Pflege – kurz und leicht erklärt

Verständliches Wissen rund um Pflege, Krankheit und Alter

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Mangelernährung & Flüssigkeitsmangel

Mangelernährung im Alter sieht man nicht immer – ein großer Teil der Betroffenen ist normal- oder übergewichtig. Entscheidend ist nicht die Kalorienzahl, sondern der Muskelabbau. Diese Seite erklärt die Warnzeichen, die häufig behebbaren Ursachen und was im Alltag wirklich hilft. Wie die Verdauung arbeitet und was sich im Alter verändert, steht unter Magen & Darm.

Warum Mangelernährung im Alter so oft übersehen wird

Mangelernährung sieht man nicht immer. Der Klassiker ist der dünne, gebrechliche Mensch – aber ein großer Teil der Betroffenen ist normal- oder sogar übergewichtig. Bei ihnen fällt der Muskelabbau unter dem Fettgewebe nicht auf, und der Gewichtsverlust wird als Erfolg gewertet („Endlich hat sie ein bisschen abgenommen“).

Im Alter geht es nicht in erster Linie um Kalorien, sondern um Eiweiß. Fehlt es, baut der Körper Muskulatur ab – ein Zustand, den man Sarkopenie nennt. Die Folgen:

Der Teufelskreis: Wer wenig isst, verliert Muskeln. Wer Muskeln verliert, bewegt sich weniger. Wer sich weniger bewegt, hat weniger Appetit. Diesen Kreis früh zu durchbrechen ist einfacher, als ihn später umzukehren.

Warnzeichen – worauf man achtet

Am zuverlässigsten ist Wiegen: einmal im Monat, immer zur gleichen Zeit, in ähnlicher Kleidung, notiert. Diese eine Gewohnheit erkennt Mangelernährung Monate früher als jedes Gefühl. Vorlage im Pflegetagebuch.

Beispiel: 70 kg 70 kg heute 66,5 kg nach 3 Monaten unter 66,5 kg mehr als 5 % weg 63 kg nach 6 Monaten unter 63 kg mehr als 10 % weg Liegt das Gewicht darunter, gilt das als kritisch. Kritisch bei mehr Verlust als … Gewicht vorher in 3 Monaten in 6 Monaten 50 kg 2,5 kg 5 kg 60 kg 3 kg 6 kg 70 kg 3,5 kg 7 kg 80 kg 4 kg 8 kg 90 kg 4,5 kg 9 kg Am zuverlässigsten: einmal im Monat wiegen.
Kritisch ist mehr als 5 % Gewichtsverlust in drei Monaten oder mehr als 10 % in einem halben Jahr – meist weniger, als man für bedeutsam hält.

Die Ursachen – und warum Nachfragen so wichtig ist

Fast nie ist es einfach „kein Appetit“. Meist steckt etwas dahinter, das man beheben kann:

Im Mund

Im Körper

Im Kopf und im Leben

Was hilft – von einfach nach aufwendig

1. Die Ursache beheben

Zahnarzt, Schmerzbehandlung, Medikamentencheck, Depression behandeln, Schluckstörung abklären lassen. Ohne diesen Schritt wirken alle anderen nur halb.

2. Anreichern statt mehr essen

Der wirksamste praktische Trick: Nicht die Menge erhöhen, sondern den Gehalt. Kleine Portionen, die viel liefern – mit ganz normalen Lebensmitteln:

Vergessen Sie hier die Ernährungsregeln für Gesunde. Bei drohender Mangelernährung ist Sahne besser als Magerquark, und ein Stück Kuchen ist ein Gewinn.

3. Mehr Gelegenheiten schaffen

4. Die Umgebung stimmt

5. Bei Demenz

6. Trinknahrung

Hochkalorische Trinknahrung aus der Apotheke ist sinnvoll, wenn es anders nicht reicht – ärztlich verordnungsfähig bei nachgewiesener Mangelernährung. Wichtig: als Ergänzung zwischen den Mahlzeiten, nicht als Ersatz, sonst wird noch weniger gegessen. Verschiedene Sorten testen und gekühlt anbieten, das verbessert die Akzeptanz deutlich.

Zu wenig trinken – die Exsikkose

Das Durstgefühl lässt im Alter nach. Viele ältere Menschen trinken deshalb schlicht zu wenig, ohne Durst zu verspüren – und ein Flüssigkeitsmangel entwickelt sich innerhalb weniger Tage. Ausführlich mit Trinkmengen und Pflege: Austrocknung.

Zeichen

Was hilft

⚠️ Besonders aufpassen bei
  • Hitze – im Sommer steigt der Bedarf deutlich
  • Fieber, Erbrechen, Durchfall – hier kann ein Mangel binnen Stunden entstehen
  • Entwässernden Medikamenten
  • Menschen mit Demenz, die Durst nicht mehr äußern
  • Menschen, die wegen Inkontinenz bewusst weniger trinken

Bei zunehmender Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder deutlich reduzierter Urinmenge gehört das noch am selben Tag ärztlich beurteilt.

Die Sondenfrage – ehrlich beantwortet

Wenn jemand kaum noch isst, kommt irgendwann die Frage nach einer Magensonde (PEG) auf. Sie wird oft aus Sorge gestellt und manchmal aus Hilflosigkeit empfohlen. Deshalb hier klar:

Das ist eine schwere Entscheidung, und niemand sollte sie allein treffen. Ein gemeinsames Gespräch mit Hausarzt, Pflegeteam und Familie – bei Bedarf mit Unterstützung der Palliativversorgung – ist hier der richtige Weg.

Was Angehörige und Pflegende tun können

🖨️ Merkblatt zum Mitnehmen: Die Warnzeichen und das Wichtigste für Angehörige auf einer Seite – zum Ausdrucken für den Kühlschrank oder zum Weitergeben. Merkblatt als PDF

Passend dazu

Tabletten teilen und mörsern · Magen & Darm · Vorsorge & Ernährung · Dekubitus & Wunden · Demenz · Delir · Expertenstandard Ernährungsmanagement

⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Ungewollter Gewichtsverlust ist immer ein Warnsignal und gehört ärztlich abgeklärt. Trinkmengen bei Herz- und Nierenerkrankungen ausdrücklich mit dem Arzt festlegen.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Expertenstandard Ernährungsmanagement zur Sicherung und Förderung der oralen Ernährung in der Pflege – DNQP, 1. Aktualisierung 2017
  2. ESPEN practical guideline: Clinical nutrition and hydration in geriatrics – Volkert D. et al., Clinical Nutrition 2022;41:958–989
  3. S3-Leitlinie Demenzen – DGN und DGPPN, AWMF-Register 038-013, Living Guideline, laufend aktualisiert (zuletzt 2026). Hier: Empfehlungen zur Sondenernährung bei fortgeschrittener Demenz

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich.