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Schlaganfall

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter – und gleichzeitig ein Notfall, bei dem jede Minute über das Ausmaß der Schäden entscheidet. Diese Seite erklärt, woran man ihn erkennt, was im Krankenhaus passiert und wie es danach weitergeht. Wie das Gehirn arbeitet und warum es so empfindlich auf Durchblutungsstörungen reagiert, steht unter Gehirn & Nerven.

⚠️ Der FAST-Test – bei Verdacht sofort 112 wählen
F – Gesicht Lächeln lassen: Mundwinkel hängt? A – Arme Arme strecken: sinkt einer ab? S – Sprache Satz nachsprechen: verwaschen? 112 T – Zeit Ein Zeichen genügt: sofort 112!
Der Test dauert unter einer Minute. Schon ein auffälliges Zeichen reicht für den Notruf – im Zweifel immer anrufen.
F
Face – Gesicht

Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?

A
Arms – Arme

Beide Arme nach vorn strecken, Handflächen nach oben. Sinkt ein Arm ab oder dreht sich?

S
Speech – Sprache

Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Klingt die Sprache verwaschen? Fehlen Worte?

T
Time – Zeit

Schon ein auffälliges Zeichen genügt: sofort 112. Uhrzeit merken!

Nicht warten, ob es besser wird. Nicht den Hausarzt anrufen, nicht selbst ins Krankenhaus fahren. Der Rettungsdienst bringt den Patienten gezielt in eine Klinik mit Stroke Unit und meldet ihn vorab an – das spart entscheidende Minuten.

Was passiert bei einem Schlaganfall?

Ein Teil des Gehirns wird plötzlich nicht mehr mit Blut versorgt. Ohne Sauerstoff sterben Nervenzellen innerhalb von Minuten ab – und zwar etwa zwei Millionen pro Minute. Daher der Merksatz der Neurologen: „Time is brain.“

Welche Funktionen ausfallen, hängt davon ab, welche Hirnregion betroffen ist. Weil die Nervenbahnen sich kreuzen, zeigt sich ein Schlaganfall in der linken Hirnhälfte in Ausfällen auf der rechten Körperseite – und umgekehrt.

Zwei Ursachen, ein Notfall

Von außen sind beide Formen nicht zu unterscheiden – deshalb wird im Krankenhaus zuerst ein CT gemacht. Die Behandlung unterscheidet sich grundlegend: Bei einer Blutung wäre ein blutverdünnendes Medikament lebensgefährlich.

Die TIA – der Warnschuss

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) treten Schlaganfall-Symptome auf, verschwinden aber innerhalb von Minuten bis Stunden wieder vollständig. Viele atmen dann auf und gehen nicht zum Arzt – ein gefährlicher Fehler. Eine TIA ist ein Vorbote: Das Risiko, in den folgenden Tagen einen richtigen Schlaganfall zu erleiden, ist stark erhöht. Auch bei vorübergehenden Symptomen gehört man sofort ins Krankenhaus.

Weitere Warnzeichen neben FAST

Gemeinsames Merkmal: die Plötzlichkeit. Beschwerden, die sich über Tage entwickeln, sind meist kein Schlaganfall. Was innerhalb von Sekunden oder Minuten auftritt, ist verdächtig.

Behandlung im Krankenhaus

Schlaganfallpatienten gehören auf eine Stroke Unit – eine spezialisierte Station, auf der rund um die Uhr überwacht und sofort behandelt wird. Wer dort versorgt wird, hat nachweislich bessere Chancen auf Erholung.

Bei einem Gefäßverschluss

Bei einer Hirnblutung

Hier steht die Senkung des Blutdrucks im Vordergrund, das Absetzen gerinnungshemmender Medikamente und – bei großen Blutungen – gegebenenfalls eine Operation zur Druckentlastung.

Danach: Ursachensuche und Vorbeugung

Noch im Krankenhaus wird geklärt, woher der Schlaganfall kam: Langzeit-EKG (Vorhofflimmern?), Ultraschall der Halsgefäße, Herzultraschall, Blutwerte. Denn das größte Risiko nach einem Schlaganfall ist der nächste Schlaganfall. Je nach Ursache folgen Blutverdünnung, Blutdruck- und Cholesterinsenker oder eine Operation an der Halsschlagader.

Rehabilitation – wo die eigentliche Arbeit beginnt

Die Reha startet idealerweise schon in den ersten Tagen auf der Stroke Unit. Das Gehirn kann verlorene Funktionen zum Teil zurückgewinnen, indem gesunde Bereiche die Aufgaben übernehmen – Fachleute sprechen von Neuroplastizität. Diese Fähigkeit ist in den ersten Wochen und Monaten am größten, weshalb frühes und intensives Üben so wichtig ist.

Die Therapiebereiche

Realistische Erwartungen

Die größten Fortschritte zeigen sich meist in den ersten drei bis sechs Monaten. Danach geht es langsamer weiter – aber es geht weiter. Verbesserungen sind auch nach Jahren noch möglich, wenn konsequent geübt wird. Gleichzeitig gilt: Nicht jeder wird wieder wie vorher. Diese Wahrheit gehört ausgesprochen, weil unrealistische Erwartungen zu Enttäuschung und Aufgeben führen – und weil ein Leben mit Einschränkungen ein gutes Leben sein kann.

Häufige Folgen und wie man damit umgeht

Halbseitenlähmung (Hemiparese)

Die betroffene Seite darf nicht vergessen werden: Beim Ansprechen, Waschen und Anziehen bewusst von dieser Seite herangehen, Gegenstände dort platzieren. Der gelähmte Arm braucht Schutz vor Verletzungen und richtige Lagerung, damit die Schulter nicht Schaden nimmt – eine schmerzhafte Schulter ist eine der häufigsten Komplikationen.

Sprachstörung (Aphasie)

Wichtig zu verstehen: Eine Aphasie hat nichts mit Intelligenz zu tun. Der Mensch denkt klar, findet aber die Worte nicht oder versteht sie nicht. Was hilft: langsam und in kurzen Sätzen sprechen, Zeit lassen, nicht ständig verbessern, nicht für den anderen sprechen. Gestik, Bilder und Ja-Nein-Fragen helfen. Und niemals über den Betroffenen sprechen, als wäre er nicht da – er bekommt alles mit.

Schluckstörung (Dysphagie)

Häufig und gefährlich, weil Verschlucktes in die Lunge geraten und eine Lungenentzündung auslösen kann. Zeichen sind Husten beim Essen, feuchte Stimme danach, Speisereste im Mund, ungeklärtes Fieber. Die Kostform legt der Logopäde fest – aufrechtes Sitzen beim Essen, keine Ablenkung, kleine Bissen, nach der Mahlzeit noch eine Weile aufrecht bleiben und Mundpflege nicht vergessen.

Neglect – die vergessene Seite

Manche Betroffene nehmen eine Körper- oder Raumhälfte gar nicht mehr wahr: Sie essen nur den halben Teller leer, rasieren nur eine Gesichtshälfte, stoßen ständig links an. Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine Wahrnehmungsstörung. Angehörige sollten gezielt auf die vernachlässigte Seite aufmerksam machen und Reize von dort setzen.

Depression und Wesensveränderung

Sehr viele Menschen entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression – kein Wunder bei dem plötzlichen Verlust von Fähigkeiten und Selbstständigkeit. Sie ist behandelbar und sollte angesprochen werden. Ebenso häufig: rasche Stimmungswechsel, ungewohnte Reizbarkeit oder plötzliches Weinen ohne passenden Anlass. Auch das ist eine Folge der Hirnschädigung, kein Charakterwandel.

Fatigue – die bleierne Müdigkeit

Eine tiefe Erschöpfung, die sich durch Schlaf nicht bessert. Sie wird von außen oft als Faulheit missdeutet und ist für Betroffene sehr belastend. Was hilft: Aufgaben portionieren, feste Pausen einplanen, Belastungen über den Tag verteilen.

Was Angehörige tun können

Vorbeugen – was das Risiko senkt

Bis zu drei Viertel aller Schlaganfälle wären durch die Behandlung von Risikofaktoren vermeidbar. Die wichtigsten:

🖨️ Merkblatt zum Mitnehmen: Die Warnzeichen und das Wichtigste für Angehörige auf einer Seite – zum Ausdrucken für den Kühlschrank oder zum Weitergeben. Merkblatt als PDF

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Gehirn & Nerven · Herz-Kreislauf-Erkrankungen · Weitere Krankheiten im Alter · Pflege zu Hause · Hilfsmittel · Pflegegrade & Leistungen

⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall zählt jede Minute – sofort die 112 wählen, auch wenn die Symptome wieder verschwinden.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. S2e-Leitlinie Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls – DGN, AWMF-Register 030-046
  2. S2k-Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke – DGN, AWMF-Register 030-133, 2022
  3. Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe – Informationen zu Warnzeichen, Akutversorgung und Nachsorge
  4. S1-Leitlinie Neurogene Dysphagie – DGN, AWMF-Register 030-111, Stand 2020 (Gültigkeit laut AWMF-Register abgelaufen)

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.