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Kontrakturen (Gelenkversteifung)

Wer viel liegt oder sitzt, Schmerzen hat oder nach einem Schlaganfall gelähmt ist, bewegt manche Gelenke kaum noch. Dann können sie nach und nach steif werden: Das Knie lässt sich nicht mehr ganz strecken, die Hand nicht mehr öffnen, der Arm nicht mehr heben. Diese Seite erklärt, wie eine Kontraktur entsteht, woran man sie früh erkennt, was nach heutigem Wissen hilft – und was weniger bringt, als viele denken.

Was ist eine Kontraktur?

Eine Kontraktur ist eine dauerhafte Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Werden Muskeln, Sehnen, Bänder und die Gelenkkapsel über lange Zeit nicht mehr bis zum Ende gedehnt, schrumpfen und verkürzen sie sich. Das Gelenk bleibt in einer Stellung „hängen“ – meist gebeugt. Im schlimmsten Fall wird es ganz steif, und die Einschränkung lässt sich nicht mehr rückgängig machen.

Wer gefährdet ist

Das Risiko steigt immer dann, wenn ein Gelenk kaum noch bewegt wird – sei es, weil der Mensch es nicht kann, nicht will oder weil es wehtut.

Früh erkennen

Eine beginnende Kontraktur fällt meist nicht bei einer Untersuchung auf, sondern im Alltag. Achten Sie darauf, ob gewohnte Bewegungen plötzlich nicht mehr gehen:

Wer so etwas bemerkt, sollte es früh ansprechen – beim Hausarzt, beim Pflegedienst oder bei der Pflegefachkraft im Heim. Je länger eine Kontraktur besteht, desto schwerer lässt sie sich beeinflussen.

Was eine Kontraktur im Alltag bedeutet

Eine Kontraktur ist mehr als ein steifes Gelenk. In einer deutschen Studie mit älteren Menschen in Pflegeheimen und geriatrischen Rehakliniken nannten über 9 von 10 Betroffenen Probleme beim Treppensteigen, beim Gehen längerer Strecken und beim Knien.

Was hilft – und was weniger bringt als gedacht

Lange galt: Wer jedes Gelenk täglich durchbewegt und dehnt, verhindert Kontrakturen. Die Forschung zeichnet inzwischen ein nüchterneres Bild.

Das heißt nicht, dass man nichts tun kann. Es heißt: Ein einzelnes Übungsprogramm, das Kontrakturen sicher verhindert, gibt es bisher nicht. Sinnvoll bleibt, was den ganzen Menschen in Bewegung hält:

Selbst bewegen schlägt bewegt werden

Was ein Mensch selbst tun kann, soll er selbst tun – auch wenn es länger dauert. Passives Durchbewegen ist nicht verboten und kann angenehm sein, ersetzt aber keine eigene Bewegung.

Bei Spastik, etwa nach einem Schlaganfall

Nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder anderen Schäden von Gehirn und Rückenmark können Muskeln dauerhaft angespannt bleiben. Diese Spastik zieht Gelenke in eine feste Stellung – typisch sind der angewinkelte Arm und die geschlossene Faust. Die Spastik entwickelt sich meist erst Wochen bis Monate nach dem Ereignis.

Bei Spastik lohnt es sich, nach einer Überweisung zu einer neurologischen Praxis oder Klinik mit Erfahrung in der Spastikbehandlung zu fragen. Mehr zum Schlaganfall unter Schlaganfall.

Physiotherapie und Ergotherapie

Physiotherapie und Ergotherapie verordnet der Arzt als Heilmittel; die Krankenkasse übernimmt die Kosten bis auf die gesetzliche Zuzahlung (10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Verordnung).

Was Angehörige und Pflegende tun können

Kontrakturen in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten

Videos zum Thema

Das Video von 2016 ist älter als diese Seite; einzelne Angaben darin können überholt sein. Maßgeblich ist der Text hier.

Häufige Fragen

Was ist eine Kontraktur?

Eine dauerhafte Bewegungseinschränkung eines Gelenks. Werden Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenkkapsel lange nicht mehr bewegt, verkürzen sie sich. Das Gelenk bleibt meist in einer gebeugten Stellung und kann im schlimmsten Fall ganz steif werden.

Woran erkenne ich eine beginnende Kontraktur?

Meist im Alltag: Der Arm lässt sich beim Anziehen nicht mehr ganz heben, das Knie im Bett nicht mehr ganz strecken, die Hand nicht mehr richtig öffnen oder der Fuß nicht mehr flach aufsetzen. Auch Schmerzen oder Abwehr bei Bewegung können ein Zeichen sein.

Hilft tägliches Durchbewegen gegen Kontrakturen?

Weniger, als lange angenommen. Eine Cochrane-Übersicht von 2017 fand, dass Dehnen über bis zu sieben Monate die Beweglichkeit nicht spürbar verbessert. Lagerung und Schienen allein zeigten kaum Wirkung; für passives Durchbewegen fehlt ein Wirksamkeitsnachweis. Wichtiger ist, dass der Mensch sich im Alltag selbst bewegt, Schmerzen behandelt werden und die Position oft wechselt.

Kann man eine Kontraktur wieder rückgängig machen?

Je länger sie besteht, desto schwerer. Eine Kontraktur kann dauerhaft werden. Bei Spastik, etwa nach einem Schlaganfall, können Spritzen mit Botulinumtoxin zusammen mit Gipsserien und Schienen die Beweglichkeit verbessern – das entscheidet ein Facharzt.

Wer bezahlt Physiotherapie zu Hause?

Physiotherapie und Ergotherapie sind Heilmittel. Der Arzt verordnet sie, die Krankenkasse zahlt – bis auf die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent der Kosten und 10 Euro je Verordnung. Kann jemand die Praxis aus medizinischen Gründen nicht aufsuchen, kann der Arzt einen Hausbesuch verordnen.

Warum bekommen gerade Menschen mit Schlaganfall Kontrakturen?

Nach einem Schlaganfall sind oft Arm oder Bein gelähmt, und häufig entwickelt sich nach Wochen bis Monaten eine Spastik. Die dauerhaft angespannten Muskeln ziehen Gelenke in eine feste Stellung, typisch am Arm und an der Hand. Hier hilft vor allem eine gezielte Spastikbehandlung, etwa mit Botulinumtoxin; Lagerung und Schienen ergänzen sie, reichen allein aber nicht aus.

Passend dazu

Kontrakturenprophylaxe · Knochen & Gelenke · Schlaganfall · Stürze & Sturzangst · Schmerz im Alter · Fixierungsfreie Pflege

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Expertenstandard nach § 113a SGB XI „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“ – DNQP im Auftrag des Qualitätsausschusses Pflege, 1. Aktualisierung 2020
  2. Harvey LA u. a.: Stretch for the treatment and prevention of contractures – Cochrane Database of Systematic Reviews, 2017
  3. Nguyen N u. a.: Effectiveness of an individually tailored complex intervention to improve activities and participation in nursing home residents with joint contractures (JointConEval): a multicentre pragmatic cluster-randomised controlled trial – BMJ Open, 2023
  4. Müller M u. a.: Developing and piloting a multifactorial intervention to address participation and quality of life in nursing home residents with joint contractures (JointConImprove): study protocol – GMS German Medical Science, 2015
  5. Gnass I u. a.: Erworbene Kontrakturen der Gelenke im höheren Lebensalter. Eine systematische Literaturübersicht – Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2010
  6. Bartoszek G u. a.: Impact of joint contracture on older persons in a geriatric setting – Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 2015
  7. S2k-Leitlinie Therapie des spastischen Syndroms – Deutsche Gesellschaft für Neurologie und Deutsche Gesellschaft für Neurorehabilitation, AWMF-Register 030-078, Version 6.1, Stand 12/2024, gültig bis 11/2029
  8. Orientierungshilfe zur Kontrakturenprophylaxe in der Pflege – Landespflegeausschuss des Freistaates Sachsen, 2009
  9. Heilmittel-Richtlinie – Gemeinsamer Bundesausschuss, Fassung in Kraft seit 05.08.2025
  10. § 61 SGB V – Zuzahlungen – Sozialgesetzbuch V, Satz 3: Zuzahlung bei Heilmitteln

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.