Menschen immer mit dem Arzt abstimmen.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege – DNQP, Aktualisierung 2020
  2. S3-Leitlinie Schmerzmanagement bei geriatrischen Patient:innen in allen Versorgungssettings (GeriPAIN) – Deutsche Schmerzgesellschaft u. a., AWMF-Register 145-005, 2025
  3. Beurteilung von Schmerz bei Demenz (BESD) – Basler H.-D. et al., Der Schmerz 2006;20:519–526
  4. Cancer pain relief (WHO-Stufenschema der Schmerztherapie) – Weltgesundheitsorganisation, 1986
  5. PRISCUS 2.0 – Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen – Mann N.-K. et al., Deutsches Ärzteblatt International 2023;120:3–10

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich.