Pflege – kurz und leicht erklärt

Verständliches Wissen rund um Pflege, Krankheit und Alter

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Zahn- und Mundgesundheit im Alter

Ein wunder Mund tut bei jedem Bissen weh. Wer schlecht kauen kann, isst weniger, spricht ungern und zieht sich zurück. Trotzdem gerät der Mund in der Pflege leicht aus dem Blick. Diese Seite erklärt, welche Probleme im Alter häufig sind, wie die tägliche Mundpflege und die Pflege einer Prothese gelingen, was bei Mundtrockenheit hilft, wann du zum Zahnarzt solltest und welche Leistungen die Krankenkasse für Menschen mit Pflegegrad zahlt.

Warum der Mund im Alter so wichtig ist

Gesunde Zähne und eine gesunde Mundschleimhaut sind die Voraussetzung, um gut zu essen, deutlich zu sprechen und sich wohlzufühlen. Der Expertenstandard „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ hält fest: Probleme im Mundbereich treten sehr häufig auf.

Die Zähne halten heute länger. Nach der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (2025) sind nur noch 5 von 100 Menschen zwischen 65 und 74 Jahren ganz ohne eigene Zähne. Dafür haben 85 von 100 eine Erkrankung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats (Parodontitis), jeder Zweite eine schwere.

Mit Pflegebedarf sieht es schlechter aus. In der Vorgängerstudie (Daten von 2014) war gut jeder zweite pflegebedürftige Mensch zwischen 75 und 100 Jahren völlig zahnlos. Fast jeder Dritte brauchte Hilfe bei der täglichen Mundhygiene – je höher der Pflegebedarf, desto häufiger.

Wer schlecht kauen kann oder Schmerzen im Mund hat, isst oft weniger. Mehr dazu unter Mangelernährung.

Die häufigsten Probleme im Mund

Zahnfleischentzündung und Parodontitis

Hauptursache sind bakterielle Beläge auf den Zähnen. Bei einer Zahnfleischentzündung ist das Zahnfleisch gerötet oder geschwollen und blutet oft beim Putzen. Greift die Entzündung auf den Zahnhalteapparat über, spricht man von Parodontitis: Die Zahnhälse werden sichtbar („lange Zähne“), das Zahnfleisch schmerzt, es kommt zu Mundgeruch, später können Zähne wackeln oder sich verschieben. Rauchen und Diabetes begünstigen beides.

Karies an den Zahnhälsen

Wenn das Zahnfleisch zurückgeht, liegen die Zahnwurzeln frei. Dort kann Karies entstehen (Wurzelkaries). Zur Vorbeugung empfiehlt die zahnärztliche Leitlinie eine höher dosierte Fluorid-Zahnpasta. Sie ist verschreibungspflichtig – frag in der Zahnarztpraxis, ob sie sinnvoll ist.

Mundtrockenheit

Eine mögliche Ursache sind Nebenwirkungen von Medikamenten. Genug zu trinken hilft dagegen. Was hilft, steht unter Trockener Mund.

Pilzbefall (Soor)

Typisch ist ein weißer Belag auf der Schleimhaut, der sich abstreifen lässt. Darunter zeigen sich rote, entzündete, oft leicht blutende Stellen. Der Mund fühlt sich pelzig an, die Zunge kann brennen, der Geschmack verändert sich. Gefährdet sind unter anderem Menschen mit Zahnprothese, mit Diabetes, unter bestimmten Medikamenten wie Breitspektrum-Antibiotika, mit geschwächter Abwehr und Pflegebedürftige, die wenig essen und trinken oder über eine Sonde ernährt werden. Bei Verdacht die Ärztin, den Arzt oder den Pflegedienst informieren. Soor wird mit Pilzmitteln behandelt. Siehe auch Soor im Glossar.

Druckstellen und eine Prothese, die nicht mehr sitzt

Druckstellen und eine schlecht sitzende Prothese zählen zu den Warnzeichen, die zahnärztlich abgeklärt werden sollten. Das Essen wird sonst mühsam. Eine schlecht sitzende Prothese gehört in die Zahnarztpraxis.

Praxis-Hinweis: Nach starkem Abnehmen sitzt eine Prothese oft nicht mehr richtig. Mehr Haftcreme löst das Problem nicht.

⚠️ Wann zum Zahnarzt?

Zeitnah abklären lassen: Schmerzen, Rötungen, Schwellungen, Blutungen, Druckstellen, gelbliche Beläge, Krusten, häufig eingerissene Mundwinkel, lockere Zähne, Mundtrockenheit, starker Mundgeruch, Geschmacksverlust, anhaltende Probleme beim Kauen oder Schlucken und eine Prothese, die schlecht sitzt.

Jede Veränderung der Mundschleimhaut, die länger als zwei Wochen besteht, abklären lassen – zum Beispiel ein weißer oder grauer Fleck, der sich nicht abwischen lässt, oder eine wunde Stelle, die nicht abheilt. Dahinter kann auch ein Mundhöhlenkrebs stecken. Solche Stellen werden leicht für eine Druckstelle oder einen Biss gehalten. Auch eine Prothese, die plötzlich schlechter sitzt, kann ein Hinweis sein.

Noch am selben Tag ärztlich oder zahnärztlich ansehen lassen: eine dicke Wange oder Schwellung am Kiefer mit Fieber, oder wenn sich der Mund kaum noch öffnen lässt. Hört eine Blutung nach einer Zahnbehandlung trotz Draufbeißen auf einen Tupfer nicht auf, die Praxis oder den zahnärztlichen Notdienst anrufen – vor allem bei Blutverdünnern.

Sofort 112, wenn zur Schwellung Atemnot oder Schluckbeschwerden kommen oder die Schwellung zum Auge oder zum Hals zieht – und wenn jemand eine Prothese oder ein Stück davon verschluckt hat und hustet oder schlecht Luft bekommt.

Praxis-Hinweis: Die Regeln „noch am selben Tag“ und „sofort 112“ sind allgemeine Erste-Hilfe-Regeln, keine Aussagen der unten genannten Quellen.

Tägliche Mundpflege – so geht’s

Zähneputzen in vier Schritten 1 Kauflächen alle Backenzähne 2 Außenseiten Wange Zunge zur Wange und Lippe hin 3 Innenseiten Wange Zunge zur Zunge hin hinten vorn 4 Zunge nicht zu tief von hinten nach vorn 2× täglich · 2 Minuten · weiche Bürste Fluorid-Zahnpasta, erbsengroß · nicht ausspülen Kopf leicht nach vorn neigen
Schematische Darstellung nach dem Ratgeber Mundpflege des Zentrums für Qualität in der Pflege. Zahnzwischenräume zusätzlich mehrmals in der Woche reinigen.

Mundspüllösungen: Bei medizinischen Mundspülungen, etwa mit Chlorhexidin, vorher ärztlichen oder zahnärztlichen Rat einholen.

Bei Sondenernährung fehlt das Kauen, und die Gefahr für Pilzbefall steigt. Mundpflege bleibt deshalb wichtig – lass dich dazu zahnärztlich und pflegefachlich beraten.

Praxis-Hinweis: Auch wer keine eigenen Zähne mehr hat, braucht Mundpflege – Zunge und Schleimhaut sanft reinigen und dabei auf Veränderungen achten.

Zahnprothese pflegen

Trockener Mund – was hilft

Wenn jemand die Mundpflege ablehnt

Gerade Menschen mit Demenz wehren sich manchmal gegen die Zahnbürste. Das ist kein böser Wille. Der Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege empfiehlt:

Praxis-Hinweis: Hinter Abwehr bei der Mundpflege oder beim Essen können auch Schmerzen im Mund stecken. Dann den Mund ansehen und zahnärztlich abklären lassen.

Mundpflege und Lungenentzündung

Gute Mundpflege wird in Pflegeheimen oft eingesetzt, um einer Lungenentzündung vorzubeugen. Die Überlegung dahinter: Wer sich verschluckt, kann Speichel mit Bakterien aus dem Mund in die Lunge einatmen.

Wie stark sie schützt, ist aber nicht sicher. Eine Cochrane-Übersicht von 2022 hat sechs Studien in Pflegeheimen ausgewertet. Ob eine professionelle Mundpflege durch Fachpersonal Lungenentzündungen verhindert, ließ sich nicht feststellen. Es gab nur einen Hinweis mit geringer Sicherheit: In zwei Studien starben nach zwei Jahren weniger Menschen an einer Lungenentzündung.

Das heißt: Mundpflege lohnt sich – für das Essen, das Wohlbefinden und möglicherweise auch für die Lunge. Ein sicherer Schutz ist sie nicht.

Praxis-Hinweis: Zur Vorbeugung gehören auch Impfungen, aufrechtes Sitzen beim Essen und das Erkennen einer Schluckstörung. Mehr unter Lungenentzündung vorbeugen.

Was die Krankenkasse zahlt

Zusätzliche Leistungen bei Pflegegrad

Wer einen Pflegegrad hat oder Leistungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen bekommt, hat nach § 22a SGB V Anspruch auf zusätzliche zahnärztliche Vorsorge. Nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses gibt es einmal pro Kalenderhalbjahr (Januar bis Juni und Juli bis Dezember):

Das Ergebnis gibt es als Ausdruck. Mit Zustimmung des pflegebedürftigen Menschen können Angehörige und Pflegedienst ihn nutzen. Sprich die Zahnarztpraxis ausdrücklich auf diese Leistungen an.

Zum Ausdrucken und Mitnehmen: Der Gemeinsame Bundesausschuss erklärt die Leistungen in einem Merkblatt – Merkblatt des G-BA (PDF) und in Leichter Sprache (PDF).

Wenn der Weg in die Praxis nicht mehr geht

Für alle gesetzlich Versicherten

Zwei zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen im Jahr, die Entfernung von Zahnstein einmal im Jahr und alle zwei Jahre eine Untersuchung auf Parodontitis zahlt die Krankenkasse. Eine professionelle Zahnreinigung muss man in der Regel zumindest teilweise selbst zahlen.

Was Angehörige tun können

Mundgesundheit in der Pflege

Der Expertenstandard „Förderung der Mundgesundheit in der Pflege“ des DNQP beschreibt, was Pflegefachkräfte tun:

Die Einrichtung braucht dafür eine Verfahrensregelung, geeignetes Material und Zugang zu weiterer Expertise, etwa zahnärztlicher. Nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses kann der Mundgesundheitsplan der Zahnarztpraxis mit Zustimmung als Anlage zum Pflegeplan genutzt werden.

Aus der Pflegepraxis: Mundpflege gehört bei jedem Menschen mit Pflegebedarf in die Pflegeplanung – mit Zeitpunkt, Hilfsmitteln und dem, was der Mensch selbst schafft. Weitere Hinweise zur Soorprophylaxe stehen unter Prophylaxen.

Merksatz: Zweimal täglich putzen, einmal hinschauen – und einmal im Jahr zum Zahnarzt, mit Pflegegrad besser jedes halbe Jahr.

Häufige Fragen

Wie oft sollten ältere Menschen zum Zahnarzt?

Mindestens einmal im Jahr zur Vorsorge. Wer einen Pflegegrad hat, kann jedes Kalenderhalbjahr zusätzliche Vorsorgeleistungen bekommen: Mundgesundheitsstatus, Mundgesundheitsplan, Aufklärung und Zahnsteinentfernung.

Muss die Zahnprothese nachts raus?

Nach dem Ratgeber des Zentrums für Qualität in der Pflege wird die gereinigte Prothese über Nacht trocken in einer offenen Prothesendose aufbewahrt. Teilprothesen bleiben nachts nur im Mund, wenn die Zahnarztpraxis das empfohlen hat. Im Zweifel dort nachfragen.

Kommt der Zahnarzt auch nach Hause?

Manche Zahnarztpraxen machen Hausbesuche. Für Menschen mit Pflegegrad, die nicht oder nur mit großem Aufwand in die Praxis kommen können, ist dafür eine zusätzliche Vergütung vorgesehen. Am besten in der eigenen Praxis fragen. Im Pflegeheim kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt über einen Kooperationsvertrag kommen.

Was ist der weiße Belag im Mund?

Ein weißer Belag, der sich abstreifen lässt und darunter rote, wunde Stellen zeigt, ist oft ein Pilzbefall (Soor). Das gehört ärztlich behandelt. Ein weißer oder grauer Fleck, der sich nicht abwischen lässt, oder jede andere Veränderung, die länger als zwei Wochen besteht, sollte zahnärztlich oder ärztlich abgeklärt werden.

Was hilft gegen einen trockenen Mund?

Genug trinken, sofern ärztlich nichts anderes gilt, wasserreiche Lebensmittel, zuckerfreie weiche Bonbons und Speichelersatz nach zahnärztlicher Beratung. Auch Medikamente können die Ursache sein – das sollte ärztlich geprüft werden. Medikamente nicht selbst absetzen.

Schützt Mundpflege vor Lungenentzündung?

Sie gilt als wichtiger Teil der Vorbeugung. Ob professionelle Mundpflege Lungenentzündungen verhindert, konnte eine Cochrane-Übersicht von 2022 aber nicht sicher zeigen. Es gibt einen Hinweis mit geringer Sicherheit, dass weniger Menschen daran sterben.

🖨️ Merkblatt zum Mitnehmen: Mundpflege, Prothesenpflege, die Warnzeichen und was die Kasse bei Pflegegrad zahlt auf einer Seite – zum Ausdrucken für das Badezimmer oder zum Weitergeben. Merkblatt als PDF

Passend dazu

Schluckstörung · Lungenentzündung · Mangelernährung · Prophylaxen · Demenz · Diabetes

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Expertenstandard Förderung der Mundgesundheit in der Pflege – Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), Osnabrück 2023 (Standardtext Stand August 2021; Auszug: Präambel, Standardaussage und Kriterien)
  2. § 22a SGB V – Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen – Gesetzestext
  3. Richtlinie über Maßnahmen zur Verhütung von Zahnerkrankungen bei Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen – Gemeinsamer Bundesausschuss, zuletzt geändert am 15.12.2022, in Kraft seit 15.02.2023, §§ 1 bis 8
  4. Zusätzliche zahnärztliche Leistungen für Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen – Patienteninformation des Gemeinsamen Bundesausschusses, Stand Juli 2018
  5. Zusätzliche Leistungen zur Mund-Gesundheit – Merkblatt in Leichter Sprache – Gemeinsamer Bundesausschuss
  6. § 87 Abs. 2i und 2j SGB V – zusätzliche Leistungen für das Aufsuchen von Pflegebedürftigen – Gesetzestext
  7. § 119b SGB V – Ambulante Behandlung in stationären Pflegeeinrichtungen – Gesetzestext
  8. Die Kooperation nach § 119b SGB V zwischen dem niedergelassenen Zahnarzt und dem Pflegeheim – IWW Zahnärzte Praxis (Fachpresse, ergänzend)
  9. Rahmenvereinbarung kooperative und koordinierte zahnärztliche und pflegerische Versorgung von stationär Pflegebedürftigen – Anlage 12 zum Bundesmantelvertrag Zahnärzte, KZBV und GKV-Spitzenverband, Fassung vom 06.11.2019, zuletzt geändert 29.09.2020
  10. Krankenbeförderung – Gemeinsamer Bundesausschuss, Ausnahmen für Fahrten zur ambulanten Behandlung
  11. Ratgeber Mundpflege – Praxistipps für den Pflegealltag – Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), 10. Auflage 2024
  12. S3-Leitlinie Kariesprävention bei bleibenden Zähnen – grundlegende Empfehlungen – DGZ und DGZMK, AWMF-Registernummer 083-021, Version 2.0, Stand 28.01.2025, gültig bis 27.01.2030
  13. Zahnfleischentzündung und Parodontitis – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit IQWiG, Stand 28.08.2024
  14. Pilzinfektion der Mundhöhle – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit IQWiG, Stand 23.08.2024
  15. Mundhöhlenkrebs – Patientenleitlinie – Leitlinienprogramm Onkologie, Deutsche Krebshilfe, Stand September 2021
  16. Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6): Statement zur Pressekonferenz – Jordan A. R., Institut der Deutschen Zahnärzte, 17.03.2025
  17. Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) – Kurzfassung – Institut der Deutschen Zahnärzte, 2016 (Daten 2014)
  18. Fachinformation Alendronsäure dura 70 mg Tabletten – Stand Juni 2026, Abschnitt 4.4: Kieferosteonekrose
  19. Oral care measures for preventing nursing home-acquired pneumonia – Cao Y. u. a., Cochrane Database of Systematic Reviews 2022
  20. ICD-10-GM K05: Gingivitis und Krankheiten des Parodonts – gesund.bund.de

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

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