Die Haut
Die Haut ist das größte Organ des Menschen – etwa zwei Quadratmeter groß und bis zu zehn Kilogramm schwer. Im Alter wird sie dünner, trockener und verletzlicher. Für die Pflege ist sie deshalb ein zentrales Thema: Viele Probleme, die später aufwendig behandelt werden müssen, ließen sich mit einfachen Mitteln verhindern. Diese Seite erklärt, wie die Haut arbeitet und was sie im Alter braucht.
Was die Haut tut
- Sie schützt vor Krankheitserregern, UV-Strahlung und mechanischer Belastung. Ihr Säureschutzmantel hält Keime ab – weshalb zu häufiges Waschen mit Seife der Haut schadet.
- Sie reguliert die Temperatur über Schwitzen und die Durchblutung.
- Sie ist ein Sinnesorgan für Berührung, Druck, Temperatur und Schmerz.
- Sie bildet Vitamin D unter Sonneneinstrahlung.
- Sie speichert Flüssigkeit und ist damit ein Puffer im Wasserhaushalt.
Die Haut besteht aus drei Schichten: der Oberhaut mit dem Hornschutz, der Lederhaut mit Gefäßen, Nerven und Bindegewebsfasern, und der Unterhaut mit dem Fettpolster, das dämpft und wärmt.
Was sich im Alter verändert – und was daran normal ist
- Die Haut wird dünner, weil alle drei Schichten schrumpfen. Sie reißt schon bei geringer Reibung ein.
- Talg- und Schweißdrüsen arbeiten weniger. Die Haut wird trocken, schuppig und juckt.
- Das Unterhautfett nimmt ab – die Polsterung über Knochenvorsprüngen fehlt. Genau das erhöht die Gefahr für Druckgeschwüre.
- Die Wundheilung dauert länger, weil die Durchblutung und die Zellteilung nachlassen.
- Die Temperaturregulierung wird schlechter. Ältere Menschen überhitzen bei Hitze schneller und frieren gleichzeitig leichter.
- Altersflecken und Blutergüsse nehmen zu – letztere oft schon nach leichtem Anstoßen, weil die Gefäße ungeschützter liegen.
Nicht normal ist: eine Wunde, die nach zwei Wochen nicht kleiner wird. Eine gerötete Stelle über einem Knochenvorsprung, die nach dem Umlagern nicht verschwindet. Ein Muttermal, das sich in Größe, Farbe oder Rand verändert.
Woran man merkt, dass etwas nicht stimmt
Bei der Haut hat man einen großen Vorteil: Man kann sie ansehen. Bei der täglichen Körperpflege ist ohnehin Gelegenheit dazu – man muss nur wissen, wohin man schaut.
Die Stellen, an denen zuerst etwas passiert
Fersen, Steißbein, Hüften, Ellenbogen, Ohrmuscheln, Schulterblätter – überall dort, wo Knochen dicht unter der Haut liegt. Dazu die Hautfalten: unter der Brust, in den Leisten, am Bauch, zwischen den Zehen.
Worauf man achtet
- Eine Rötung, die nach dem Umlagern bleibt. Der einfache Test: mit dem Finger kurz draufdrücken. Wird die Stelle unter dem Finger weiß und rötet sich danach wieder, ist die Durchblutung in Ordnung. Bleibt sie rot, ist es bereits eine Druckschädigung – die Stelle muss sofort entlastet werden.
- Eine Wunde, die nach zwei Wochen nicht kleiner geworden ist
- Rötung, die sich ausbreitet, dazu Wärme, Schwellung und vielleicht Fieber
- Nässende, wunde Stellen in Hautfalten – meist Pilz, oft mit einem Rand aus kleinen Pünktchen
- Juckreiz über Wochen, ohne dass etwas zu sehen ist – dann lohnt der Blick auf Nieren, Leber und Schilddrüse
- Ein Fleck, der sich verändert: Er wächst, hat mehrere Farben, einen ausgefransten Rand, juckt oder blutet
- Blaue Flecken an Stellen, wo man sich nicht stößt – etwa am Rumpf
Bei Diabetes gilt eine eigene Regel: Weil das Gefühl in den Füßen nachlässt, tut eine Druckstelle dort oft nicht weh. Die Füße gehören deshalb täglich angesehen, auch die Sohlen und die Zehenzwischenräume – notfalls mit einem Spiegel oder von jemand anderem.
- Eine Rötung, die auf Fingerdruck nicht weiß wird. Der Druckschaden hat bereits begonnen. Die Stelle muss sofort und dauerhaft entlastet werden – siehe Dekubitus & Wunden.
- Eine Rötung, die sich ausbreitet, dazu Wärme, Schwellung, Schmerz und Fieber. Das kann eine Wundrose sein und braucht rasch Antibiotika.
- Jede Wunde am Fuß bei Diabetes – auch eine kleine, auch eine schmerzlose. Hier gilt: lieber einmal zu viel vorstellen.
- Gürtelrose im Gesicht, besonders an Stirn, Nase oder um das Auge. Hier kann das Auge Schaden nehmen, wenn nicht schnell behandelt wird.
- Eine schwarze oder schmierig belegte Wunde, ein plötzlich sehr starker Wundschmerz
Bei einer Wunde hilft es, sie mit dem Handy zu fotografieren und das Datum dazuzuschreiben. So sieht man beim nächsten Termin, ob sie kleiner wird – und muss sich nicht auf das Gefühl verlassen.
Die häufigsten Hautprobleme im Alter
Trockene Haut und Juckreiz
Das häufigste Hautproblem überhaupt. Kratzen führt zu kleinen Wunden und Infektionen. Wichtig: Hartnäckiger Juckreiz ohne Ausschlag kann auch auf eine Nierenschwäche oder eine Lebererkrankung hinweisen.
Druckgeschwüre (Dekubitus)
Entstehen, wenn dauerhafter Druck die Durchblutung unterbricht – oft schneller, als viele denken. Vollständig unter Dekubitus & Wunden.
Einrisse der Haut
Bei sehr dünner Altershaut genügt manchmal das Streifen an einer Bettkante. Vorbeugen: lange Ärmel, gepolsterte Kanten, vorsichtiges Umsetzen, keine aggressiven Pflaster.
Pilzinfektionen
In Hautfalten, unter der Brust, in Leisten und zwischen den Zehen. Feuchtigkeit und Wärme begünstigen sie – gründliches Abtrocknen ist die beste Vorbeugung.
Gürtelrose
Eine Reaktivierung der Windpockenviren, deren Risiko mit dem Alter steigt. Typisch sind brennende Schmerzen und Bläschen in einem gürtelförmigen Streifen. Gefürchtet sind die anhaltenden Nervenschmerzen danach. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung als Standard ab 60 Jahren, bei erhöhtem Risiko schon ab 18. Mehr unter Gürtelrose.
Hautkrebs
Nimmt im Alter deutlich zu, besonders an Gesicht, Ohren, Kopfhaut und Handrücken – den Stellen mit lebenslanger Sonnenbelastung. Gesetzlich Versicherte ab 35 haben alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening.
Offene Beine
Schlecht heilende Wunden am Unterschenkel, meist durch eine Venenschwäche, seltener durch Durchblutungsstörungen der Arterien. Die Unterscheidung ist entscheidend, weil ein Kompressionsverband im zweiten Fall schaden kann.
Was der Haut guttut
- Weniger waschen, nicht mehr. Tägliches Duschen mit Seife trocknet aus. Klares Wasser und gezieltes Waschen der nötigen Stellen genügen meist.
- Lauwarm statt heiß, und danach sanft trockentupfen statt rubbeln.
- Rückfettende Pflege nach dem Waschen, solange die Haut noch leicht feucht ist. Bei sehr trockener Haut sind Präparate mit Harnstoff bewährt.
- Hautfalten gründlich trocknen – unter der Brust, in Leisten, zwischen den Zehen.
- Ausreichend trinken. Auch die Haut braucht Flüssigkeit.
- Druckstellen entlasten: regelmäßig die Position wechseln, Fersen freilagern, Falten in Laken und Kleidung vermeiden.
- Sonnenschutz auch im Alter – das Hautkrebsrisiko steigt weiter.
- Die Haut regelmäßig anschauen. Bei der Körperpflege ist ohnehin Gelegenheit dazu: Fersen, Steißbein, Ohrmuscheln und die Zehenzwischenräume sind die kritischen Stellen.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Bei jeder Körperpflege hinschauen – Fersen, Steißbein, Hüften, Ohrmuscheln, Zehenzwischenräume und alle Hautfalten. Das kostet dreißig Sekunden und verhindert Wochen der Wundversorgung.
- Den Fingerdrucktest anwenden, wenn eine Rötung auffällt. Bleibt die Stelle unter dem Finger rot, sofort entlasten und ärztlich melden.
- Nach dem Waschen eincremen, solange die Haut noch leicht feucht ist. Dann bleibt die Feuchtigkeit drin.
- Falten glätten. Ein Knick im Laken, ein Krümel, eine Naht am Hosenbund – über Stunden reicht das für eine Druckstelle.
- Die Position regelmäßig wechseln und die Fersen frei lagern. Ein Kissen unter den Unterschenkeln, sodass die Fersen die Unterlage nicht berühren, ist eine der wirksamsten einfachen Maßnahmen überhaupt.
- Nicht rubbeln, nicht massieren. Gerötete Stellen dürfen nicht massiert werden – das schädigt das Gewebe zusätzlich. Sanft trockentupfen genügt.
- Wunden fotografieren und das Datum dazuschreiben. So lässt sich der Verlauf beim nächsten Termin belegen.
- Bei Inkontinenz die Haut schützen. Dauernde Feuchtigkeit weicht sie auf – zeitnah wechseln, reinigen, schützende Creme verwenden. Siehe Inkontinenz.
- Kompressionsstrümpfe nie ohne ärztliche Klärung anziehen. Bei einer Durchblutungsstörung der Arterien können sie schaden.
- Hilfsmittel beantragen. Weichlagerungskissen, Wechseldruckmatratzen und Pflegehilfsmittel gehen über Rezept oder Pflegekasse, siehe Hilfsmittel und Prophylaxen.
Passend dazu
Dekubitus & Wunden · Inkontinenz · Prophylaxen · Typ-2-Diabetes · Hilfsmittel · Alle Organe im Überblick
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Wie funktioniert die Haut? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Was passiert beim Altern? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Hautintegrität in der Pflege – DNQP, 2024
- Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege – DNQP, 2. Aktualisierung 2017
- Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden – DNQP, 2. Aktualisierung 2025
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen