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Herzschwäche (Herzinsuffizienz)

Mehr als jeder zehnte Mensch über 70 hat eine Herzschwäche. Sie beginnt oft unbemerkt: Die Treppe wird mühsamer, abends sind die Knöchel dick, nachts muss man öfter zur Toilette. Heilen lässt sich eine chronische Herzschwäche meist nicht – aber mit der richtigen Behandlung und ein paar festen Gewohnheiten lassen sich Beschwerden lindern und viele Verschlechterungen früh abfangen. Diese Seite erklärt, woran man eine Herzschwäche erkennt, was im Alltag wirklich zählt und worauf Angehörige und Pflegekräfte achten. Wie das Herz arbeitet, steht unter Das Herz.

Was ist eine Herzschwäche?

Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz nicht mehr genug Blut durch den Körper. Meist ist sie die Folge einer anderen Erkrankung, die Herzmuskel oder Gefäße geschädigt hat: einer koronaren Herzkrankheit oder eines Herzinfarkts, eines jahrelang erhöhten Blutdrucks, eines Herzklappenfehlers oder von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern.

Warnzeichen

Die typischen Beschwerden kommen schleichend und werden im Alter leicht für „normale Alterserscheinungen“ gehalten:

Wer solche Beschwerden neu bemerkt oder merkt, dass sie zunehmen, sollte das ärztlich abklären lassen – und nicht abwarten, bis die Atemnot in Ruhe kommt.

Die vier Schweregrade

Wie schwer eine Herzschwäche ist, wird an der Belastbarkeit im Alltag gemessen. Ärzte sprechen von den NYHA-Stadien I bis IV:

Schweregrade der Herzschwäche nach der Belastbarkeit (Einteilung der New York Heart Association, NYHA).
GradSo zeigt es sich
IKeine Beschwerden, aber bei Untersuchungen ist die Herzleistung verringert
IIErschöpfung oder Atemnot erst bei stärkerer Belastung wie Treppensteigen oder Bergaufgehen
IIIBeschwerden schon bei gewöhnlichen Tätigkeiten und leichter Anstrengung, etwa beim Gehen auf gerader Strecke
IVBeschwerden in Ruhe oder bei geringsten Aktivitäten; manche Betroffene sind bettlägerig

Der Grad kann sich verändern – nach einer Verschlechterung, aber auch zum Besseren, wenn die Behandlung greift. Bei fortgeschrittener Herzschwäche kann ein Pflegegrad berechtigt sein.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Danach wird meist nach der Ursache gesucht, zum Beispiel nach verengten Herzkranzgefäßen – denn wer die Ursache behandelt, entlastet auch das Herz.

Behandlung

Eine chronische Herzschwäche wird vor allem mit Medikamenten behandelt. Bei verringerter Pumpkraft empfiehlt die Nationale VersorgungsLeitlinie eine Kombination aus vier Wirkstoffgruppen, die nachweislich den Verlauf verbessern:

Welche Mittel in welcher Reihenfolge und Dosis gegeben werden, richtet sich nach Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit. Die Dosis wird oft über Wochen langsam gesteigert.

Entwässerungstabletten (Diuretika) wie Torasemid oder Furosemid kommen dazu, wenn sich Wasser einlagert. Sie lindern Atemnot und Schwellungen. Laut Leitlinie soll regelmäßig geprüft werden, ob ihre Dosis wieder verringert werden kann – zu viel entwässert den Körper aus.

💊 Nie eigenmächtig absetzen: Viele dieser Medikamente wirken nicht sofort spürbar, schützen aber auf lange Sicht. Wer Nebenwirkungen bemerkt – Schwindel beim Aufstehen, sehr niedriger Puls, stark verringerte Urinmenge –, spricht mit dem Arzt, statt die Tabletten wegzulassen.

Je nach Ursache kommen weitere Behandlungen infrage, etwa eine Herzklappen-Operation oder ein spezieller Herzschrittmacher (CRT) beziehungsweise ein Defibrillator (ICD). Das entscheidet die Kardiologie gemeinsam mit den Betroffenen.

Täglich wiegen – die wichtigste Gewohnheit

Lagert der Körper Wasser ein, zeigt die Waage das oft, bevor die Beine anschwellen oder die Atemnot kommt. Tägliche Gewichtskontrollen können deshalb frühzeitig auf Wassereinlagerungen hinweisen – und oft reicht es dann, die Entwässerungstabletten anzupassen. So lässt sich manchmal ein Krankenhausaufenthalt vermeiden.

Die Arztpraxis informieren bei einer Zunahme um

• mehr als 1 kg über Nacht
• mehr als 2 kg in 3 Tagen
• mehr als 2,5 kg in einer Woche

So steht es im Patientenblatt zur Nationalen VersorgungsLeitlinie. Hat der Arzt eine eigene Grenze festgelegt, gilt diese.

Trinken, Bewegung, Impfungen

🚨 Wann sofort Hilfe nötig ist

Notruf 112 bei plötzlicher, schwerer Atemnot in Ruhe, Erstickungsgefühl oder Atemnot, die sich im Sitzen nicht bessert, bei Brustschmerz, Ohnmacht oder neu auftretender starker Verwirrtheit. Wasser in der Lunge (Lungenödem) ist ein Notfall.

Noch am selben Tag zum Arzt, wenn die Atemnot schon bei geringer Belastung auftritt, die Beine deutlich dicker werden, das Gewicht über die vereinbarte Grenze steigt oder man nachts nur noch im Sitzen schlafen kann.

Was Angehörige und Pflegende tun können

Herzschwäche in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten

Bei weit fortgeschrittener Herzschwäche rückt die Linderung in den Vordergrund. Wie sich Atemnot, Angst und Unruhe am Lebensende lindern lassen, steht unter Palliativpflege.

Häufige Fragen

Ist eine Herzschwäche heilbar?

Eine chronische Herzschwäche lässt sich meist nicht heilen. Mit Medikamenten, die nachweislich den Verlauf verbessern, und mit festen Gewohnheiten wie dem täglichen Wiegen lassen sich die Beschwerden aber lindern und viele Verschlechterungen früh abfangen. Lässt sich die Ursache behandeln – etwa ein Klappenfehler –, kann sich die Herzleistung auch wieder bessern.

Wie viel darf man bei Herzschwäche trinken?

Das ist individuell und wird ärztlich festgelegt. Bei fortgeschrittener Herzschwäche ist es meist nötig, die Trinkmenge zu begrenzen. Ohne ärztliche Vorgabe sollte man nicht einfach weniger trinken, weil ältere Menschen sonst leicht austrocknen.

Warum soll man bei Herzschwäche täglich wiegen?

Weil eine schnelle Gewichtszunahme meist eingelagertes Wasser bedeutet – oft bevor Atemnot oder dicke Beine auffallen. Wer täglich morgens unter gleichen Bedingungen wiegt und die Werte notiert, bemerkt eine Verschlechterung früh und kann rechtzeitig den Arzt informieren.

Sind dicke Beine immer ein Zeichen für Herzschwäche?

Nein. Geschwollene Beine können viele Ursachen haben, zum Beispiel Venenschwäche, Nierenerkrankungen oder Medikamente wie manche Blutdrucksenker. Neu aufgetretene oder zunehmende Schwellungen gehören aber ärztlich abgeklärt – vor allem zusammen mit Atemnot oder Gewichtszunahme.

Darf man bei Herzschwäche Ibuprofen nehmen?

Meist nicht. Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können eine Herzschwäche verschlechtern. Bei schwerer Herzschwäche dürfen sie nicht eingenommen werden, Diclofenac schon bei leichteren Formen nicht. Jede Einnahme – auch rezeptfreier Mittel – vorher mit Arzt oder Apotheke absprechen.

Welche Impfungen sind bei Herzschwäche wichtig?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Menschen mit Herz-Kreislauf-Krankheiten die jährliche Grippeimpfung, unabhängig vom Alter, und die Impfung gegen Pneumokokken. Ob auch Impfungen gegen COVID-19 und RSV anstehen, klärt der Hausarzt anhand der aktuellen Empfehlungen.

Passend dazu

Das Herz · Herz-Kreislauf-Erkrankungen · Schlaganfall · Die Nieren · Medikamente im Alter · Palliativpflege · Video: Das Herz

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Version 4 (2023), Kapitel 6: Medikamentöse Therapie – Bundesärztekammer, KBV, AWMF. Hinweis: Die übrigen Kapitel der NVL werden derzeit überarbeitet
  2. 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure – European Society of Cardiology, European Heart Journal 2021
  3. Herzschwäche – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de
  4. Formen der Herzschwäche – IQWiG
  5. Herzschwäche – Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG
  6. Rezeptfreie Schmerzmittel sicher anwenden – IQWiG
  7. Schutzimpfung gegen Influenza – Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut
  8. Pneumokokken – Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut
  9. Patientenblatt „Herzschwäche – Regelmäßige Gewichtskontrolle“ – Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF), 2019
  10. Fachinformation Diclofenac, Abschnitt 4.3 Gegenanzeigen – Herzinsuffizienz NYHA II–IV
  11. STIKO: Pneumokokken-Impfempfehlung, Epidemiologisches Bulletin 39/2023 – Robert Koch-Institut

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.