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Schlafstörungen im Alter

„Im Alter schläft man eben schlecht“ – dieser Satz sorgt dafür, dass gut behandelbare Ursachen unentdeckt bleiben und stattdessen Schlafmittel verordnet werden, die im Alter zu den riskantesten Medikamenten überhaupt gehören. Richtig ist: Der Schlaf verändert sich mit den Jahren, aber schlechter Schlaf ist keine Alterserscheinung. Diese Seite erklärt, was normal ist, welche Ursachen dahinterstecken und was nachweislich besser wirkt als eine Tablette. Wie das Gehirn arbeitet, steht unter Gehirn & Nerven.

Was sich im Alter am Schlaf normal verändert

Nicht jede Veränderung ist eine Störung. Mit den Jahren verschiebt sich der Schlaf regelhaft:

Der entscheidende Maßstab ist nicht die Stundenzahl, sondern der Tag danach. Wer sieben Stunden schläft, sich aber tagsüber wach und leistungsfähig fühlt, hat kein Problem. Wer neun Stunden im Bett liegt und tagsüber erschöpft ist, hat eines – unabhängig von der Uhr.

Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung spricht man, wenn das Ein- oder Durchschlafen über mindestens drei Monate an mehreren Nächten pro Woche gestört ist und der Tag darunter leidet.

Schlaf im Laufe eines Tages, schematisch Tiefschlaf leichter Schlaf wach Jüngere Erwachsene Im Alter 12 Uhr 18 Uhr 0 Uhr 6 Uhr 12 Uhr früher müde, früher wach mehr kurze Wachphasen weniger Tiefschlaf Mittagsschlaf ersetzt einen Teil der Nacht
Das ist normal. Der Maßstab ist nicht die Stundenzahl, sondern wie wach man sich am Tag fühlt.

Die häufigsten Ursachen

Schlafstörungen im Alter sind selten ein eigenständiges Problem. Fast immer steckt etwas dahinter, und das ist die gute Nachricht: Vieles davon ist behandelbar.

Vier Störungen, die man nicht übersehen darf

Schlaf bei Demenz

Bei einer Demenz ist die innere Uhr selbst betroffen. Tag und Nacht verschwimmen, der Schlaf zerfällt in kurze Abschnitte über 24 Stunden verteilt. Dazu kommt das Sundowning: zunehmende Unruhe, Ängstlichkeit und Reizbarkeit am späten Nachmittag und Abend.

Was hier hilft, ist selten ein Medikament:

Neuroleptika gegen nächtliche Unruhe bei Demenz sind ein letztes Mittel. Sie erhöhen nachweislich die Sterblichkeit sowie das Risiko für Schlaganfall und Stürze und werden nur befristet und unter regelmäßiger Kontrolle eingesetzt.

Was nachweislich hilft

Die wirksamste Behandlung der chronischen Insomnie ist keine Tablette, sondern ein Verhaltensprogramm: die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie – so nennt man die anhaltende Schlaflosigkeit. Sie wirkt besser als Schlafmittel und – anders als diese – über das Ende der Behandlung hinaus. Sie ist auch im hohen Alter wirksam. Es gibt sie bei Psychotherapeuten, in Schlafambulanzen und als digitale Programme, die teilweise verordnungsfähig sind.

Die wichtigsten Bausteine für zu Hause

⚠️ Warum Schlafmittel im Alter problematisch sind

Benzodiazepine und die sogenannten Z-Substanzen wirken zuverlässig – und gehören zu den Medikamenten, die alten Menschen am meisten schaden. Sie stehen deshalb auf der PRISCUS-Liste der im Alter ungeeigneten Wirkstoffe.

Wenn überhaupt, dann in niedrigster Dosis und für höchstens zwei bis vier Wochen, etwa in einer akuten Krise. Auch frei verkäufliche Schlafmittel mit Diphenhydramin oder Doxylamin sind für ältere Menschen ungeeignet – sie wirken anticholinerg und lösen Verwirrtheit, Mundtrockenheit, Harnverhalt und Verstopfung aus.

Wichtig: Wer seit Monaten oder Jahren ein Schlafmittel nimmt, setzt es niemals abrupt ab. Ausgeschlichen wird langsam über Wochen bis Monate und immer ärztlich begleitet. Der Versuch lohnt sich – viele schlafen danach besser als vorher.

Was Angehörige und Pflegende tun können

🖨️ Merkblatt zum Mitnehmen: Was nachweislich hilft, warum Schlafmittel im Alter heikel sind und was Angehörige tun können – auf einer Seite – zum Ausdrucken für den Kühlschrank oder zum Weitergeben. Merkblatt als PDF

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⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Schlafmittel gehören regelmäßig ärztlich überprüft und dürfen nach längerer Einnahme nicht abrupt abgesetzt werden. Anhaltende Schlafstörungen haben oft eine behandelbare Ursache – sie sind kein unvermeidlicher Teil des Alterns.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. S3-Leitlinie Insomnie bei Erwachsenen – Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, AWMF-Register 063-003, Update 2025
  2. S2k-Leitlinie Restless-Legs-Syndrom – DGN und DGSM, AWMF-Register 030-081
  3. S3-Leitlinie Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Schlafbezogene Atmungsstörungen – Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, AWMF-Register 063-001
  4. PRISCUS 2.0 – Liste potenziell inadäquater Medikation für ältere Menschen – Mann N.-K. et al., Deutsches Ärzteblatt International 2023;120:3–10

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.