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Schwindel im Alter

Schwindel ist im Alter ein häufiger Grund für den Gang zur Hausarztpraxis. Meist steckt etwas Harmloses oder gut Behandelbares dahinter: ein Blutdruck, der beim Aufstehen absackt, ein Medikament oder ein gutartiger Lagerungsschwindel. Selten ist Schwindel das Zeichen eines Schlaganfalls. Diese Seite erklärt, welche Arten von Schwindel es gibt, woran du einen Notfall erkennst, was die Ärztin oder der Arzt untersucht und wie du Stürzen vorbeugst.

Welche Arten von Schwindel gibt es?

„Mir ist schwindelig“ kann sehr Verschiedenes bedeuten. Für die Ärztin oder den Arzt ist es deshalb wichtig, das Gefühl möglichst genau zu beschreiben:

Genauso wichtig ist, wie lange der Schwindel dauert – Sekunden, Minuten, Stunden oder ständig –, wodurch er ausgelöst wird, etwa durch Aufstehen oder Kopfbewegungen, und welche Beschwerden dazukommen. Nach diesen Punkten ordnet auch die Leitlinie der Hausärzte den Schwindel ein.

Wie häufig? Schwindel gehört laut Leitlinie zu den 20 häufigsten Gründen für einen Besuch in der Hausarztpraxis. Er wird mit dem Alter häufiger, besonders länger anhaltender Schwindel bei Menschen über 65.

⚠️ Wann es eilt

Sofort 112 rufen, wenn zum Schwindel eines dazukommt:

Das können Zeichen eines Schlaganfalls oder einer Hirnblutung sein. Die Leitlinie weist außerdem darauf hin, dass Schwindel auch das einzige Zeichen einer Durchblutungsstörung im Gehirn sein kann – und das lässt sich von außen nicht vom harmlosen Schwindel unterscheiden. Bei plötzlich einsetzendem, heftigem Schwindel, der nicht nachlässt, besonders wenn Stehen oder Gehen kaum noch möglich ist: sofort ärztlich untersuchen lassen, im Zweifel 112.

Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen, im Zweifel 112: Schwindel mit Herzstolpern oder einem sehr langsamen oder sehr schnellen Puls (unter 50 oder über 100 Schläge pro Minute) und Schwindel mit einem oberen Blutdruckwert unter 90 oder über 180 mmHg. Nach einem Sturz auf den Kopf – besonders bei Einnahme von Blutverdünnern – sofort ärztlich vorstellen.

Bei Diabetes mit Insulin oder Tabletten, die einen Unterzucker auslösen können, auch an Unterzucker denken: Blutzucker messen und nach dem vereinbarten Plan handeln, bei Bewusstseinstrübung 112. Mehr unter Diabetes.

Die Hausarztpraxis oder der Bereitschaftsdienst 116 117 sind richtig bei leichtem oder schon länger bestehendem Schwindel ohne diese Warnzeichen.

Häufige Ursachen im Alter

Als häufigste Ursachen in der Hausarztpraxis nennt die Leitlinie:

Dazu kommen Ursachen am Herzen, etwa Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder eine verengte Herzklappe. Ab etwa 60 Jahren kann außerdem die Funktion beider Gleichgewichtsorgane langsam nachlassen. Das macht sich vor allem als Unsicherheit beim Gehen bemerkbar, besonders im Dunkeln oder auf unebenem Boden.

Aus der Pflegepraxis: Auch ein Flüssigkeitsmangel kann Schwindel machen, besonders an heißen Tagen, bei Durchfall oder Fieber. Mehr unter Austrocknung.

Schwindel beim Aufstehen

Beim Aufrichten aus dem Liegen oder Sitzen sackt das Blut in die Beine. Normalerweise gleicht der Körper das in Sekunden aus. Gelingt das nicht, fällt der Blutdruck ab: Es wird einem schwarz vor Augen, man fühlt sich benommen – im schlimmsten Fall bis zur Ohnmacht und zum Sturz. Typisch sind Sekunden bis wenige Minuten nach dem Aufstehen, oft nachts auf dem Weg zur Toilette.

Gutartiger Lagerungsschwindel

Der gutartige Lagerungsschwindel ist die häufigste Ursache, die vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr ausgeht. Kleine Kristalle haben sich gelöst und geraten in einen der Bogengänge. Bei bestimmten Kopfbewegungen – etwa beim Hinlegen, Umdrehen im Bett oder Hochschauen – lösen sie einen heftigen Drehschwindel für Sekunden aus, oft mit Übelkeit. Am häufigsten tritt er zwischen 50 und 70 Jahren auf.

Medikamente als Ursache

Bei Schwindel sollen laut Leitlinie immer alle Medikamente erfragt und auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen geprüft werden. Eine europäische Expertenliste nennt Medikamentengruppen, die bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen – etwa weil sie müde machen, den Blutdruck senken oder Schwindel auslösen. Dazu gehören:

Das heißt nicht, dass diese Medikamente falsch sind. Oft sind sie nötig. Aber bei neuem Schwindel lohnt der Blick auf den Medikationsplan: Was ist neu dazugekommen, was wurde höher dosiert? Nichts eigenmächtig absetzen – manche Mittel dürfen nur langsam reduziert werden. Mehr unter Medikamente im Alter.

Für Deutschland gibt es außerdem die PRISCUS-2.0-Liste mit 177 Wirkstoffen, die für ältere Menschen als potenziell ungeeignet gelten. Sie ist kein Verbot – im Einzelfall kann ein solches Mittel sinnvoll sein –, aber eine gute Grundlage, um den Medikationsplan mit der Ärztin, dem Arzt oder der Apotheke durchzugehen.

Was die Ärztin oder der Arzt untersucht

Aus der Pflegepraxis: Es hilft, vor dem Termin ein paar Tage aufzuschreiben, wann der Schwindel kam, wie lange er dauerte und was man gerade getan hat – und den aktuellen Medikationsplan mitzunehmen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache:

Beruhigende Tabletten gegen Schwindel – dazu zählen auch rezeptfreie Mittel gegen Reiseübelkeit – lindern nur die Beschwerden und machen müde. Die Leitlinie empfiehlt sie deshalb in der Regel höchstens für drei Tage: Sie bremsen das Gehirn dabei, sich an eine Störung des Gleichgewichtsorgans zu gewöhnen, und könnten abhängig machen. Beruhigende Mittel erhöhen bei älteren Menschen zudem die Sturzgefahr. Deshalb auch rezeptfreie Mittel nicht auf eigene Faust über mehrere Tage nehmen.

Was Angehörige tun können – und Stürzen vorbeugen

Mehr zur Sturzvorbeugung unter Stürze und Sturzangst und zu Umbauten unter Wohnumfeld.

Schwindel in der Pflege

Merksatz: Schwindel im Alter ist häufig und meist gut behandelbar – aber nie „normal“. Kommen Lähmung, Sprech- oder Schluckstörungen, Doppelbilder oder plötzlich heftiger Dauerschwindel dazu, sofort 112.

Häufige Fragen

Ist Schwindel im Alter normal?

Schwindel wird im Alter häufiger, normal ist er aber nicht. Meist steckt eine behandelbare Ursache dahinter, etwa ein Blutdruckabfall beim Aufstehen, ein Medikament oder ein gutartiger Lagerungsschwindel. Deshalb sollte neuer Schwindel ärztlich abgeklärt werden.

Wann ist Schwindel ein Notfall?

Wenn Lähmungen, Taubheitsgefühle, Sprech- oder Schluckstörungen, Doppelbilder, ein hängendes Augenlid, neue Unsicherheit beim Greifen oder Gehen, plötzliche starke Kopf- oder Nackenschmerzen, plötzlich schlechteres Hören, Brustschmerz, Atemnot oder eine Ohnmacht dazukommen: sofort 112. Auch plötzlich einsetzender, heftiger Schwindel, der nicht nachlässt, sollte sofort ärztlich untersucht werden, im Zweifel über die 112 – er kann selten das einzige Zeichen eines Schlaganfalls sein.

Welche Medikamente können Schwindel auslösen?

Dazu gehören vor allem Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten, gefäßerweiternde Herzmittel, Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Neuroleptika, Mittel gegen Krampfanfälle, starke Schmerzmittel und Mittel gegen Prostata- oder Blasenbeschwerden. Nicht selbst absetzen, sondern den Medikationsplan ärztlich prüfen lassen.

Was ist gutartiger Lagerungsschwindel?

Gelöste Kristalle im Gleichgewichtsorgan lösen bei bestimmten Kopfbewegungen einen heftigen Drehschwindel für Sekunden aus. Ein Befreiungsmanöver in der Arztpraxis oder Physiotherapie hilft bei der häufigsten Form laut Leitlinie in über 90 von 100 Fällen. Rückfälle sind häufig; dann erneut ärztlich untersuchen lassen, oft kann das Manöver wiederholt werden.

Helfen Tabletten gegen Schwindel?

Beruhigende Mittel gegen Schwindel, auch rezeptfreie gegen Reiseübelkeit, lindern die Beschwerden, beseitigen aber nicht die Ursache und machen müde. Die Leitlinie empfiehlt sie nur für kurze Zeit, in der Regel höchstens drei Tage, weil sie die Gewöhnung des Gehirns bremsen. Bei älteren Menschen erhöhen beruhigende Mittel außerdem die Sturzgefahr.

Passend dazu

Stürze und Sturzangst · Bluthochdruck · Hören und Sehen · Medikamente im Alter · Austrocknung · Schlaganfall · Vorhofflimmern · Blutarmut

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. S2k-Leitlinie Schwindel in der Hausarztpraxis (Langfassung) – Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), AWMF-Register 053-018, Version 2.4, Stand Februar 2025, nächste Überprüfung 2030
  2. S2k-Leitlinie Schwindel in der Hausarztpraxis (Kurzfassung) – DEGAM, AWMF-Register 053-018, Version 2.4: Warnsymptome, Antivertiginosa, Repositionsmanöver
  3. STOPPFall (Screening Tool of Older Persons Prescriptions in older adults with high fall risk) – Seppala L. J. u. a., European Geriatric Medicine Society, Age and Ageing 2021;50(4):1189–1199: Medikamente, die das Sturzrisiko erhöhen
  4. PRISCUS 2.0 – erste Aktualisierung der PRISCUS-Liste – Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, 2023: Liste potenziell ungeeigneter Medikamente für ältere Menschen
  5. Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0 – Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF), 2023: Kapitel 3 (Messung im Stehen) und Kapitel 7 (Empfehlung 7-3)
  6. Stürze bei älteren Menschen – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit IQWiG, Stand 06.05.2022
  7. ICD-10-GM R42: Schwindel und Taumel – gesund.bund.de

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.