Grippe im Alter (Influenza)
Für junge, gesunde Menschen ist eine echte Grippe meist eine harte, aber vorübergehende Woche im Bett. Für ältere Menschen kann sie gefährlich werden – vor allem durch Lungenentzündung und durch Herz- oder Lungenkrankheiten, die sich verschlechtern. Dazu kommt: Im Alter zeigt sich die Grippe oft anders, manchmal ganz ohne Fieber. Diese Seite erklärt, woran du eine Grippe erkennst, wann es eilt, was zu Hause hilft und was die Ständige Impfkommission zur Impfung empfiehlt.
Grippe oder Erkältung?
Die echte Grippe – Fachbegriff Influenza – wird von Influenzaviren ausgelöst. Sie ist etwas anderes als ein grippaler Infekt, also eine Erkältung durch andere Viren. Typisch für die Grippe ist der plötzliche Beginn: Eben ging es noch, kurz darauf kommen Fieber, Husten oder Halsschmerzen, Muskel- und Kopfschmerzen und ein starkes Krankheitsgefühl.
Nicht jede Ansteckung verläuft so. Als Faustregel gilt nach dem Robert Koch-Institut: Etwa ein Drittel der Infizierten erkrankt mit Fieber, ein Drittel leichter, und ein Drittel merkt gar nichts.
Die Grippe tritt vor allem in den Wintermonaten auf, meist als Grippewelle. Sicher feststellen lässt sie sich nur mit einem Test: Am zuverlässigsten ist ein Labortest (PCR). Ein negativer Schnelltest schließt eine Grippe nicht aus.
Im Alter oft anders
Bei älteren Menschen sind die typischen Zeichen oft schwächer oder fehlen. Fieber kann ausbleiben. Manchmal sind die einzigen Hinweise, dass jemand plötzlich nicht mehr essen will, verändert wirkt oder neu verwirrt ist.
- Plötzliche Verwirrtheit – sie kann ein Delir sein, und ein Infekt ist ein bekannter Auslöser, siehe Delir
- Appetitlosigkeit – aus der Pflegepraxis: oft trinken die Betroffenen dann auch kaum noch
- Schwäche – aus der Pflegepraxis: oft mehr Schlaf als sonst, Rückzug
- Atemnot oder schnellere Atmung, oft bei Menschen mit COPD oder Herzschwäche
Warum die Grippe im Alter gefährlich ist: Mit dem Alter lässt die Abwehr nach. Schwere Verläufe betreffen vor allem ältere Menschen und Menschen mit Grundkrankheiten wie Herz- und Lungenkrankheiten oder Diabetes. Die häufigste schwere Folge ist eine Lungenentzündung, durch das Virus selbst oder durch Bakterien, die sich zusätzlich ansiedeln. Auch bestehende Lungenkrankheiten und eine Herzschwäche können sich deutlich verschlechtern.
Noch am selben Tag zur Hausärztin oder zum Hausarzt, wenn ein älterer Mensch oder jemand mit Grundkrankheit Grippezeichen hat. Medikamente gegen das Virus wirken am besten, wenn sie früh begonnen werden – möglichst innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Beschwerden. Bei schweren Verläufen kann die Ärztin oder der Arzt sie auch später noch einsetzen.
Ärztlich abklären lassen, wenn:
- es nach einigen Tagen wieder schlechter wird – schwere Verläufe verschlechtern sich oft erst 3 bis 10 Tage nach Beginn
- Husten mit Auswurf, Fieber oder Atemnot zunehmen
- jemand kaum noch trinkt
- eine Herz- oder Lungenkrankheit sich bemerkbar verschlechtert
Notruf 112 bei starker Atemnot, blauen Lippen, Schmerzen in der Brust, Bewusstseinstrübung oder wenn jemand nicht mehr ansprechbar ist.
Praxis-Hinweis: „Noch am selben Tag“ und die Notfallzeichen beruhen auf allgemeiner Notfallerfahrung aus der Pflege, nicht auf einer der unten genannten Quellen.
Behandlung
Meist wird die Grippe nach den Beschwerden behandelt: Ruhe, ausreichend trinken, Fieber und Schmerzen lindern. Antibiotika helfen nicht gegen Grippeviren. Sie sind nur nötig, wenn sich zusätzlich Bakterien ansiedeln, etwa bei einer Lungenentzündung.
Medikamente gegen das Virus
Gegen Influenzaviren gibt es verschreibungspflichtige Mittel, sogenannte Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir. Das Robert Koch-Institut nennt einen möglichst frühen Beginn, idealerweise innerhalb von 48 Stunden. Bei erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf, etwa bei Herz- oder Lungenkrankheiten, Diabetes oder mehreren Vorerkrankungen, sollte die Behandlung erwogen werden. Ob sie sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Man sollte sich von ihnen aber nicht zu viel versprechen. Eine große Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration fand bei überwiegend gesunden Erwachsenen eine Verkürzung der Beschwerden um im Schnitt etwa 17 Stunden. Dass sie Krankenhausaufenthalte verhindern, ließ sich dort nicht belegen. Häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen. Für ältere Menschen mit Grundkrankheiten sagt diese Arbeit allerdings wenig aus – hier wägt die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall ab.
Fieber- und Schmerzmittel
Auch rezeptfreie Mittel sind im Alter nicht harmlos. Ibuprofen und ähnliche Mittel können Nieren und Herz belasten – bei Herzschwäche oder Nierenschwäche nur nach Rücksprache. Laut Fachinformation haben ältere Menschen unter diesen Mitteln häufiger Nebenwirkungen; bei schwerer Herz- oder Nierenschwäche und bei starkem Flüssigkeitsmangel – etwa wenn jemand wegen der Grippe kaum trinkt oder erbricht – dürfen sie gar nicht genommen werden. Im Alter kommt es unter diesen Mitteln außerdem häufiger zu Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Am besten fragst du in der Hausarztpraxis oder Apotheke, was zu den übrigen Medikamenten passt.
Ansteckung
- Übertragung: vor allem über Tröpfchen und feine Partikel beim Husten und Niesen, daneben auch über Hände und Oberflächen
- Zeit bis zum Ausbruch: kurz, etwa 1 bis 3 Tage
- Ansteckend: im Mittel etwa 4 bis 5 Tage ab den ersten Beschwerden – möglich ist es auch schon vorher
Was schützt: regelmäßig Hände waschen, in die Armbeuge husten, Abstand zu Erkrankten. Wer selbst Grippe hat, besucht ältere oder kranke Angehörige nicht – auch nicht im Pflegeheim.
Die Grippeimpfung
Die Impfung ist laut Robert Koch-Institut die wichtigste Maßnahme gegen die Grippe. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie jedes Jahr unter anderem:
- allen Menschen ab 60 Jahren
- Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten, zum Beispiel des Herzens oder der Lunge, unabhängig vom Alter
- Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen
- Menschen, die mit Risikopersonen in einem Haushalt leben oder sie betreuen – also auch pflegenden Angehörigen; Pflegekräften aus beruflichen Gründen
Welcher Impfstoff ab 60? Mit dem Alter fällt die Antwort des Immunsystems schwächer aus. Deshalb empfiehlt die STIKO ab 60 einen Hochdosis-Impfstoff oder einen Impfstoff mit Wirkverstärker (MF-59-adjuvantiert). Beide gelten als gleichwertig. Ist keiner davon lieferbar oder kommt er aus medizinischen Gründen nicht infrage, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen laut Robert Koch-Institut auch die anderen zugelassenen, inaktivierten Grippeimpfstoffe.
Wann? Jedes Jahr im Herbst, am besten im Oktober oder November, spätestens bis Mitte Dezember. Der volle Schutz baut sich in 10 bis 14 Tagen auf. Wer den Zeitraum verpasst hat, kann die Impfung auch noch zu Beginn oder während der Grippewelle nachholen.
Wie gut schützt sie? Nicht vollständig: Das Robert Koch-Institut gibt für den Schutz vor einer im Labor bestätigten Grippe eine Wirksamkeit von 40 bis 60 Prozent an; bei älteren Menschen liegt sie im Durchschnitt niedriger. Trotzdem bleibt die Impfung laut Robert Koch-Institut die wichtigste Schutzmaßnahme.
Zusammen mit anderen Impfungen: Die Grippeimpfung kann am selben Termin wie die COVID-19-Impfung gegeben werden, in verschiedene Arme. Wer auch die Pneumokokken-Impfung braucht, sollte sie ebenfalls bekommen, weil nach einer Grippe gehäuft Pneumokokken-Infektionen auftreten. Welche Impfungen im Alter sonst empfohlen sind, steht unter Vorsorge.
Geimpft wird in der Hausarztpraxis, für Erwachsene inzwischen auch in vielen Apotheken.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Im Oktober an die Impfung denken – für den pflegebedürftigen Menschen und für dich selbst.
- Früh reagieren: Bei Grippezeichen nicht abwarten, sondern noch am selben Tag in der Hausarztpraxis anrufen.
- Auf Veränderungen achten, nicht nur auf Fieber: Verwirrtheit, Schwäche, kaum essen und trinken.
- Trinken anbieten, regelmäßig und in kleinen Mengen – Fieber und schnelle Atmung kosten Flüssigkeit, siehe Austrocknung. Bei Herzschwäche gilt die ärztlich festgelegte Trinkmenge.
- Bewegung, so gut es geht: Wer nur liegt, hat ein höheres Risiko für Lungenentzündung und Thrombose. Schon Aufsetzen und ein paar Schritte helfen.
- Krank nicht zu Besuch kommen – und Besuch mit Erkältung oder Grippe freundlich bitten, später zu kommen.
- Vorsicht nach der Grippe: Bis Kraft und Gleichgewicht zurück sind, kann es dauern. Hilf in dieser Zeit beim Aufstehen und räum Stolperfallen weg – mehr unter Stürze.
Grippe in der Pflege
- Beobachten: Temperatur, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Trinkmenge und Bewusstseinslage – und Veränderungen gegenüber dem gewohnten Zustand sofort weitergeben.
- Hygiene nach Hygieneplan der Einrichtung: Händedesinfektion, Erkrankte möglichst im eigenen Zimmer versorgen, Schutzausrüstung wie dort vorgesehen.
- Selbst geimpft sein: Die STIKO empfiehlt die Impfung allen, die Risikopersonen betreuen. Pflegekräfte können sonst unbemerkt Viren weitertragen.
- Bei einem Ausbruch im Heim kann die Ärztin oder der Arzt Bewohnerinnen und Bewohnern und dem Personal vorbeugend ein Mittel gegen das Virus geben, unabhängig davon, ob sie geimpft sind – das empfiehlt das Robert Koch-Institut für Ausbrüche in Pflegeheimen. Der Schutz besteht nur, solange das Mittel genommen wird.
- Nach der Akutphase: Mobilität, Ernährung und Trinkmenge gezielt wieder aufbauen und im Blick behalten, ob der gewohnte Stand wieder erreicht wird.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Grippe bei älteren Menschen?
Typisch sind ein plötzlicher Beginn mit Fieber, Husten, Hals-, Muskel- und Kopfschmerzen. Bei älteren Menschen kann Fieber aber fehlen. Dann sind plötzliche Verwirrtheit, Schwäche oder Appetitlosigkeit manchmal die einzigen Hinweise.
Ab wann wird die Grippeimpfung empfohlen?
Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung jedes Jahr allen ab 60 Jahren, außerdem Menschen mit bestimmten Grundkrankheiten, Bewohnern von Pflegeheimen und allen, die Risikopersonen betreuen oder mit ihnen zusammenleben. Ab 60 wird ein Hochdosis-Impfstoff oder ein MF-59-adjuvantierter Impfstoff empfohlen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?
Im Herbst, ab Oktober bis Mitte Dezember. Der Schutz baut sich in 10 bis 14 Tagen auf. Auch später in der Saison kann die Impfung noch sinnvoll sein.
Helfen Antibiotika gegen Grippe?
Nein. Antibiotika wirken nicht gegen Viren. Sie sind nur nötig, wenn sich zusätzlich Bakterien ansiedeln, zum Beispiel bei einer Lungenentzündung. Gegen das Grippevirus selbst gibt es verschreibungspflichtige Mittel, die möglichst innerhalb von 48 Stunden begonnen werden sollten.
Wie lange ist man mit Grippe ansteckend?
Im Mittel etwa 4 bis 5 Tage ab den ersten Beschwerden. Ansteckend sein kann man auch schon kurz vorher. Wer Grippe hat, sollte ältere und kranke Menschen in dieser Zeit nicht besuchen.
Passend dazu
Lungenentzündung · Delir · Austrocknung · Vorsorge und Impfungen · COPD
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- RKI-Ratgeber Influenza (saisonal) – Robert Koch-Institut
- Schutzimpfung gegen Influenza – Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut, Stand 10.09.2026
- PraxisInfo Grippeschutzimpfung Saison 2026/2027 – Kassenärztliche Bundesvereinigung, Stand September 2026: STIKO-Empfehlung ab 60 für die aktuelle Saison
- Hochdosis- und MF-59-adjuvantierter Impfstoff für Personen ab 60 Jahren – Robert Koch-Institut, Stand 08.09.2025
- Neuraminidasehemmer zur Vorbeugung und Behandlung von Influenza bei gesunden Erwachsenen und Kindern – Jefferson T. u. a., Cochrane Review 2014, deutsche Zusammenfassung
- Echte Grippe: atypische Symptome – Pharmazeutische Zeitung, 04.11.2024, mit Aussagen des Geriaters Prof. Roland Hardt (Universitätsmedizin Mainz) zu Verwirrtheit, Schwäche und fehlendem Fieber (Fachpresse)
- Influenza in Older Adults – Minnesota Department of Health, zu untypischen Zeichen im Alter (englisch)
- Fachinformation Ibuprofen 400 mg – Stand Juni 2026, Abschnitte 4.3 und 4.4: Gegenanzeigen und Warnhinweise bei Herz- und Nierenschwäche, Flüssigkeitsmangel und im Alter
- § 20c Infektionsschutzgesetz – Schutzimpfungen in Apotheken
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen