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Austrocknung im Alter (Exsikkose)

Wer alt ist, hat oft kaum noch Durst – und trinkt deshalb zu wenig, ohne es zu merken. Ein Flüssigkeitsmangel bleibt lange unauffällig und zeigt sich dann plötzlich: als Verwirrtheit, Schwindel, Sturz oder Infekt. Diese Seite erklärt, woran man eine Austrocknung erkennt, warum die üblichen Hausmittel-Tests im Alter täuschen, wie viel ältere Menschen trinken sollten und wie man im Alltag wirklich mehr ins Glas bekommt. Wie Austrocknung mit Mangelernährung zusammenhängt, steht unter Mangelernährung.

Was ist eine Austrocknung?

Bei einer Austrocknung – Fachleute sagen Exsikkose oder Dehydratation – fehlt dem Körper Wasser. Zwei Formen sind zu unterscheiden:

Beide Formen können zusammenkommen – etwa wenn jemand mit Magen-Darm-Infekt auch noch kaum trinkt.

Warum ältere Menschen gefährdet sind

Meist treffen mehrere dieser Gründe zusammen.

Warnzeichen

Eine neue, rasch auftretende Verwirrtheit ist immer ein Warnsignal – Flüssigkeitsmangel ist ein bekannter Auslöser eines Delirs. Bei älteren Menschen können schon wenige solcher Faktoren genügen.

Was wirklich Klarheit bringt

Viele verlassen sich auf einfache Tests: eine Hautfalte am Handrücken hochziehen, in den Mund schauen, auf die Urinfarbe achten. Bei älteren Menschen sind diese Zeichen aber unzuverlässig. Die europäische Fachgesellschaft für klinische Ernährung (ESPEN) empfiehlt ausdrücklich, Hautfalte, Mundtrockenheit, Gewichtsveränderung und Urinfarbe nicht zu verwenden, um den Flüssigkeitshaushalt älterer Menschen zu beurteilen.

Folgen

Ein deutlicher Flüssigkeitsmangel kann gerade bei älteren Menschen ernste Folgen haben:

Wie viel sollten ältere Menschen trinken?

Behandlung

🚨 Wann sofort Hilfe nötig ist

Rasch ärztlichen Rat holen bei ungewöhnlicher Schwäche, neuer Verwirrtheit oder Schwindel – besonders wenn jemand kaum trinkt, Durchfall hat, erbricht oder fiebert.

Notruf 112 bei Bewusstseinstrübung, Krampfanfall oder Zeichen eines Kreislaufschocks wie kühlen Händen und Füßen, Unruhe, Schweißausbrüchen, Teilnahmslosigkeit bis zur Bewusstlosigkeit.

Was Angehörige und Pflegende tun können

Austrocknung in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten

Kurzvideos zum Thema

In etwa einer Minute erklärt – die Videos öffnen sich auf YouTube:

Häufige Fragen

Wie viel sollten ältere Menschen am Tag trinken?

Als Orientierung gelten in Deutschland etwa 1,5 Liter Getränke am Tag. Die europäische Fachgesellschaft ESPEN empfiehlt, älteren Frauen mindestens 1,6 Liter und älteren Männern mindestens 2 Liter anzubieten. Bei Herz- oder Nierenschwäche kann der Bedarf ganz anders sein – dann legt der Arzt die Menge fest.

Woran erkenne ich eine Austrocknung bei älteren Menschen?

Typisch sind Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme, trockene Schleimhäute, Teilnahmslosigkeit und vor allem neue Verwirrtheit. Einfache Tests wie die Hautfalte oder die Urinfarbe sind im Alter unzuverlässig. Ob jemand zu wenig getrunken hat, zeigt verlässlich erst eine Blutuntersuchung. Bei Durchfall oder Erbrechen beurteilt der Arzt die Lage anders.

Zählt Kaffee zur Trinkmenge?

Ja. Das Koffein in Kaffee und schwarzem Tee wirkt nur wenig harntreibend. Am besten sind Wasser und ungesüßte, nicht alkoholische Getränke wie Kräuter- und Früchtetee oder Saftschorle.

Hilft es, abends weniger zu trinken, um nachts nicht raus zu müssen?

Weniger trinken insgesamt ist keine gute Idee, weil ältere Menschen dann leicht austrocknen. Sinnvoller ist es, den größeren Teil der Tagesmenge vormittags und nachmittags zu trinken. Häufiges nächtliches Wasserlassen sollte ärztlich abgeklärt werden.

Was tun, wenn ein älterer Mensch plötzlich verwirrt ist und wenig getrunken hat?

Rasch ärztlichen Rat holen. Plötzliche Verwirrtheit kann ein Delir sein, und Flüssigkeitsmangel ist ein bekannter Auslöser. Bei Bewusstseinstrübung, Krampfanfall oder Schockzeichen den Notruf 112 wählen.

Kann man zu viel trinken?

Ja, vor allem auf einmal. Weil die Nieren im Alter nicht mehr so gut arbeiten, sollten größere Mengen über mehrere Stunden verteilt werden – nicht mehr als etwa 0,7 bis 1 Liter pro Stunde. Bei Herz- oder Nierenschwäche gilt die ärztlich festgelegte Menge.

Passend dazu

Mangelernährung · Delir · Schluckstörung · Inkontinenz · Herzschwäche · Die Nieren · Kurzvideos: Haut, Trinken und Alltag

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics – Volkert D. et al., Clinical Nutrition 2022, Abschnitt 3.3 (Austrocknung durch zu wenig Trinken)
  2. Flüssigkeitsmangel (Dehydration) – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  3. Im Alltag genug trinken: Tipps und Hilfen – IQWiG
  4. Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP)
  5. S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter – DGG und DGGPP mit weiteren Fachgesellschaften, AWMF-Register 109-001

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.