Pflege – kurz und leicht erklärt

Verständliches Wissen rund um Pflege, Krankheit und Alter

Schrift

PESR-Schema mit Beispielen

Mit dem PESR-Schema wird aus einer Beobachtung ein brauchbar beschriebenes Pflegeproblem. Diese Seite zeigt jeden Buchstaben mit seinem typischen Fehler, erklärt, warum ein Risikoproblem anders aufgebaut ist, und bringt acht Beispiele aus dem Alltag in der Altenpflege – jeweils als Rohfassung und als fertige Formulierung.

Das PESR-Schema in einem Satz

PESR steht für Problem, Einflussfaktoren oder Ursache (Ätiologie), Symptome und Ressourcen. Das Schema stammt aus der Pflegediagnostik: Dort wird ein Problem mit seiner Ursache und seinen Anzeichen beschrieben (PES). In der deutschsprachigen Pflegeausbildung wird es häufig um ein R für die Ressourcen ergänzt – weil sich aus ihnen die Maßnahmen ableiten.

Als Satzmuster:

[Name] [kann was nicht / ist gefährdet für was], da [Ursache]; erkennbar an [Beobachtung mit Zahl, Datum oder Zitat]. Ressource: [was der Mensch selbst kann oder will].

Grundlagen zum Pflegeprozess, zu Zielen und Maßnahmen stehen auf der Seite Pflegeplanung. Hier geht es nur um die Problembeschreibung – und darum, sie richtig hinzubekommen.

Buchstabe für Buchstabe – mit typischem Fehler

Die vier Teile des PESR-Schemas, der Fehler, der dabei am häufigsten passiert, und eine bessere Formulierung.
TeilFragt nachTypischer FehlerBesser
P – ProblemWas kann der Mensch nicht, nicht mehr oder nur mit Hilfe?Eine ärztliche Diagnose: „Diabetes mellitus“„Herr F. kann seinen Blutzucker nicht mehr zuverlässig selbst messen“
E – UrsacheWodurch kommt es – was beeinflusst es?Fehlt ganz oder wiederholt nur das Problem: „sturzgefährdet wegen Sturzrisiko“„da sie nachts ohne Rollator aufsteht und das Schlafmittel nachwirkt“
S – SymptomeWoran erkennt man es – was wurde beobachtet?Wertungen: „ist unkooperativ“, „ist verwirrt“„lehnt seit dem 03.10. die Dusche ab und sagt: ‚Das Wasser ist mir zu kalt.‘“
R – RessourcenWas kann und will der Mensch selbst – was hilft ihm?Floskeln, aus denen keine Maßnahme folgt: „ist freundlich“, „hat Angehörige“„wäscht Gesicht und Oberkörper selbst, wenn die Utensilien bereitliegen“

Die Probe für jedes S: Würde eine Kollegin, die den Menschen nicht kennt, beim Lesen dasselbe sehen wie Sie? „Isst schlecht“ – nein. „Isst mittags seit zwei Wochen höchstens ein Viertel der Portion“ – ja.

Die Probe für jedes R: Kommt die Ressource später in einer Maßnahme vor? Wenn nicht, ist sie Dekoration.

Aktuelles Problem oder Risiko? – da ändert sich das S

Nicht jedes Pflegeproblem ist schon da. Oft geht es darum, dass etwas passieren könnte: ein Sturz, ein Druckgeschwür, eine Lungenentzündung durch Verschlucken. Diese Unterscheidung verändert den Aufbau:

So nicht
  • „Herr K. ist dekubitusgefährdet. Symptome: keine Rötung“ – das Fehlen eines Anzeichens begründet keine Gefahr
  • „Frau B. hat einen Dekubitus“ – wenn noch keiner da ist, ist das ein falsches Problem
So besser
  • „Herr K. ist am Kreuzbein und an den Fersen dekubitusgefährdet, da er sich seit dem Schlaganfall nicht selbst im Bett dreht; Risikofaktoren: liegt überwiegend auf dem Rücken, isst seit einer Woche nur die Hälfte, ist nachts inkontinent.“

In der Praxis heißt das Feld dann oft nicht mehr „Symptome“, sondern „Hinweise“ oder „Risikofaktoren“. Gemeint ist dasselbe: die Begründung, die man nachprüfen kann.

Ressourcen finden – fünf Bereiche

Ressourcen werden am häufigsten vergessen oder mit Allgemeinplätzen gefüllt. Dabei entscheiden sie, ob die Pflege übernimmt oder anleitet. Eine Einteilung, die sich in der Praxis bewährt hat:

Gute Fragen dafür: Was haben Sie früher selbst gemacht? Was möchten Sie auf keinen Fall abgeben? Wobei fühlen Sie sich sicher? Und bei Menschen mit Demenz: Was gelingt, wenn man es vormacht oder anreicht?

Acht Beispiele – vorher und nachher

Alle Namen und Fälle sind erfunden. Die Beispiele zeigen den Satzbau, nicht den Inhalt Ihrer Planung: Zeiten, Mengen und Ressourcen müssen immer aus Ihrer eigenen Beobachtung stammen. Weitere ausformulierte Beispiele – Dekubitus, Sturz, Mangelernährung, Orientierung, Schmerz, Inkontinenz, Kontraktur – stehen auf der Seite Pflegeplanung.

1. Hinlauftendenz bei Demenz (Risikoproblem)

Rohfassung: „Herr D. ist dement und läuft weg.“

P: Herr D. ist gefährdet, das Haus unbemerkt zu verlassen und sich draußen nicht mehr zurechtzufinden,
E: da er sich durch die Demenz am Nachmittag auf dem Weg zu seiner früheren Arbeit glaubt;
S (Hinweise): stand am 02.10. und am 05.10. gegen 16 Uhr in Jacke an der Eingangstür und sagte: „Ich muss zur Schicht.“
R: geht sicher und ausdauernd, freut sich über Spaziergänge, reagiert auf die Ansprache mit seinem Spitznamen „Hein“.

Wichtig: „Hinlaufen“ statt „Weglaufen“ – der Mensch will zu etwas hin. Das Ziel ist Sicherheit mit Bewegungsfreiheit, nicht Festhalten. Freiheitsentziehende Maßnahmen sind dafür nicht das Mittel der Wahl: Sie sind nur als letztes Mittel und nur mit Einwilligung des Menschen oder gerichtlicher Genehmigung zulässig – auch technische Sperren an der Tür können darunter fallen. Siehe fixierungsfreie Pflege.

2. Verstopfung

Rohfassung: „Obstipation.“

P: Frau R. hat zu selten und harten Stuhlgang,
E: da sie wenig trinkt und sich seit dem Sturz im August kaum noch bewegt;
S: Stuhlgang laut Protokoll nur alle vier bis fünf Tage, hart und mit starkem Pressen; Trinkmenge durchschnittlich 800 ml; klagt über Völlegefühl.
R: isst gern Joghurt und Pflaumen, geht mit Begleitung am Rollator bis zum Speisesaal, meldet den Stuhldrang zuverlässig.

Mehr zum Hintergrund unter Verstopfung.

3. Gestörter Schlaf

Rohfassung: „Herr P. schläft schlecht.“

P: Herr P. schläft nachts schlecht ein und ist tagsüber müde,
E: da er nach dem Mittagessen zwei bis drei Stunden schläft und abends schon ab 18 Uhr im Bett liegt;
S: liegt laut Nachtbericht in fünf von sieben Nächten bis nach Mitternacht wach und klingelt mehrfach, schläft vormittags im Sessel ein.
R: liest gern die Tageszeitung, war Gärtner und hilft gern bei den Blumen im Wohnbereich.

4. Gefahr des Verschluckens (Risikoproblem)

Rohfassung: „Aspirationsgefahr.“

P: Frau E. ist gefährdet, sich beim Essen und Trinken zu verschlucken und dabei Nahrung in die Lunge zu bekommen,
E: da sie seit dem Schlaganfall langsamer und unvollständig schluckt;
S (Hinweise): hustet bei dünnflüssigen Getränken, Stimme klingt nach dem Trinken „gurgelnd“; die Logopädin hat angedickte Getränke empfohlen, ärztlich angeordnet am 28.09.
R: isst selbstständig, sitzt aufrecht im Stuhl, nimmt kleine Bissen, wenn man sie daran erinnert.

Vorsicht: Nicht jedes Verschlucken zeigt sich durch Husten. Fehlt der Husten, ist das Schlucken nicht automatisch sicher. Welche Kostform und Konsistenz passt, legen Logopädie und Arzt fest. Mehr unter Schluckstörung.

5. Körperpflege

Rohfassung: „Braucht Hilfe bei der Körperpflege.“

P: Frau G. kann sich nicht vollständig selbst waschen,
E: da sie den rechten Arm nach dem Oberarmbruch nicht über Schulterhöhe heben kann und ihr beim Vorbeugen schwindelig wird;
S: wäscht Gesicht, Hals und Oberkörper vorne selbst; Rücken, Haare, Beine und Füße erreicht sie nicht; trocknet sich nur teilweise ab.
R: möchte morgens im Sitzen am Waschbecken gewaschen werden, kennt ihre gewohnte Reihenfolge, greift mit der linken Hand sicher.

Daraus folgt eine Maßnahme mit klarer Aufteilung: Was Frau G. selbst übernimmt, und was die Pflegekraft übernimmt – nicht „Unterstützung bei der Körperpflege“.

6. Atemnot bei COPD

Rohfassung: „COPD, Atemnot.“

P: Herr L. bekommt bei Belastung Atemnot und kann kurze Wege nicht ohne Pause gehen,
E: da seine Atemwege durch die COPD verengt sind und sich morgens zäher Schleim festsetzt;
S: bleibt auf dem Weg zur Toilette (etwa 15 Meter) zweimal stehen, atmet danach schnell und flach, nutzt die Lippenbremse nur nach Aufforderung.
R: kennt die Lippenbremse, inhaliert selbstständig, will unbedingt allein zur Toilette gehen.

Was bei zähem Schleim hilft und worauf in der Pflege zu achten ist, steht unter COPD.

7. Rückzug nach dem Einzug

Rohfassung: „Isoliert sich.“

P: Frau A. hat kaum Kontakt zu anderen Bewohnerinnen und Bewohnern,
E: da sie seit dem Einzug vor vier Wochen niemanden kennt und in Gruppen schlecht versteht;
S: isst seit dem Einzug im Zimmer, lehnt Gruppenangebote ab („Ich versteh da eh nichts“), das Hörgerät liegt meist in der Schublade.
R: strickt gern, erzählt gern von ihren Enkeln, der Bruder ruft jeden Sonntag an.

Bleiben Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Appetitverlust über Wochen bestehen, gehört das ärztlich abgeklärt – siehe Altersdepression.

8. Blutzucker messen bei Diabetes

Rohfassung: „Diabetes mellitus Typ 2, insulinpflichtig.“

P: Herr F. kann seinen Blutzucker nicht mehr zuverlässig selbst messen,
E: da er schlechter sieht und seine Hände zittern;
S: hat in der letzten Woche dreimal einen Wert notiert, der bei der Kontrollmessung deutlich abwich; der Teststreifen fällt ihm häufig herunter.
R: kennt die Anzeichen einer Unterzuckerung und meldet sie sofort, isst regelmäßig, möchte über seine Werte informiert werden.

Das Beispiel zeigt den häufigsten Fehler beim P: Die Diagnose „Diabetes“ ist kein Pflegeproblem – der Hilfebedarf, der daraus entsteht, schon. Mehr unter Typ-2-Diabetes.

PESR und SIS – passt das zusammen?

Viele Einrichtungen arbeiten mit dem Strukturmodell und der SIS. Dort gibt es kein eigenes Blatt mehr für Probleme, Ressourcen und Ziele. Das Projektbüro EinSTEP stellt aber klar: Damit fällt nur die getrennte Dokumentation weg, nicht die Planung im Sinne des Pflegeprozesses. Probleme und Ressourcen werden bei Bedarf in den Themenfeldern der SIS beschrieben; was sich erst im Verlauf zeigt, steht im Berichteblatt.

Genau dafür ist der PESR-Denkweg weiter nützlich – auch wenn niemand „P, E, S, R“ davor schreibt. Ein Text im Themenfeld, der Ursache, Beobachtung und Ressource enthält, ist für die nächste Schicht brauchbar. Ein Text, der nur „Hilfe bei der Körperpflege“ sagt, ist es nicht.

Für die Ausbildung: Die Prüfungsverordnung verlangt, dass Pflegefachpersonen den Pflegebedarf mit pflegediagnostischen Begriffen beschreiben und den Pflegeprozess planen, steuern und bewerten können. Ein bestimmtes Schema schreibt sie nicht vor. Ob in Ihrer Prüfung nach PESR formuliert wird, legt Ihre Pflegeschule fest – fragen Sie im Zweifel nach.

Schnell-Check vor dem Abgeben

Selbst üben? Im Formulierungs-Baukasten stellen Sie Problem, Ziel und Maßnahmen zusammen und bekommen eine Rückmeldung, was noch fehlt.

Merksatz: Das P sagt, was nicht geht. Das E sagt, warum. Das S beweist es. Und das R zeigt, womit es weitergeht.

Häufige Fragen

Was bedeutet PESR in der Pflegeplanung?

PESR steht für Problem, Einflussfaktoren oder Ursache (Ätiologie), Symptome und Ressourcen. Mit diesem Schema wird ein Pflegeproblem so beschrieben, dass andere es nachvollziehen und daraus Ziele und Maßnahmen ableiten können.

Was ist der Unterschied zwischen PES und PESR?

PES beschreibt ein Problem mit Ursache und Anzeichen und stammt aus der Pflegediagnostik. Beim PESR-Schema kommen die Ressourcen dazu, also das, was der Mensch selbst kann und will. Sie bestimmen, ob die Pflege übernimmt oder anleitet.

Wie formuliert man ein Risikoproblem nach PESR?

Als Gefahr: „ist gefährdet für …“ oder „ist …gefährdet“. Weil das Problem noch nicht eingetreten ist, stehen unter S keine Anzeichen, sondern die Risikofaktoren und Hinweise, die die Gefahr begründen – zum Beispiel zwei Beinahe-Stürze, ein Schlafmittel und fehlende Hilfsmittel.

Muss man in der Prüfung nach PESR formulieren?

Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung schreibt kein bestimmtes Schema vor. Sie verlangt, dass der Pflegebedarf fachlich beschrieben und der Pflegeprozess geplant und bewertet wird. Welches Schema in der Prüfung erwartet wird, legt die Pflegeschule fest.

Was zählt als Ressource?

Alles, was der Mensch selbst kann, weiß oder will, und alles, was ihm hilft: körperliche Fähigkeiten, Wissen und Gewohnheiten, Motivation, Angehörige mit konkreten Aufgaben, Hilfsmittel und die Umgebung. Eine gute Ressource taucht später in einer Maßnahme wieder auf.

Passend dazu

Pflegeplanung · Pflegeziele formulieren · Formulierungs-Baukasten · SIS & Dokumentation · Prüfungsvorbereitung

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege und als Praxisanleiter beruht diese Seite auf den folgenden Quellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Anlage 2 der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung (PflAPrV) – Kompetenzbereich I.1: Pflegeprozess planen, steuern und evaluieren, Pflegebedarf mit pflegediagnostischen Begriffen beschreiben
  2. § 4 Pflegeberufegesetz – vorbehaltene Tätigkeiten: Pflegebedarf erheben, Pflegeprozess steuern
  3. Häufige Fragen zum Strukturmodell – Projektbüro EinSTEP: Planung im Sinne des Pflegeprozesses entfällt nicht; Probleme und Ressourcen bei Bedarf in den Themenfeldern der SIS (Stand der Antworten: Oktober 2017)
  4. Die NANDA – eine Einführung – Projekt KomVor Pflege, Universität zu Köln, nach Herdman et al., NANDA-I-Pflegediagnosen (2022): PES-Schema und Ergänzung um Ressourcen
  5. Nursing Fundamentals, Kapitel 4.4 Diagnosis – Open Resources for Nursing (Open RN): problemfokussierte Diagnosen mit Anzeichen, Risikodiagnosen mit Risikofaktoren (englisch)

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich.