Gürtelrose (Herpes zoster)
Wer als Kind Windpocken hatte, trägt das Virus ein Leben lang in sich. Im Alter kann es wieder aktiv werden – als Gürtelrose. Sie beginnt oft mit brennenden Schmerzen, bevor überhaupt etwas zu sehen ist, und kann noch lange nach dem Abheilen wehtun. Diese Seite erklärt, woran man eine Gürtelrose erkennt, warum schnelles Handeln wichtig ist, wie ansteckend sie ist und für wen die Ständige Impfkommission die Impfung empfiehlt.
Was ist eine Gürtelrose?
Nach einer Windpocken-Erkrankung bleiben die Varizella-Zoster-Viren unbemerkt in den Nervenwurzeln. Wird das Immunsystem schwächer – mit dem Alter, durch Krankheit oder Medikamente –, können sie wieder aktiv werden. Sie wandern entlang eines Nervs zur Haut und lösen dort Schmerzen und einen Ausschlag aus.
- Häufigkeit: Etwa 2 von 10 Menschen, die Windpocken hatten, bekommen später eine Gürtelrose
- Alter: Meist erkranken Menschen über 50 Jahre
- Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem
Warnzeichen
- Zuerst oft nur Schmerz: brennend oder stechend, mittelstark bis stark – manchmal Tage bevor etwas zu sehen ist. Das wird leicht für Rücken- oder Herzschmerzen gehalten
- Dann Rötung mit kleinen Knötchen, aus denen Bläschen werden
- Streifenförmig auf einer Körperseite – am Rumpf oft wie ein halber Gürtel, daher der Name. Auch Gesicht, Hals, Arme oder Beine können betroffen sein
- Manchmal Abgeschlagenheit und leichtes Fieber
Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem kann sich der Ausschlag über den ganzen Körper ausbreiten.
Bei Verdacht möglichst schnell zum Arzt – die Medikamente gegen das Virus wirken am besten, wenn sie früh beginnen, möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Auftreten des Ausschlags.
Noch am selben Tag, wenn die Gürtelrose im Gesicht auftritt, besonders an Stirn, Nase oder in der Nähe des Auges: Sie kann auf das Auge übergreifen und die Hornhaut entzünden. Ebenso bei geschwächtem Immunsystem, bei Ausschlag an mehreren Stellen, hohem Fieber, Verwirrtheit oder Lähmungen.
Behandlung
- Medikamente gegen das Virus (zum Beispiel Aciclovir): Früh eingenommen, können sie die Heilung beschleunigen – möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags
- Schmerzmittel: je nach Stärke zum Beispiel Paracetamol, bei starken Schmerzen auch verschreibungspflichtige Mittel wie Opioide. Welche Mittel im Alter passen, steht unter Schmerz im Alter
- Hautpflege: Bläschen nicht aufkratzen, sauber und trocken halten, locker abdecken
Der Ausschlag heilt meist innerhalb von zwei bis vier Wochen ab.
Wenn der Schmerz bleibt: die Post-Zoster-Neuralgie
Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen haben noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag längst abgeheilt ist. Fachleute sprechen von einer Post-Zoster-Neuralgie. Das Risiko steigt mit dem Alter. Die Schmerzen können Monate anhalten, den Schlaf stören und die Stimmung drücken.
- Normale Schmerzmittel helfen bei Nervenschmerzen oft nur wenig. Es gibt eigene Medikamente gegen Nervenschmerzen
- Anhaltende Schmerzen nicht aushalten, sondern ärztlich behandeln lassen – bei Bedarf in einer Schmerzpraxis
- Auf Stimmung und Schlaf achten – siehe Altersdepression und Schlafstörungen
Ist Gürtelrose ansteckend?
Gürtelrose selbst bekommt man nicht von anderen. Aber die Flüssigkeit in den Bläschen enthält das Virus. Wer noch nie Windpocken hatte und nicht dagegen geimpft ist, kann sich daran anstecken – und bekommt dann Windpocken, keine Gürtelrose.
- Ansteckend ist man ab dem Ausschlag, bis alle Bläschen verkrustet sind – meist 5 bis 7 Tage
- Die Ansteckungsgefahr ist gering, weil nur die Bläschenflüssigkeit ansteckend ist. Abdecken der Hautstellen senkt sie deutlich
- Vorsicht bei Kontakt mit Menschen ohne Windpocken-Schutz, Schwangeren ohne Schutz, Neugeborenen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem
Die Impfung
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Gürtelrose mit einem Totimpfstoff:
- Für alle ab 60 Jahren als Standardimpfung
- Ab 18 Jahren für Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa bei geschwächtem Immunsystem, bestimmten Autoimmunerkrankungen oder schweren chronischen Erkrankungen
- Zwei Impfungen im Abstand von mindestens 2 und höchstens 6 Monaten
- Auch nach einer Gürtelrose: Empfohlen wird ein Abstand von 6 bis 12 Monaten nach dem vollständigen Abklingen
- Ein Test, ob man Windpocken hatte, ist in der Regel nicht nötig
- Der frühere Lebendimpfstoff wird wegen eingeschränkter Wirksamkeit und kurzer Schutzdauer nicht empfohlen
Bei einer Standard- oder Indikationsimpfung nach STIKO übernehmen die Krankenkassen in der Regel die Kosten – im Zweifel vorher nachfragen. Der Impfpass gehört zu jedem Hausarztbesuch, gerade im Herbst, wenn auch Grippe und andere Impfungen anstehen.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Neue, einseitige Schmerzen ernst nehmen, besonders wenn sie brennen – und in den nächsten Tagen auf Ausschlag achten
- Bei Verdacht sofort einen Arzttermin organisieren, nicht bis nach dem Wochenende warten
- Bei der Schmerzbehandlung darauf achten, dass die Mittel regelmäßig genommen werden und wirken
- Hände waschen nach Kontakt mit dem Ausschlag, Handtücher nicht gemeinsam benutzen
- Enkel und Besuch ohne Windpocken-Schutz, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem vom Kontakt mit den Bläschen fernhalten
- An die Impfung denken – auch für sich selbst: ab 60 Jahren, bei eigenen Risikoerkrankungen schon ab 18
Gürtelrose in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten
- Hautbeobachtung bei neu geklagten, einseitigen Schmerzen – Gürtelrose wird anfangs leicht übersehen
- Hautstellen abdecken, Händehygiene konsequent einhalten, bei Kontakt mit den Bläschen Handschuhe tragen
- Mitarbeitende ohne Windpocken-Schutz und schwangere Kolleginnen ohne Schutz sollten die Versorgung nicht übernehmen – Einzelheiten regeln Hygieneplan und Betriebsarzt
- Hygieneplan der Einrichtung beachten – bei immungeschwächten Mitbewohnern und bei ausgedehntem Befall gelten strengere Maßnahmen
- Schmerzen regelmäßig einschätzen und dokumentieren, auch nach dem Abheilen – an eine Post-Zoster-Neuralgie denken
- Gesicht und Auge besonders beobachten: Rötung, Schmerzen, Sehstörungen sofort melden
- Impfstatus bei der Aufnahme und beim Hausarzt ansprechen
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine Gürtelrose?
Oft beginnt sie mit brennenden oder stechenden Schmerzen auf einer Körperseite, bevor etwas zu sehen ist. Dann folgen Rötung, kleine Knötchen und Bläschen, die streifenförmig auf einer Körperhälfte liegen – am Rumpf oft wie ein halber Gürtel.
Ist Gürtelrose ansteckend?
Gürtelrose selbst nicht. Wer noch nie Windpocken hatte und nicht geimpft ist, kann sich aber an der Flüssigkeit der Bläschen anstecken und bekommt dann Windpocken. Ansteckend ist man ab dem Ausschlag, bis alle Bläschen verkrustet sind – meist 5 bis 7 Tage. Abdecken senkt die Gefahr deutlich.
Wie schnell muss man mit Gürtelrose zum Arzt?
Möglichst schnell: Die Medikamente gegen das Virus wirken am besten, wenn sie innerhalb von 72 Stunden nach Beginn des Ausschlags genommen werden. Bei Gürtelrose im Gesicht noch am selben Tag, weil das Auge betroffen sein kann.
Ab welchem Alter wird die Gürtelrose-Impfung empfohlen?
Die STIKO empfiehlt sie allen ab 60 Jahren. Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa mit geschwächtem Immunsystem oder schweren chronischen Erkrankungen, schon ab 18 Jahren. Geimpft wird zweimal mit einem Totimpfstoff, im Abstand von 2 bis 6 Monaten.
Kann man nach einer Gürtelrose geimpft werden?
Ja. Empfohlen wird ein Abstand von 6 bis 12 Monaten, nachdem die Gürtelrose vollständig abgeklungen ist. Eine Gürtelrose kann – selten – auch wiederkommen.
Warum tut es nach der Gürtelrose immer noch weh?
Das Virus kann den Nerv entzünden und schädigen. Etwa 10 bis 20 von 100 Menschen haben noch erhebliche Schmerzen, wenn der Ausschlag abgeheilt ist – eine Post-Zoster-Neuralgie. Sie sollte gezielt mit Medikamenten gegen Nervenschmerzen behandelt werden.
Passend dazu
Die Haut · Schmerz im Alter · Hören & Sehen · Lungenentzündung · Vorsorge
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Schutzimpfung gegen Herpes zoster – Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut, Stand 29.01.2026
- Schutzimpfung gegen Herpes zoster – Umsetzung – Robert Koch-Institut
- STIKO: Erweiterung der Indikationsimpfempfehlung zur Herpes-zoster-Impfung für Personen ab 18 Jahren mit erhöhtem Risiko – Epidemiologisches Bulletin
- RKI-Ratgeber Windpocken und Gürtelrose – Robert Koch-Institut
- Gürtelrose – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen