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COPD – chronisch obstruktive Lungenerkrankung

COPD ist eine der häufigsten Erkrankungen im höheren Alter und gehört weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Sie beginnt schleichend, oft mit einem Husten, den man jahrelang für harmlos hält. Rückgängig machen lässt sich der Schaden nicht – aber das Fortschreiten lässt sich bremsen, und die Beschwerden lassen sich deutlich lindern. Diese Seite erklärt, worauf es dabei im Alltag wirklich ankommt – vom zähen Schleim am Morgen bis zur Pflege bei fortgeschrittener COPD. Wie die Lunge arbeitet und was sich im Alter verändert, steht unter Die Lunge.

Was passiert bei COPD?

Zwei Veränderungen laufen nebeneinander ab. Die Bronchien sind dauerhaft entzündet, ihre Schleimhaut schwillt an und bildet zähen Schleim – die Atemwege werden enger. Gleichzeitig gehen bei vielen Betroffenen Lungenbläschen zugrunde (Lungenemphysem); aus vielen kleinen Bläschen werden wenige große. Damit sinkt die Fläche, über die Sauerstoff ins Blut gelangt, und die Lunge verliert ihre Elastizität.

Die Folge ist typisch für COPD: Das Problem ist nicht das Einatmen, sondern das Ausatmen. Die Luft bleibt in der Lunge gefangen, die Lunge bläht sich auf, und für den nächsten Atemzug ist kaum noch Platz. Deshalb hilft bei Atemnot nicht tiefes Luftholen, sondern langsames, kontrolliertes Ausatmen.

Die Hauptursache ist Rauchen – die große Mehrheit der Betroffenen raucht oder hat geraucht. Daneben spielen langjährige Staub- und Rauchbelastung am Arbeitsplatz eine Rolle, in seltenen Fällen ein angeborener Enzymmangel (Alpha-1-Antitrypsin-Mangel). Er sollte bei jedem Menschen mit COPD einmal per Bluttest ausgeschlossen werden – besonders bei jüngeren Betroffenen und bei Nichtrauchern.

Der Unterschied zum Asthma: Beim Asthma ist die Verengung anfallsartig und weitgehend rückbildungsfähig, meist beginnt es in jungen Jahren. Die COPD entwickelt sich über Jahrzehnte und bleibt dauerhaft bestehen.

Warnzeichen

Die Beschwerden fassen Fachleute unter „AHA“ zusammen:

Weitere Zeichen: pfeifende oder brummende Atemgeräusche, ein Engegefühl im Brustkorb, schnelle Erschöpfung, ungewollter Gewichtsverlust und Muskelabbau.

Der entscheidende Punkt bei älteren Menschen: Sie berichten oft nicht von Atemnot, weil sie den Alltag unbewusst anpassen. Die Einkaufstasche wird kleiner, der Weg zur Kirche fällt weg, die Treppe wird mit Pause genommen – und das gilt dann als „normal für mein Alter“. Nicht die Atemnot ist deshalb die richtige Frage, sondern: Was tun Sie heute nicht mehr, was Sie vor einem Jahr noch getan haben?

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Schwere wird heute nicht nur nach der Lungenfunktion beurteilt, sondern zusätzlich danach, wie stark die Beschwerden im Alltag sind und wie häufig es zu Verschlechterungen kommt. Das ist sinnvoll: Zwei Menschen mit identischem Messwert können völlig unterschiedlich belastbar sein.

Behandlung

Rauchstopp – die wichtigste Maßnahme überhaupt

Nichts anderes bremst den Verlust an Lungenfunktion so stark. Der Rauchstopp bremst den weiteren Verlust an Lungenfunktion, und zwar in jedem Alter und in jedem Stadium. Wer mit 75 aufhört, profitiert noch. Wirksam sind Kombinationen aus Beratung und Unterstützung (Nikotinersatz, ärztlich verordnete Medikamente); die Krankenkassen bezuschussen Entwöhnungskurse.

Für Angehörige: Vorwürfe helfen hier nachweislich nicht. Was hilft, ist die sachliche Information, dass sich der Verlauf noch beeinflussen lässt – viele glauben, es sei „sowieso zu spät“.

Inhalative Medikamente

Nicht-medikamentös – wird unterschätzt

Sauerstoff – nur nach Messung

Eine Langzeit-Sauerstofftherapie kommt infrage, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut dauerhaft zu niedrig ist. Sie wirkt dann nur, wenn sie mindestens 16 Stunden am Tag genutzt wird. Kurz bei Luftnot aufgedreht, hilft Sauerstoff nicht gegen die Atemnot – es sei denn, der Arzt hat ihn ausdrücklich für Belastung verordnet. Er wird nie eigenmächtig hochgedreht: Bei fortgeschrittener COPD kann zu viel Sauerstoff dazu führen, dass sich Kohlendioxid im Blut anstaut. Die Menge legt der Arzt fest.

Bei zu viel Kohlendioxid im Blut kann zusätzlich eine nicht-invasive Beatmung über eine Maske für die Nacht sinnvoll sein.

Atemnot – was in der Situation hilft

Atemnot macht Angst, Angst macht die Atmung schneller und flacher, und dadurch wird die Atemnot schlimmer. Diesen Kreis zu durchbrechen ist das Ziel. Beide Techniken sollten an guten Tagen geübt werden – im Anfall lernt sie niemand mehr.

Die Lippenbremse

1 Einatmen ruhig durch die Nase – etwa 2 Sekunden 2 Lippen spitzen locker, wie beim Blasen einer Kerze 3 Ausatmen langsam gegen den Lippenwiderstand Einatmen Ausatmen – etwa doppelt so lang
Entscheidend ist das lange Ausatmen: Der leichte Gegendruck der Lippen hält die Atemwege offen, sodass die eingeschlossene Luft entweichen kann. An guten Tagen üben – im Anfall ist es zu spät zum Lernen.

Atemerleichternde Stellungen

Kutschersitz Unterarme auf den Oberschenkeln abstützen Torwartstellung Hände auf die Oberschenkel stützen Fensterblick Unterarme auf der Fensterbank abstützen
Alle drei Stellungen entlasten das Zwerchfell – der Oberkörper wird vorn abgestützt, die Schultermuskulatur kann beim Atmen mithelfen.

Zusätzlich wirksam: ein kühler Luftzug ins Gesicht – offenes Fenster oder kleiner Ventilator. Das lindert bei vielen das Erstickungsgefühl. Enge Kleidung öffnen, ruhig und langsam sprechen, beim Betroffenen bleiben. Hektik im Raum verstärkt die Atemnot.

Richtig inhalieren – hier geht am meisten schief

Ein großer Teil der Betroffenen wendet sein Spray falsch an. Das Medikament landet dann im Mund statt in der Lunge – und die Behandlung wirkt nicht, obwohl sie richtig verordnet ist. Bevor man über eine Dosiserhöhung nachdenkt, lohnt sich immer die Frage, ob die Inhalation stimmt.

Zäher Schleim – was wirklich hilft

Viele Menschen mit COPD kämpfen vor allem morgens mit zähem Schleim, der sich kaum abhusten lässt. Die entzündete Schleimhaut bildet mehr davon, und die Flimmerhärchen transportieren ihn schlechter ab. Bleibt er sitzen, verstärkt er die Atemnot und bietet Keimen einen guten Nährboden. Das Ziel ist deshalb nicht, den Husten zu unterdrücken, sondern den Schleim mit möglichst wenig Kraft herauszubekommen.

Lockern, sammeln, heraushauchen

Die Atemphysiotherapie bringt dafür einen festen Ablauf bei:

  1. Lockern. Bewegung ist das einfachste Mittel – schon ein paar Schritte durch die Wohnung bringen den Schleim in Bewegung. Dazu kommen Atemtherapiegeräte oder eine Feuchtinhalation, siehe unten.
  2. Sammeln. Ruhig und etwas tiefer als sonst einatmen, die Luft kurz halten, dann über die Lippenbremse langsam ausatmen. Ein paarmal wiederholt, gelangt Luft hinter den Schleim und schiebt ihn aus den kleinen in die großen Atemwege.
  3. Heraushauchen (in der Fachsprache „Huffing“). Mit offenem Mund kräftig, aber ohne zu pressen ausatmen – wie beim Anhauchen einer Brille, nur schneller. Das befördert den Schleim nach oben.
  4. Erst dann gezielt abhusten – einmal, wenn der Schleim oben angekommen ist. Am besten gegen einen leichten Widerstand: in die Ellenbeuge, gegen die fast geschlossenen Lippen oder in ein vor den Mund gedrücktes Taschentuch. Das hält die Atemwege offen.
1 Lockern Bewegung, Atemtherapiegerät oder Feuchtinhalation 2 Sammeln etwas tiefer einatmen, kurz halten, mit Lippenbremse aus Ha 3 Heraushauchen mit offenem Mund kräftig „Ha“ – wie Brille anhauchen Erst dann: einmal gezielt abhusten Kein Hüsteln ohne Ergebnis – das erschöpft nur
Der Ablauf, den die Atemphysiotherapie beibringt: erst lockern, dann sammeln, dann mit wenig Kraft nach oben befördern. Hartes Dauerhusten bleibt aus: Es kostet viel Kraft und drückt die geschwächten Atemwege eher zusammen.

Reizhusten ohne Schleim lässt sich oft abfangen: ruhig über die Lippenbremse ausatmen, durch die Nase einatmen, schlucken oder einen kleinen Schluck trinken. Das unterbricht den Hustenreiz, ohne die Atemwege zu überlasten.

Hilfsmittel, Inhalation und Physiotherapie

Schleimlöser und Hustenstiller

Schleimlösende Mittel wie Acetylcystein (ACC) werden vor allem kurzfristig gekauft, wenn der Schleim gerade besonders zäh ist. Genau dafür gibt es laut Leitlinie keine Belege. Belegt ist etwas anderes: Als Dauertherapie in ausreichend hoher Dosis können ausgewählte Schleimlöser bei Menschen mit vorwiegend bronchitischen Beschwerden Verschlechterungen vorbeugen – die Leitlinie nennt sie dafür als mögliche Option. Eine große Übersichtsarbeit kommt zum selben Ergebnis: etwas seltener Verschlechterungen, aber kaum Wirkung auf Lungenfunktion und Lebensqualität. Ob eine Dauertherapie sinnvoll ist, entscheidet man mit dem Arzt.

Hustenstiller passen bei COPD mit Schleim meist nicht: Der Husten ist der Weg, auf dem der Schleim hinauskommt. Wer ihn unterdrückt, hält den Schleim in der Lunge. Die Leitlinie sieht sie deshalb nur in Ausnahmefällen vor – etwa nachts, wenn tagsüber das Abhusten gefördert wird – und nur nach ärztlicher Entscheidung.

🔎 Ein Blick ins Taschentuch lohnt sich. Weißlicher oder klarer Schleim ist bei COPD normal. Wird er gelb, grün oder bräunlich oder deutlich mehr, kann das eine Verschlechterung ankündigen – eindeutig eitriger Auswurf ist einer der Gründe, aus denen Ärzte dann ein Antibiotikum geben. Blut im Auswurf gehört immer ärztlich abgeklärt.
⚠️ Verschlechterung (Exazerbation) – früh erkennen

Eine akute Verschlechterung ist der Hauptgrund für Krankenhausaufnahmen bei COPD. Eine Exazerbation kann die Lungenfunktion dauerhaft verschlechtern – nicht jeder erholt sich wieder ganz auf den früheren Stand. Deshalb zählt jeder Tag, den man früher reagiert.

Warnzeichen:

Sofort ärztliche Hilfe – Notruf 112 – bei:

Was vorbeugt: ein schriftlicher Notfallplan vom Arzt, auf dem steht, was bei welchem Zeichen zu tun ist – bis hin zu einem Reservemedikament, das zu Hause bereitliegt. Wer den Plan hat, wartet nicht ab.

Was oft mit dabei ist

Was Angehörige und Pflegende tun können

COPD in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten

Für die Pflege im Heim und im ambulanten Dienst lässt sich das Wichtigste auf wenige Punkte bringen. In der SIS gehört das meiste ins Themenfeld „krankheitsbezogene Anforderungen und Belastungen“, die Risiken wie Sturz und Mangelernährung in die Risikomatrix.

Beobachten und dokumentieren

Im Alltag unterstützen

Wenn es schlechter wird

Häufige Fragen

Was hilft bei zähem Schleim bei COPD?

Bewegung, eine Feuchtinhalation oder ein Atemtherapiegerät lockern den Schleim. Danach etwas tiefer einatmen, kurz halten und über die Lippenbremse ausatmen, dann mit offenem Mund kräftig „Ha“ ausatmen (Huffing) und erst zum Schluss einmal gezielt abhusten. Die Technik lernt man am besten in der Atemphysiotherapie, die der Arzt verordnen kann. Hustenstiller passen bei Schleim meist nicht.

Welche Farbe darf der Schleim bei COPD haben?

Weißlicher oder klarer Schleim ist bei COPD normal. Wird er gelb, grün oder bräunlich oder deutlich mehr, kann das eine Verschlechterung ankündigen und sollte ärztlich beurteilt werden. Blut im Auswurf gehört immer abgeklärt.

Helfen Schleimlöser wie ACC bei COPD?

Bei akut zähem Schleim gibt es für eine kurzfristige Einnahme keine Belege. Als Dauertherapie in ausreichend hoher Dosis können ausgewählte Schleimlöser wie ACC laut Nationaler VersorgungsLeitlinie aber Verschlechterungen vorbeugen – vor allem bei vorwiegend bronchitischen Beschwerden. Lungenfunktion und Lebensqualität verbessern sie kaum. Ob das sinnvoll ist, entscheidet man mit dem Arzt.

Was sind die ersten Anzeichen von COPD?

Typisch sind Husten über Monate, zäher Auswurf vor allem morgens und Atemnot, zuerst nur bei Belastung. Ältere Menschen sprechen oft nicht von Atemnot, weil sie ihren Alltag unbewusst anpassen. Die bessere Frage ist deshalb: Was tun Sie heute nicht mehr, was vor einem Jahr noch ging?

Welche Sauerstoffsättigung ist bei COPD richtig?

Das legt der Arzt für jeden Menschen fest. Für die Sauerstoffgabe bei einer akuten Verschlechterung nennt die Leitlinie einen Zielbereich von 88 bis 92 Prozent. Unter Sauerstoffgabe sind höhere Werte bei COPD kein Ziel, weil zu viel Sauerstoff bei manchen Betroffenen das Kohlendioxid im Blut ansteigen lässt. Wer ohne Sauerstoff höhere Werte hat, für den ist das kein Problem.

Was gehört in die Pflege bei COPD?

Atemfrequenz, Auswurf, Sättigung und Wachheit beobachten, die Inhalation begleiten, den Oberkörper hoch lagern, Belastungen mit Pausen verteilen, beim Schleimlösen unterstützen, auf Gewicht und Infektzeichen achten und den ärztlichen Notfallplan kennen. Bewegung wird gefördert, nicht abgenommen.

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⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Medikamente und Sauerstoffmenge werden individuell festgelegt und dürfen nicht eigenmächtig verändert werden.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Bundesärztekammer, KBV und AWMF, 2. Auflage 2021 (Empfehlung 4-8 zur Sekretmobilisation, Empfehlung 5-8 zu Mukolytika, Abschnitt 5.7 zu Antitussiva)
  2. GOLD-Report: Global Strategy for the Diagnosis, Management, and Prevention of COPD – Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease, 2026
  3. Richtig inhalieren – Videos zu den Inhalationsgeräten – Deutsche Atemwegsliga
  4. NVL COPD – Ergänzung Kapitel 8: Exazerbationen – Bundesärztekammer, KBV und AWMF, Dezember 2024
  5. Mucolytic agents versus placebo for chronic bronchitis or chronic obstructive pulmonary disease – Cochrane Review, Poole und Mitarbeitende, 2019
  6. Atemübungen und Atemschulung – Lungeninformationsdienst, Helmholtz Munich
  7. Medizinische Trainingstherapie und Atemphysiotherapie bei COPD – Dr. Karin Taube, Atemphysiotherapeutin, für COPD – Deutschland e.V.
  8. Atemphysiotherapie – Informationen für Betroffene – COPD – Deutschland e.V., fachlich beraten von Sabine Weise und Bettina Bickel, 5. Auflage 2026
  9. Fortschreibung der Produktgruppe 14 „Inhalations- und Atemtherapiegeräte“ – GKV-Spitzenverband, Januar 2024
  10. NVL COPD, Kapitel 5: Medikamentöse Therapie (Abschnitte Mukolytika und Antitussiva) – Bundesärztekammer, KBV und AWMF
  11. RSV-Impfung für Erwachsene – Empfehlung der STIKO – Bundesministerium für Gesundheit
  12. S3-Leitlinie Sauerstoff in der Akuttherapie beim Erwachsenen – Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, AWMF

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.