Prüfungsvorbereitung
Der häufigste Irrtum vor der praktischen Prüfung: Es gehe darum, fehlerfrei zu waschen. Tatsächlich geht es darum zu zeigen, dass du weißt, warum du etwas tust. Diese Seite erklärt, worauf Prüfer achten – und woran die meisten scheitern.
Wie die Abschlussprüfung aufgebaut ist
Die Prüfung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann besteht aus drei Teilen, die alle bestanden werden müssen:
- Schriftlich: mehrere Aufsichtsarbeiten zu fallbezogenen Aufgaben aus den Kompetenzbereichen der Ausbildung
- Mündlich: Prüfungsgespräch, ebenfalls fallbezogen
- Praktisch: die umfassende und prozessorientierte Versorgung von mindestens zwei zu pflegenden Menschen in einer realen Pflegesituation (§ 16 PflAPrV) – mit Vorbereitung, Durchführung und abschließendem Reflexionsgespräch
Die genauen Vorgaben stehen in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung; Details regelt die zuständige Behörde des Landes. Frag im Zweifel deine Schule – dort weiß man, wie es bei euch konkret läuft.
Die praktische Prüfung – worauf es wirklich ankommt
Der häufigste Irrtum: Man denkt, es gehe darum, fehlerfrei zu waschen. Tatsächlich geht es darum, den Pflegeprozess sichtbar zu machen – also zu zeigen, dass du weißt, warum du etwas tust.
Was die Prüfer sehen wollen
- Begründetes Handeln. Jede Maßnahme hat einen Grund, und du kannst ihn nennen. „Ich lagere in 30 Grad, weil damit der Rollhügel frei liegt“ ist die Antwort, auf die es ankommt
- Ressourcenorientierung. Nichts abnehmen, was der Mensch selbst kann – das ist der am häufigsten übersehene Punkt und der, der am meisten zählt
- Kommunikation: ankündigen, erklären, Einverständnis einholen, auf Reaktionen eingehen. Auch bei Menschen, die nicht antworten
- Beobachtung: Haut, Atmung, Schmerzzeichen, Stimmung – und dass du sagst, was dir auffällt
- Sicherheit und Hygiene: Händedesinfektion zu den richtigen Zeitpunkten, Bettbremse, Rufanlage in Reichweite, rückenschonendes Arbeiten
- Prioritäten setzen, wenn die Zeit nicht reicht – und das begründen können
- Flexibilität: Wenn der Mensch heute nicht duschen will, ist das keine Katastrophe. Wie du damit umgehst, ist die eigentliche Prüfungsleistung
Die häufigsten Fehler
- Den geplanten Ablauf durchziehen, obwohl die Situation eine andere ist. Prüfer lieben Abweichungen – sie zeigen, ob du denkst oder abarbeitest
- Über den Menschen hinweg arbeiten, weil man aufgeregt ist
- Alles selbst machen, weil es schneller geht
- Beobachtungen nicht aussprechen. Was du nicht sagst, hat der Prüfer nicht gesehen
- Hygienefehler unter Stress: mit Handschuhen an Türklinken, Desinfektion vergessen, Schmutzwäsche auf dem Boden
- Im Reflexionsgespräch Fehler verteidigen. Ein erkannter und benannter Fehler wird deutlich besser bewertet als ein bestrittener
- Sich zu wenig Zeit für die Vorbereitung nehmen – Pflegeplanung und Informationssammlung sind Teil der Prüfung, nicht Vorgeplänkel
Vorbehaltene Tätigkeiten – gern gefragt
Seit dem Pflegeberufegesetz gibt es Aufgaben, die ausschließlich Pflegefachpersonen vorbehalten sind (§ 4 PflBG). Sie dürfen nicht an Hilfskräfte delegiert werden:
- Die Erhebung und Feststellung des individuellen Pflegebedarfs sowie die Planung der Pflege
- Die Organisation, Gestaltung und Steuerung des Pflegeprozesses
- Die Analyse, Evaluation, Sicherung und Entwicklung der Pflegequalität
Merkhilfe: planen, steuern, bewerten – die Durchführung selbst ist nicht vorbehalten, die fachliche Verantwortung dafür schon.
Lernen, das funktioniert
- In Fällen denken, nicht in Listen. Nimm einen Bewohner, den du kennst, und arbeite an ihm alles durch: Krankheitsbild, Medikamente, Prophylaxen, Pflegeplanung. So bleibt es hängen
- Laut erklären. Erkläre einer Mitschülerin die Dekubitusentstehung. Wenn du stockst, weißt du, wo die Lücke ist
- Verteilt lernen statt bulkweise – vier Wochen lang täglich 45 Minuten schlägt drei Tage Dauerlernen deutlich
- Wiederholen mit Abstand und sich selbst abfragen, statt Texte nochmal zu lesen. Das Wiedererkennen täuscht Wissen vor
- Zusammenhänge suchen: Warum bekommt jemand mit Herzschwäche Entwässerungsmittel, warum morgens, was hat das mit Kalium und Sturzgefahr zu tun? Prüfungen fragen Zusammenhänge, nicht Vokabeln
- Praxisanleitung nutzen. Bitte deinen Praxisanleiter aktiv um Übungssituationen unter Prüfungsbedingungen – dafür ist er da
Themen, die fast immer vorkommen
- Pflegeprozess, PESR, SMART-Ziele – siehe Pflegeplanung, PESR-Schema mit Beispielen und Pflegeziele formulieren
- Prophylaxen und die Expertenstandards
- Hygiene, Infektionsschutz, Standardhygienemaßnahmen
- Vitalzeichen, Beobachtung, Notfallsituationen
- Demenz, herausforderndes Verhalten, Delir
- Schmerzmanagement, auch bei Menschen ohne Sprache
- Diabetes, Herz-Kreislauf, Schlaganfall
- Rechtliche Grundlagen: SGB V und XI, Betreuungsrecht, freiheitsentziehende Maßnahmen, Schweigepflicht, Delegation
Am Prüfungstag
- Aufregung ist normal und wird eingerechnet. Prüfer wissen, dass niemand an diesem Tag so arbeitet wie sonst
- Langsamer werden, nicht schneller. Fast alle Fehler entstehen aus Hektik
- Bei einem Blackout: kurz innehalten, laut sagen, was du als Nächstes tust – das Sprechen bringt den Faden zurück
- Fehler passieren. Erkennen, benennen, korrigieren – das ist eine Kompetenz und wird auch so bewertet
- Der Mensch, den du pflegst, ist wichtiger als die Prüfung. Wer das im Blick behält, macht automatisch das Richtige
- Und danach: Nicht mit anderen vergleichen, wer was gemacht hat. Das ändert nichts mehr und macht nur unglücklich
Passend dazu
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Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Pflegeberufegesetz (PflBG) – generalistische Ausbildung, vorbehaltene Tätigkeiten (§ 4)
- Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Pflegeberufe (PflAPrV) – Ablauf und Inhalte der Prüfungen
- Rahmenpläne der Fachkommission nach § 53 PflBG – Bundesinstitut für Berufsbildung
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen