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Parkinson

Rund 400.000 Menschen in Deutschland leben mit einer Parkinson-Erkrankung, die meisten von ihnen sind über 60. Die Krankheit hat einen schlechten Ruf als „Zitterkrankheit“ – dabei ist das Zittern weder das erste noch das schlimmste Symptom. Was den Alltag wirklich schwer macht, sind die Langsamkeit, die Steifigkeit und die Tatsache, dass die Wirkung der Medikamente mit den Jahren unzuverlässiger wird. Diese Seite erklärt, was im Körper passiert, worauf es bei der Behandlung ankommt und warum bei Parkinson die Uhrzeit einer Tablette wichtiger ist als bei fast jeder anderen Erkrankung. Wie Gehirn und Nerven zusammenarbeiten, steht unter Gehirn & Nerven.

Was passiert bei Parkinson?

In einer kleinen Region tief im Gehirn – der sogenannten schwarzen Substanz – sterben nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin herstellen. Dopamin ist so etwas wie das Startsignal für Bewegung. Fehlt es, kommen Bewegungen langsamer, kleiner und mühsamer in Gang.

Das Tückische: Der Körper gleicht den Verlust lange aus. Erst wenn etwa 60 bis 70 Prozent dieser Zellen verloren sind, werden die typischen Beschwerden sichtbar. Die Erkrankung hat zu diesem Zeitpunkt also schon Jahre hinter sich – und genau deshalb fallen rückblickend oft frühe Zeichen auf, die damals niemand zugeordnet hat.

Vier Kernzeichen

Was oft Jahre vorher da war

Parkinson ist nicht nur eine Bewegungserkrankung. Viele Beschwerden treten deutlich vor der Diagnose auf und werden im Nachhinein erst verständlich:

Im weiteren Verlauf kommen häufig hinzu: Blutdruckabfall beim Aufstehen, Blasenprobleme, vermehrter Speichelfluss (weil das Schlucken seltener wird, nicht weil mehr Speichel entsteht), leise und undeutliche Sprache und – bei einem Teil der Betroffenen im späteren Verlauf – Gedächtnis- und Denkstörungen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Parkinson ist in erster Linie eine klinische Diagnose: Die Neurologin oder der Neurologe untersucht die Beweglichkeit, prüft den Rigor, beobachtet Gang und Mitbewegungen. Es gibt keinen Bluttest, der die Erkrankung nachweist.

Nicht jedes Zittern ist Parkinson

Der essenzielle Tremor ist deutlich häufiger und wird oft verwechselt. Er tritt bei Bewegung auf (beim Halten der Tasse, beim Schreiben), betrifft meist beide Hände und oft auch den Kopf, bessert sich klassischerweise durch Alkohol und geht nicht mit Verlangsamung einher. Auch Medikamente können parkinsonähnliche Beschwerden auslösen – vor allem bestimmte Mittel gegen Übelkeit und ältere Neuroleptika. Das ist wichtig, weil es rückgängig zu machen ist.

Behandlung

Heilbar ist Parkinson nicht. Aber kaum eine neurologische Erkrankung lässt sich über so viele Jahre so gut behandeln. Ziel ist, die Beweglichkeit und damit die Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten.

Medikamente

Wirkungsschwankungen – das eigentliche Problem der späteren Jahre

In den ersten Jahren wirkt L-Dopa gleichmäßig über den Tag. Später wird das Zeitfenster enger: Es entstehen On-Phasen (Medikament wirkt, Bewegung geht gut) und Off-Phasen (Wirkung lässt nach, alles wird zäh und steif). Manche Betroffene erleben diesen Wechsel mehrmals täglich, teils innerhalb von Minuten. In den On-Phasen können zusätzlich unwillkürliche, schlängelnde Überbewegungen auftreten.

Für Außenstehende sieht das aus wie Schauspielerei – morgens kaum aus dem Sessel zu bekommen, eine Stunde später fast normal unterwegs. Es ist keine. Es ist Pharmakologie.

Die ersten Jahre Fenster guter Beweglichkeit gleichmäßig im Fenster ▲ = Tabletteneinnahme Tagesverlauf → Später Fenster guter Beweglichkeit Überbewegungen Off Off On ▲ = Tabletteneinnahme Tagesverlauf → Deshalb: Einnahmezeiten genau einhalten – auch im Krankenhaus und im Heim.
Schematische Darstellung. Was wie Schauspielerei aussieht – morgens steif, eine Stunde später beweglich –, ist Pharmakologie.

Was mindestens genauso wichtig ist wie Tabletten

⚠️ Drei Dinge, die im Krankenhaus und im Heim regelmäßig schiefgehen

Freezing – wenn die Füße am Boden kleben

Plötzlich geht es nicht mehr weiter. Der Oberkörper will los, die Füße bleiben. Typischerweise passiert das beim Losgehen, in Türrahmen, vor engen Stellen, beim Drehen oder unter Zeitdruck – etwa wenn das Telefon klingelt. Freezing ist eine der häufigsten Sturzursachen bei Parkinson und für Betroffene zutiefst frustrierend.

Was tatsächlich hilft

Und ganz praktisch: Zeit geben. Nichts erzeugt so viele Blockaden wie das Gefühl, jemanden aufzuhalten.

Der Alltag – wo es wirklich hakt

Essen und Trinken

Schluckstörungen entwickeln sich schleichend und werden oft zu spät bemerkt. Warnzeichen sind Husten beim Trinken, eine belegte Stimme nach dem Essen, sehr lange Mahlzeiten und wiederholte Lungenentzündungen. Frühzeitige logopädische Abklärung ist wichtiger als jedes Hausmittel. Ein praktischer Hinweis zu L-Dopa: Große Eiweißmengen können die Aufnahme behindern – ein Abstand zur Mahlzeit hilft oft, das gehört aber ärztlich besprochen und nicht im Alleingang geändert. Weitere Beispiele unter Medikamente & Nahrung.

Aufstehen und Blutdruck

Ein Blutdruckabfall beim Aufstehen ist häufig, teils durch die Erkrankung, teils durch die Medikamente. Langsam aufstehen, erst an die Bettkante setzen, Beine anspannen, ausreichend trinken. Bei wiederholtem Schwindel gehört der Blutdruck im Liegen und im Stehen gemessen.

Nachts

Die Nacht ist oft die härteste Zeit: Umdrehen im Bett gelingt nicht mehr, die Wirkung lässt nach, die Blase meldet sich. Satinbettwäsche oder ein Bettbügel machen das Drehen leichter, ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder senkt die Sturzgefahr auf dem Weg zur Toilette, ein Toilettenstuhl neben dem Bett erspart lange Wege in der Off-Phase.

Sprechen und Beteiligtsein

Die Stimme wird leise, das Gesicht ausdrucksarm. Beides lässt Menschen desinteressiert oder abweisend wirken, obwohl sie innerlich voll dabei sind. Diese Maskenhaftigkeit ist ein Symptom, keine Stimmung – wer das nicht weiß, zieht sich unwillkürlich zurück, und der Betroffene verliert Gesprächspartner.

Verlauf und was zu erwarten ist

Parkinson verläuft langsam, in aller Regel über viele Jahre bis Jahrzehnte. Der Verlauf ist sehr individuell – manche sind nach zehn Jahren noch weitgehend selbstständig, andere brauchen früher Unterstützung. Grob lässt er sich so beschreiben:

Ein Pflegegrad ist bei Parkinson oft berechtigt, wird aber häufig zu niedrig eingestuft – weil die Begutachtung in eine On-Phase fällt und dann ein Bild entsteht, das mit dem Rest des Tages wenig zu tun hat. Dazu unten mehr.

Was Angehörige und Pflegende tun können

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⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Die Behandlung wird individuell eingestellt und regelmäßig angepasst. Parkinson-Medikamente niemals eigenmächtig absetzen, verschieben oder in der Dosis ändern – auch nicht vor Untersuchungen oder Operationen.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit – DGN, AWMF-Register 030-010, 2023
  2. Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2022

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.