Pflege – kurz und leicht erklärt

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Prophylaxen

Die wichtigsten Prophylaxen, jeweils mit Risikogruppe, Warnzeichen, wirksamen Maßnahmen und den typischen Fehlern. Der gemeinsame Nenner ist schnell gesagt: Wer mobilisiert, macht sieben davon gleichzeitig.

Der gemeinsame Nenner

Prophylaxen wirken nicht, weil man sie abhakt, sondern weil man das Risiko kennt. Deshalb gilt für jede einzelne dieselbe Reihenfolge:

Bewegung ist die halbe Prophylaxe

Dekubitus, Thrombose, Pneumonie, Kontraktur, Obstipation, Sturz, Delir – alle sieben haben dieselbe wirksamste Maßnahme. Wer mobilisiert, macht sieben Prophylaxen gleichzeitig.

Dekubitus Thrombose Pneumonie Kontraktur Obstipation Sturz Delir Bewegung Wer mobilisiert, macht sieben Prophylaxen gleichzeitig.
Bewegung ist die halbe Prophylaxe – für jede einzelne gilt trotzdem: Risiko einschätzen, Maßnahmen festlegen, Wirkung prüfen.

Dekubitusprophylaxe

Gefährdet: alle mit eingeschränkter Eigenbewegung, Gefühlsstörung, Mangelernährung, Feuchtigkeit, schlechter Durchblutung.

Kern: Eigenbewegung fördern, Druck verteilen, Fersen frei lagern, 30-Grad-Schräglage, Haut täglich beurteilen, Fingertest bei jeder Rötung.

Häufigster Fehler: starrer Zwei-Stunden-Rhythmus statt individueller Intervalle – und Massieren geröteter Stellen, das schadet.

Ausführlich: Dekubitus & chronische Wunden →

Sturzprophylaxe

Gefährdet: Menschen mit Muskelschwäche, Gangunsicherheit, Sehstörung, Nachtdrang, Demenz, Parkinson – und alle, die sturzfördernde Medikamente nehmen.

Kern: Kraft- und Gleichgewichtstraining, Medikamentencheck, Sehhilfe, festes Schuhwerk, freie Wege, Nachtlicht, Hilfsmittel richtig einstellen.

Häufigster Fehler: Bewegung einschränken statt fördern. Schonung erhöht das Sturzrisiko – und Fixierung erst recht.

Ausführlich: Stürze & Sturzangst →

Thromboseprophylaxe

Gefährdet: immobile Menschen, nach Operationen, bei Exsikkose, Herzschwäche, Krebserkrankung, früherer Thrombose.

Zeichen einer Thrombose: einseitige Schwellung, Spannungsgefühl, Überwärmung, bläuliche Verfärbung, Schmerz in der Wade.

⚠️ Vor jeder Kompression: Durchblutung prüfen. Bei arterieller Verschlusskrankheit können Kompressionsstrümpfe zum Gewebeuntergang führen. Und: Bei Verdacht auf eine Thrombose nicht massieren und nicht mobilisieren – sofort ärztlich abklären, es besteht Emboliegefahr.

Pneumonieprophylaxe

Gefährdet: bettlägerige Menschen, nach Operationen, bei Schluckstörung, COPD, Bewusstseinsstörung, schlechter Mundhygiene.

Warnzeichen: im Alter oft ohne Fieber und ohne Husten – stattdessen Verwirrtheit, Schwäche, Appetitverlust, erhöhte Atemfrequenz. Eine erhöhte Atemfrequenz ist der empfindlichste und am seltensten gemessene Wert.

Kontrakturenprophylaxe

Gefährdet: Menschen mit Lähmungen, Schmerzen, Immobilität, Spastik, nach Schlaganfall.

Häufigster Fehler: passives Durchbewegen als Ersatz für aktive Bewegung. Was der Mensch selbst tun kann, soll er selbst tun – auch wenn es dauert.

Obstipationsprophylaxe

Gefährdet: immobile Menschen, bei zu wenig Trinken, unter Opioiden, Anticholinergika (bremsen einen Botenstoff, der unter anderem die Darmbewegung antreibt), Eisen und Diuretika (Entwässerungstabletten), bei Demenz und Depression.

⚠️ Paradoxe Diarrhö: Dünner Stuhl bei bestehender Verstopfung läuft um eine harte Stuhlmasse herum ab. Wer hier stopfende Mittel gibt, macht alles schlimmer. Bei plötzlichem Durchfall nach längerer Verstopfung immer daran denken.

Soor- und Parotitisprophylaxe

Gefährdet: Menschen, die nicht essen oder trinken, Sauerstoff bekommen, durch den Mund atmen, Antibiotika oder Kortison-Sprays nehmen, bei Diabetes, Zytostatika und Immunschwäche.

Zeichen: weißliche, abwischbare Beläge mit gerötetem Grund (Soor); schmerzhafte Schwellung vor dem Ohr, Kaubeschwerden, Fieber (Parotitis).

Intertrigoprophylaxe

Gefährdet: Menschen mit Adipositas, starkem Schwitzen, Inkontinenz, Immobilität, Diabetes.

Abgrenzung: Gerötete, nässende Haut in Falten ist Intertrigo – ein Dekubitus sitzt über Knochenvorsprüngen. Weißliche Randsäume sprechen für einen Pilzbefall, der anders behandelt wird.

Aspirations- und Dehydratationsprophylaxe

Aspiration: Gefährdet sind Menschen nach Schlaganfall, mit Parkinson, Demenz und Bewusstseinsstörung.

Dehydratation: Trinkmenge sichern, Getränke sichtbar bereitstellen, anbieten statt fragen, Trinkprotokoll führen. Zeichen sind Verwirrtheit, trockene Schleimhäute, dunkler und wenig Urin, Blutdruckabfall. Ausführlich →

Zystitisprophylaxe

Wichtig im Alter: Ein Harnwegsinfekt zeigt sich häufig nur als plötzliche Verwirrtheit – ohne Brennen und ohne Fieber. Siehe Delir.

Delirprophylaxe – die neue Pflichtaufgabe

In der Ausbildung lange kaum vorgekommen, heute eine der wirksamsten Prophylaxen überhaupt. Einen eigenen DNQP-Expertenstandard gibt es dafür bislang nicht; er ist in Arbeit, der Entwurf wird am 26. Februar 2027 vorgestellt. Maßgeblich ist bis dahin die S3-Leitlinie „Delir im höheren Lebensalter“ (2026), dazu hausinterne Standards.

Ausführlich: Delir →

Die vier häufigsten Fehler bei Prophylaxen

Passend dazu

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Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2017
  2. Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2022
  3. Expertenstandard Kontinenzförderung in der Pflege – DNQP, Aktualisierung 2024
  4. Expertenstandard Förderung der Mundgesundheit in der Pflege – DNQP, 2023
  5. Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege – DNQP, 1. Aktualisierung 2017
  6. Expertenstandard nach § 113a SGB XI „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ – DNQP im Auftrag des Qualitätsausschusses Pflege, Aktualisierung 2020
  7. S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) – AWMF-Register 003-001, Aktualisierung 2026
  8. S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter – DGG und DGGPP mit über 30 weiteren Fachgesellschaften, AWMF-Register 109-001, Januar 2026
  9. Risk assessment for venous thromboembolism (VTE) – Department of Health (England), Risikobewertungsbogen zur NICE-Leitlinie NG89; nennt Flüssigkeitsmangel (Dehydration) als Thrombose-Risikofaktor

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich.