Vorsorge & Ernährung
Vieles lässt sich vorbeugen – körperlich, geistig und rechtlich. Mit ein paar Gewohnheiten und rechtzeitig geregelten Dokumenten bleibt man länger selbstbestimmt.
Genug trinken
Im Alter lässt das Durstgefühl nach – Flüssigkeitsmangel führt schnell zu Schwindel, Verwirrtheit und Kreislaufproblemen und wird oft mit Demenz verwechselt. Etwa 1,5 Liter am Tag sind ein guter Richtwert (bei Herz- oder Nierenerkrankungen die Trinkmenge mit dem Arzt absprechen).
- Feste Trinkrituale: ein Glas zu jeder Mahlzeit und zu jedem Medikament
- Getränke sichtbar bereitstellen – was man sieht, trinkt man eher
- Abwechslung: Wasser, Tee, Saftschorlen, Suppen zählen mit
Ausgewogen essen
Der Energiebedarf sinkt im Alter, der Bedarf an Nährstoffen bleibt aber hoch – jede Mahlzeit sollte deshalb „mehr können“:
- Eiweiß für den Muskelerhalt: Milchprodukte, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte – am besten zu jeder Mahlzeit etwas. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung setzt ab 65 Jahren etwa 1 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag an – bei 70 Kilo also rund 70 Gramm. Das entspricht grob einem Glas Milch, einem Joghurt, einem Ei, einer Portion Fisch und zwei Scheiben Käse, verteilt über den Tag und zusammen mit Brot
- Obst und Gemüse für Vitamine und Ballaststoffe
- Kalzium und Vitamin D für die Knochen – besonders wichtig zur Vorbeugung von Osteoporose
- Lieber mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große
- Bei Kau- oder Schluckproblemen: Zahnarzt bzw. Arzt einbeziehen – weiche Kost muss weder eintönig noch püriert-grau sein
- Ungewollter Gewichtsverlust ist immer ein Warnsignal und gehört ärztlich abgeklärt
In Bewegung bleiben
Bewegung ist das wirksamste „Medikament“ im Alter – sie erhält Muskeln, Gleichgewicht, Herz, Stoffwechsel und Stimmung:
- Tägliche Spaziergänge – Regelmäßigkeit schlägt Intensität. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt auch im Alter 150 bis 300 Minuten mäßige Bewegung pro Woche, etwa zügiges Gehen, und an mindestens drei Tagen Übungen für Kraft und Gleichgewicht. Wer das nicht schafft: Jede Minute zählt, auch in kleinen Etappen
- Krafttraining auch im hohen Alter: Muskeln wachsen in jedem Lebensjahr
- Gleichgewichtsübungen (z. B. Einbeinstand beim Zähneputzen) beugen Stürzen vor
- Bewegung wirkt nachweislich auch gegen depressive Verstimmungen – bei leichten Formen so gut wie manche Medikamente
- Alltagsbewegung nutzen: Treppe statt Aufzug, zu Fuß zum Bäcker
- Gruppenangebote wie Seniorensport oder Tanzen verbinden Bewegung mit Kontakten
Geistig fit bleiben
- Neues lernen fordert das Gehirn mehr als Routine – eine Sprache, ein Instrument, ein neues Rezept
- Soziale Kontakte sind das beste Gehirntraining: Gespräche, Vereine, Ehrenamt
- Lesen, Rätsel, Spiele – gut, wenn sie Spaß machen und fordern
- Schwerhörigkeit behandeln lassen: Unbehandelter Hörverlust ist ein Risikofaktor für geistigen Abbau und Vereinsamung – und einer der wenigen wirklich beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz
Vorsorge beim Arzt nutzen
- Regelmäßige Check-ups beim Hausarzt
- Impfungen im Blick behalten – die STIKO empfiehlt für Ältere u. a. Impfungen gegen Grippe, Pneumokokken und Gürtelrose; den individuellen Impfstatus beim Hausarzt prüfen lassen
- Augen und Ohren regelmäßig kontrollieren – gutes Sehen und Hören schützt vor Stürzen und Isolation
- Zahnarztbesuche auch mit Prothese fortführen
- Medikamentencheck: Wer fünf oder mehr Medikamente nimmt, sollte die Liste regelmäßig mit Arzt oder Apotheker durchgehen
Früherkennung: Was die Krankenkasse bezahlt
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt eine Reihe von Früherkennungsuntersuchungen. Viele davon werden im Alter seltener genutzt, obwohl gerade dann die meisten Befunde auftreten. Der Überblick für Erwachsene ab 35:
| Ab wann | Untersuchung | Wie oft |
|---|---|---|
| ab 35 | Gesundheits-Check-up beim Hausarzt, einmalig mit Test auf Hepatitis B und C | alle drei Jahre |
| ab 35 | Hautkrebs-Screening | alle zwei Jahre |
| ab 45, Männer | Prostata- und Genitaluntersuchung | jährlich |
| ab 50 | Darmkrebs: Stuhltest auf verborgenes Blut – oder Darmspiegelung. Seit 2025 gilt für Frauen und Männer dasselbe Angebot | Stuhltest alle zwei Jahre; Darmspiegelung zweimal im Abstand von zehn Jahren |
| 50 bis 75, Frauen | Mammographie-Screening mit schriftlicher Einladung | alle zwei Jahre |
| ab 65, Männer | Ultraschall der Bauchschlagader (Aneurysma) | einmalig |
Dazu kommt zweimal im Jahr die Kontrolle beim Zahnarzt. Für die meisten Untersuchungen gibt es keine Altersgrenze nach oben. Ob sie im hohen Alter noch sinnvoll sind, ist eine ärztliche Abwägung: Bei schwerer Krankheit oder begrenzter Lebenserwartung kann weniger Diagnostik die bessere Entscheidung sein. Das darf man offen ansprechen.
Impfungen ab 60
Mit dem Alter lässt die Abwehr nach, und Infekte verlaufen schwerer. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt älteren Menschen deshalb mehrere Impfungen, die Kosten trägt die Krankenkasse:
| Impfung | Für wen | Wie oft |
|---|---|---|
| Grippe | ab 60, mit einem Hochdosis- oder wirkverstärkten Impfstoff | jedes Jahr im Herbst |
| Pneumokokken | ab 60 | einmalig |
| Gürtelrose | ab 60; bei erhöhtem Risiko ab 18 | zwei Impfungen im Abstand von zwei bis sechs Monaten |
| RSV | ab 75; zwischen 60 und 74 bei schweren Grunderkrankungen oder im Pflegeheim | einmalig |
| COVID-19 | seit Juli 2026 ab 75; jünger bei Vorerkrankungen und für alle, die in einer Pflegeeinrichtung leben | jedes Jahr im Spätsommer oder Herbst |
| Tetanus und Diphtherie | alle Erwachsenen, einmal davon zusammen mit Keuchhusten | alle zehn Jahre auffrischen |
Am einfachsten ist es, den Impfpass zum nächsten Hausarzttermin mitzunehmen. Grippe-, COVID-19- und Pneumokokken-Impfung lassen sich am selben Tag geben.
Rechtlich vorsorgen
Zur Vorsorge gehört auch, den eigenen Willen rechtzeitig festzuhalten – solange man es selbst entscheiden kann. Ausführlich erklärt unter Rechtliche Vorsorge:
- Vorsorgevollmacht: bestimmt, wer im Ernstfall entscheiden darf
- Patientenverfügung: legt fest, welche medizinischen Maßnahmen man wünscht oder ablehnt
- Betreuungsverfügung: benennt, wer ggf. als gesetzlicher Betreuer eingesetzt werden soll
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Gut essen und trinken – lebensmittelbezogene Ernährungsempfehlungen – Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2024
- Wie viel Protein brauchen wir? – Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Referenzwerte, ab 65 Jahren 1,0 g je kg Körpergewicht
- WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour – Weltgesundheitsorganisation, 2020
- Früherkennung: Diese Vorsorgeuntersuchungen stehen Ihnen zu – Verbraucherzentrale
- Darmkrebsvorsorge: Gleiches Angebot für Frauen und Männer ab 50 Jahren – Gemeinsamer Bundesausschuss, Beschluss mit Wirkung ab April 2025
- § 25 SGB V – Gesundheitsuntersuchungen (Check-up)
- Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2026 – Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/2026
- COVID-19-Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut, Stand 27. Juli 2026 – jährliche Auffrischung ab 75 Jahren und für Risikogruppen
- Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission – Livingston G. et al., The Lancet 2024;404:572–628
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen