Krankheiten im Alter
Im Alter treten bestimmte Erkrankungen häufiger auf – oft mehrere gleichzeitig. Wer die Grundlagen kennt, erkennt Warnzeichen früher und kann besser mit Ärzten und Pflegekräften sprechen. Wähle ein Thema aus, um mehr darüber zu erfahren: Jede Seite erklärt Ursachen, Warnzeichen, Diagnose, Behandlung und was Angehörige konkret tun können. Wie die einzelnen Organe arbeiten und was sich im Alter verändert, steht unter Der Körper im Alter.
Die häufigste Krankheitsgruppe im Alter – und die mit dem größten Einfluss durch eigenes Zutun.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bluthochdruck, Herzschwäche, Vorhofflimmern und Durchblutungsstörungen – Warnzeichen, Medikamente und der Notfall.
Mehr erfahren →Herzschwäche
Wenn das Herz nicht mehr genug pumpt: Warnzeichen, Behandlung, tägliches Wiegen und die Pflege bei Herzinsuffizienz.
Mehr erfahren →Vorhofflimmern
Die Rhythmusstörung, die man oft nicht spürt: Puls fühlen, Schlaganfallschutz mit Blutverdünnern und der Alltag mit Gerinnungshemmern.
Mehr erfahren →Thrombose
Das Blutgerinnsel im Bein: Warnzeichen, wann eine Lungenembolie droht und warum heute keine Bettruhe mehr nötig ist.
Mehr erfahren →Schlaganfall
Der FAST-Test, Behandlung auf der Stroke Unit, Rehabilitation und der Umgang mit den Folgen.
Mehr erfahren →Erkrankungen, die Denken, Gedächtnis und Bewegung verändern.
Demenz
Formen, Warnzeichen, die sieben Stadien nach Reisberg und was im Umgang wirklich hilft.
Mehr erfahren →Delir – akute Verwirrtheit
Warum plötzliche Verwirrtheit ein Notfall ist, wie man sie von Demenz unterscheidet und was sie auslöst.
Mehr erfahren →Parkinson
Warum Medikamentenzeiten auf die Minute zählen, On- und Off-Phasen, Freezing und Sturzgefahr.
Mehr erfahren →Altersdepression
Warum sie so oft übersehen wird, der Unterschied zur Demenz und warum Behandlung auch mit 85 wirkt.
Mehr erfahren →Erkrankungen, die den ganzen Körper betreffen.
Typ-2-Diabetes
Zielwerte im Alter, Unterzuckerung erkennen und die tägliche Fußkontrolle.
Mehr erfahren →Lungenentzündung
Warum sie im Alter oft ohne Fieber und ohne Husten verläuft, warum die Atemfrequenz zählt und was vorbeugt.
Mehr erfahren →COPD
Erste Anzeichen, was bei zähem Schleim hilft, richtig inhalieren, Pflege bei COPD und Warnzeichen einer Verschlechterung.
Mehr erfahren →Was Beweglichkeit und Selbstständigkeit am stärksten einschränkt.
Arthrose
Gelenkverschleiß, der Merksatz „Bewegen ja – belasten nein“ und wann ein künstliches Gelenk sinnvoll ist.
Mehr erfahren →Osteoporose
Knochendichtemessung, richtige Einnahme der Medikamente und wirksame Sturzvorbeugung.
Mehr erfahren →Nieren & Nierenschwäche
Was die Nieren leisten, warum man eine Schwäche lange nicht merkt und welcher Test oft vergessen wird.
Mehr erfahren →Keine eigenständigen Krankheiten, aber das, was den Alltag am stärksten bestimmt.
Stürze & Sturzangst
Ursachen, sturzfördernde Medikamente, was nachweislich vorbeugt – und richtig handeln nach einem Sturz.
Mehr erfahren →Schmerz im Alter
Warum Schmerz unterversorgt bleibt und wie man ihn erkennt, wenn niemand mehr davon erzählen kann.
Mehr erfahren →Medikamente im Alter
Polypharmazie (die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente), Verordnungskaskade, der jährliche Medikamenten-Check und sicheres Absetzen.
Mehr erfahren →Inkontinenz
Die Formen im Vergleich, behandelbare Ursachen, Training und die richtigen Hilfsmittel.
Mehr erfahren →Dekubitus & chronische Wunden
Wie ein Druckgeschwür entsteht, der Fingertest, wirksame Vorbeugung – und was man nie tun sollte.
Mehr erfahren →Mangelernährung & Flüssigkeitsmangel
Warnzeichen, Ursachen, Essen anreichern – und die ehrliche Antwort zur Magensonde.
Mehr erfahren →Austrocknung (Exsikkose)
Wenn der Durst fehlt: Warnzeichen, warum Hautfalten-Tests täuschen und wie viel ältere Menschen trinken sollten.
Mehr erfahren →Hören & Sehen
Warum ein unversorgter Hörverlust zu den größten Demenz-Risiken zählt und was gegen Sehverlust hilft.
Mehr erfahren →Schluckstörung (Dysphagie)
Die stille Aspiration, die Warnzeichen beim Essen, sichere Konsistenzen und warum Mundpflege so viel bewirkt.
Mehr erfahren →Gürtelrose
Wenn das Windpockenvirus zurückkommt: erste Anzeichen, warum es eilt, Ansteckung und die Impfung ab 60.
Mehr erfahren →Harnwegsinfekt
Die echten Warnzeichen – und warum trüber Urin allein noch kein Grund für ein Antibiotikum ist.
Mehr erfahren →Verstopfung
Welche Medikamente sie auslösen, warum Durchfall ein Zeichen dafür sein kann und das Stufenschema der Abführmittel.
Mehr erfahren →Schlafstörungen
Was sich im Alter normal verändert, welche Ursachen behandelbar sind und warum Schlafmittel riskant sind.
Mehr erfahren →Warum Krankheiten im Alter anders verlaufen
Wer nach dem Lehrbuch sucht, übersieht im Alter die Hälfte. Krankheiten zeigen sich bei alten Menschen häufig nicht dort, wo sie entstehen, sondern dort, wo der Körper am wenigsten Reserve hat. Eine Blasenentzündung äußert sich als Verwirrtheit, eine Lungenentzündung als Sturz, ein Herzinfarkt als plötzliche Schwäche ohne jeden Schmerz.
| Erkrankung | Erwartetes Bild | Was im Alter oft auffällt |
|---|---|---|
| Lungenentzündung | Fieber, Husten, Auswurf | Verwirrtheit, Sturz, schnelle Atmung, kein Fieber |
| Herzinfarkt | Brustschmerz mit Ausstrahlung | Luftnot, Übelkeit, plötzliche Schwäche, Verwirrtheit |
| Harnwegsinfekt | Brennen, häufiger Harndrang | neue Inkontinenz, Unruhe, Appetitverlust |
| Schilddrüsenüberfunktion | Unruhe, Schwitzen, Herzrasen | Teilnahmslosigkeit, Gewichtsverlust, Vorhofflimmern |
| Depression | gedrückte Stimmung, Traurigkeit | körperliche Beschwerden, Schmerzen, Gedächtnisklagen |
Daraus folgt eine einfache Regel für Angehörige und Pflegende: Eine plötzliche Veränderung ist ein Symptom. Wenn jemand von einem Tag auf den anderen verwirrt, schwach oder gangunsicher wird, steckt fast immer eine körperliche Ursache dahinter – und die gehört gesucht, nicht dem Alter zugeschrieben.
Wenn mehrere Krankheiten zusammenkommen
Der Regelfall im Alter ist nicht die eine Krankheit, sondern das Nebeneinander von fünf oder mehr. Das nennt man Multimorbidität, und es verändert alles: Jede Behandlung wirkt auf die anderen Erkrankungen mit.
- Behandlungen widersprechen sich. Das Schmerzmittel für die Arthrose belastet Nieren und Magen. Der Blutverdünner beim Vorhofflimmern erhöht die Blutungsgefahr nach einem Sturz. Die strenge Blutzuckereinstellung führt zu Unterzuckerungen, die stürzen lassen.
- Die Medikamente vermehren sich. Wer für jede Erkrankung die leitliniengerechte Therapie bekommt, landet schnell bei zwölf Präparaten – mit Wechselwirkungen, die niemand mehr überblickt. Wie man das ordnet, steht unter Medikamente im Alter.
- Nebenwirkungen werden für neue Krankheiten gehalten und mit weiteren Medikamenten behandelt. Das nennt man Verordnungskaskade.
- Leitlinien sind für einzelne Krankheiten gemacht, nicht für Menschen mit acht davon.
Deshalb verschiebt sich das Behandlungsziel. Statt jeden Laborwert zu optimieren, geht es um die Frage: Was erhält Selbstständigkeit, Beweglichkeit und Lebensqualität? Ein Blutdruck, der etwas höher liegt, ist besser als einer, der beim Aufstehen zum Sturz führt. Diese Abwägung gehört ins ärztliche Gespräch – und Angehörige dürfen sie anstoßen.
Eine hilfreiche Frage für den nächsten Arzttermin: „Welches dieser Medikamente würden Sie zuerst weglassen, wenn Sie eines weglassen müssten?“
Die geriatrischen Syndrome
Neben den benannten Krankheiten gibt es Zustände, die keiner einzelnen Diagnose zuzuordnen sind, aber den Alltag am stärksten bestimmen. In der Altersmedizin heißen sie geriatrische Syndrome; gemerkt werden sie oft als die fünf I:
- Immobilität – nachlassende Beweglichkeit, mit Folgen von Dekubitus über Verstopfung bis zur Lungenentzündung
- Instabilität – Stürze und Gangunsicherheit
- Inkontinenz – siehe Inkontinenz
- Intellektueller Abbau – Demenz und Delir
- Iatrogene Schäden – Schäden durch die Behandlung selbst, allen voran durch Medikamente
Dazu kommt die Gebrechlichkeit (Frailty): ein Zustand verminderter Reserven, erkennbar an ungewolltem Gewichtsverlust, Erschöpfung, Kraftverlust, langsamem Gehen und geringer Aktivität. Wer gebrechlich ist, verträgt Belastungen wie eine Operation oder einen Infekt schlechter – die Erholung dauert länger, oft bleibt ein Stück Selbstständigkeit auf der Strecke. Das Gute daran: Kraft- und Gleichgewichtstraining sowie ausreichend Eiweiß wirken auch mit 85 noch, und eine geriatrische Reha setzt genau hier an.
Sofort die 112:
- Verdacht auf Schlaganfall – hängender Mundwinkel, ein Arm sinkt ab, undeutliche Sprache. Auch wenn es nach Minuten wieder weg ist.
- Anhaltender Brustschmerz, Enge im Brustkorb, Luftnot – im Alter oft ohne Schmerz, dafür mit Übelkeit und Schwäche
- Atemnot in Ruhe, blaue Lippen, sehr schnelle Atmung
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall
- Sturz auf den Kopf unter Blutverdünnern – auch ohne Beschwerden
- Verdacht auf Blutvergiftung – Fieber oder Untertemperatur mit Schüttelfrost, schneller Atmung, niedrigem Blutdruck und zunehmender Bewusstseinstrübung
Am selben Tag ärztlich abklären lassen: neu aufgetretene Verwirrtheit, ein Sturz mit Schmerzen oder Verkürzung eines Beins, Fieber ohne erkennbare Ursache, plötzlich deutlich weniger Trinken und Essen, harter, aufgetriebener Bauch ohne Stuhlgang, neue Schwäche in Arm oder Bein.
Häufige Fragen
Welche Krankheiten sind im Alter am häufigsten?
An erster Stelle stehen Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gefolgt von Arthrose, Typ-2-Diabetes, Sehstörungen, Hörverlust, Osteoporose, COPD, Demenz und Depression. Der Regelfall ist dabei nicht eine einzelne Erkrankung, sondern das Zusammentreffen mehrerer.
Warum hat mein Vater kein Fieber, obwohl er eine Infektion hat?
Die Fieberreaktion wird im Alter schwächer. Ein erheblicher Teil der älteren Menschen mit einer Lungenentzündung oder einem Harnwegsinfekt hat kein Fieber, manche sogar eine erniedrigte Körpertemperatur. Deshalb zählen andere Zeichen mehr: plötzliche Verwirrtheit, Schwäche, schnelle Atmung, Appetitverlust oder ein Sturz.
Was bedeutet Multimorbidität?
Multimorbidität heißt, dass mehrere chronische Erkrankungen gleichzeitig bestehen – meist ab drei. Sie ist im Alter der Normalfall und macht die Behandlung schwieriger, weil Therapien sich gegenseitig beeinflussen und sich Medikamente ansammeln. Ziel ist dann nicht die optimale Einstellung jedes Einzelwerts, sondern der Erhalt von Selbstständigkeit und Lebensqualität.
Ist es Demenz oder ein Delir?
Der wichtigste Unterschied ist das Tempo. Eine Demenz entwickelt sich über Monate bis Jahre, ein Delir innerhalb von Stunden bis Tagen und mit schwankender Wachheit. Ein Delir ist ein Notfall mit einer behandelbaren Ursache – meist eine Infektion, Medikamente, Schmerz oder Flüssigkeitsmangel. Alles dazu unter Delir.
Muss im Alter jede Krankheit behandelt werden?
Nein. Bei jeder Behandlung wird abgewogen, wie lange sie braucht, um zu nützen, und was sie an Belastung kostet. Manche Vorsorgeuntersuchung oder streng eingestellte Zielwerte bringen im hohen Alter keinen Gewinn mehr, während Schmerztherapie, Bewegung und die Behandlung von Seh- und Hörverlust sofort wirken. Diese Abwägung gehört ins Gespräch mit der Hausärztin – und die eigenen Wünsche dazu in die rechtliche Vorsorge.
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Zu den VideosQuellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- S3-Leitlinie Multimorbidität – DEGAM, AWMF-Register 053-047, Living Guideline
- S3-Leitlinie Hausärztliche Leitlinie Multimedikation – DEGAM, AWMF-Register 053-043, 2021
- PRISCUS 2.0 – Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen – Mann N.-K. et al., Deutsches Ärzteblatt International 2023;120:3–10
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen