Bluthochdruck im Alter (Hypertonie)
Bluthochdruck tut nicht weh, und genau das macht ihn tückisch. Über Jahre kann er Herz, Gehirn, Nieren und Augen schädigen, ohne dass man etwas merkt. Im Alter ist er sehr häufig. Gleichzeitig gilt im Alter nicht „je niedriger, desto besser“: Ein zu niedriger Blutdruck kann Schwindel und Stürze auslösen. Diese Seite erklärt, welche Werte zählen, wie du richtig misst, was ohne und mit Tabletten hilft und wann ein hoher Wert ein Notfall ist.
Ab wann ist der Blutdruck zu hoch?
Ein Blutdruckwert hat zwei Zahlen: Der obere Wert (systolisch) ist der Druck, wenn das Herz pumpt. Der untere Wert (diastolisch) ist der Druck, wenn es sich entspannt. Angegeben wird beides in mmHg.
Von Bluthochdruck spricht man nicht bei einem einzelnen hohen Wert, sondern wenn er wiederholt zu hoch ist. Welche Grenze gilt, hängt davon ab, wo gemessen wird. Die Nationale Versorgungsleitlinie Hypertonie nennt:
| Wo gemessen? | Zu hoch ab |
|---|---|
| In der Arztpraxis | 140/90 mmHg |
| Selbst zu Hause (Durchschnitt über 7 Tage, morgens und abends) | 135/85 mmHg |
| 24-Stunden-Messung (Durchschnitt über 24 Stunden) | 130/80 mmHg |
Zu Hause fallen die Werte meist etwas niedriger aus als in der Praxis, deshalb ist die Grenze dort niedriger. Es reicht, wenn einer der beiden Werte zu hoch ist.
Wie häufig? In einer Befragung des Robert Koch-Instituts (2014/2015) gaben fast zwei Drittel der Menschen ab 65 an, dass eine Ärztin oder ein Arzt bei ihnen Bluthochdruck festgestellt hat. Wer nichts davon weiß, ist darin nicht mitgezählt. Das Risiko steigt mit dem Alter. Übergewicht, viel Salz, viel Alkohol und wenig Bewegung treiben den Blutdruck zusätzlich nach oben.
Man merkt ihn meist nicht. Die meisten Menschen spüren einen zu hohen Blutdruck nicht. Deshalb hilft nur Messen.
Warum er behandelt werden sollte
Dauerhaft hoher Druck schädigt die Blutgefäße. Sie verkalken (Arteriosklerose). Mögliche Folgen nennt die Patienteninformation zur Leitlinie:
- Schlaganfall
- Herzinfarkt und koronare Herzkrankheit
- Herzschwäche
- Schäden an den Nieren
- Schäden an der Netzhaut des Auges
- Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)
Eine gute Einstellung senkt dieses Risiko. Im Alter muss man den Nutzen aber gegen Nebenwirkungen abwägen – mehr dazu bei den Zielwerten im Alter.
Richtig messen
Selbst messen ist die beste Hilfe, um zu sehen, ob die Behandlung passt. So geht es nach dem Patientenblatt der Leitlinie:
- Gerät für den Oberarm verwenden. Die passende Manschettengröße steht in der Gebrauchsanweisung.
- Immer am selben Arm messen, und zwar an dem mit den höheren Werten.
- Manschette etwa 2 bis 3 cm oberhalb der Ellenbeuge anlegen. Zeige- und Mittelfinger sollten knapp darunter passen.
- Sitzen, 5 Minuten Ruhe: aufrecht sitzen, Beine locker auf dem Boden, vorher mindestens 5 Minuten ausruhen.
- Arm auf Herzhöhe, leicht gebeugt und entspannt, zum Beispiel auf dem Tisch.
- Während der Messung nicht sprechen, nicht bewegen, normal atmen.
- Morgens und abends, möglichst zur gleichen Uhrzeit, jeweils zweimal mit 1 bis 2 Minuten Abstand.
- Aufschreiben und zum Arzttermin mitnehmen – auch Auffälligkeiten wie einen unregelmäßigen Herzschlag.
Schwindel beim Aufstehen? Dann kann der Blutdruck beim Aufrichten zu stark absacken. Erzähl das in der Arztpraxis. Dort kann auch im Stehen gemessen werden. Mehr unter Schwindel im Alter.
Zielwerte im Alter
Als Orientierung nennt die Leitlinie einen Wert unter 140/90 mmHg. Das ist aber kein Muss für jeden. Der persönliche Zielwert wird mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbart und hängt vom Alter, von anderen Krankheiten, vom körperlichen Zustand und von Nebenwirkungen ab.
- Der Zielbereich kann laut Patienteninformation zwischen etwa 120/70 und 160/90 mmHg liegen.
- Ältere Menschen profitieren von einem niedrigen Zielwert weniger, weil sich der Vorteil oft erst nach Jahren zeigt. Ein oberer Wert bis 160 mmHg scheint für sie nicht viel schlechter zu sein. Sicher ist das aber nicht.
- Bei sehr gebrechlichen oder dauerhaft bettlägerigen Menschen wird ein oberer Wert über 160 mmHg oft als angemessen angesehen.
- Ist der Blutdruck zu niedrig, drohen Schwindel, Müdigkeit und Stürze. Nach der Leitlinie kann ein unterer Wert unter 60 mmHg das Herz schlechter durchbluten.
Bevor die Tabletten erhöht werden, soll die Ärztin oder der Arzt laut Leitlinie prüfen: Werden die Tabletten wirklich genommen? Nimmt jemand andere Mittel, die den Blutdruck erhöhen? Sackt der Druck beim Aufstehen ab? Ist jemand gebrechlich? Das schützt vor einer zu strengen Einstellung.
Was ohne Tabletten hilft
- Weniger Salz: höchstens 6 g am Tag, das ist etwa ein Teelöffel. Das meiste Salz steckt nicht im Salzstreuer, sondern in Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichten. Eine Rostbratwurst hat etwa 2,2 g, eine Tiefkühlpizza etwa 5 g. Weniger Salz kann den oberen Wert um etwa 5 mmHg senken.
- Aber nicht übertreiben: Ältere Menschen, Menschen mit Nierenerkrankungen, Menschen, die wenig trinken, und Menschen mit bestimmten Medikamenten können bei zu wenig Salz zu wenig Natrium im Blut bekommen. Zeichen sind Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Stürze. Größere Änderungen beim Essen deshalb mit der Arztpraxis besprechen.
- Bewegung: mindestens 2 Stunden pro Woche, zum Beispiel jeden zweiten Tag eine halbe Stunde. Spazierengehen, Radfahren, Tanzen, Schwimmen, Tai-Chi oder gut dosiertes Krafttraining. Langsam anfangen und vorher mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen.
- Gewicht: Bei Übergewicht kann Abnehmen den Blutdruck senken.
- Alkohol: Die Leitlinie rät, die Grenzen für risikoarmen Konsum nicht zu überschreiten.
- Rauchen: aufhören, und auch Passivrauch meiden.
Die Medikamente
Reichen die Maßnahmen ohne Tabletten nicht, kommen Medikamente dazu. Als erste Wahl nennt die Leitlinie vier Gruppen:
| Gruppe | Typische Nebenwirkung |
|---|---|
| ACE-Hemmer (Wirkstoffe enden auf -pril, z. B. Ramipril) | trockener Reizhusten bei etwa 5 von 100 Menschen; zu viel Kalium im Blut; Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht möglich |
| Sartane (enden auf -sartan, z. B. Candesartan) | Schwindel; zu viel Kalium im Blut; Schwellung von Lippen, Zunge oder Gesicht möglich. Nicht mit ACE-Hemmern kombinieren |
| Kalziumkanalblocker (z. B. Amlodipin) | geschwollene Knöchel |
| Entwässerungsmittel (Thiazide wie HCT, bevorzugt thiazidartige wie Indapamid oder Chlortalidon) | häufigeres Wasserlassen; zu wenig Natrium oder Kalium im Blut – das kann zu Verwirrtheit, Schwäche und Stürzen führen. Thiazide machen die Haut empfindlicher für Sonne und erhöhen vermutlich das Risiko für weißen Hautkrebs: Sonnenschutz, Haut regelmäßig ärztlich ansehen lassen |
Oft braucht es zwei Wirkstoffe. Die Leitlinie empfiehlt dann möglichst eine Kombitablette, also beide Wirkstoffe in einer Tablette. Bei ACE-Hemmern, Sartanen und Entwässerungsmitteln werden regelmäßig Nierenwerte und Blutsalze (Kalium, Natrium) kontrolliert.
Schwellen Lippen, Zunge oder Gesicht an und kommt Atemnot dazu: sofort 112.
- Jeden Tag nehmen, auch wenn man sich gut fühlt.
- Nicht eigenmächtig weglassen oder die Dosis ändern. Dann steigt der Blutdruck wieder an – das ist ein häufiger Grund für plötzlich sehr hohe Werte. Nebenwirkungen lieber in der Praxis ansprechen – oft gibt es eine Alternative. Siehe auch Absetzen will gelernt sein.
- Einmal vergessen? Was dann zu tun ist, steht unter Dosis vergessen.
- Einen aktuellen Medikationsplan und eine Tablettenbox nutzen.
Vorsicht bei Schmerzmitteln
Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen können den Blutdruck erhöhen und die Wirkung von Blutdrucksenkern abschwächen. Zusammen mit ACE-Hemmern, Sartanen oder Entwässerungsmitteln können sie die Nieren schädigen, bis hin zum Nierenversagen – besonders bei schwachen Nieren im Alter oder wenn jemand zu wenig trinkt. Deshalb auch frei verkäufliche Schmerzmittel nur nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke. Mehr dazu unter Schmerz im Alter und Austrocknung.
Plötzlich sehr hoch – wann ist es ein Notfall?
Liegt der obere Wert über 180 oder der untere über 110 mmHg, spricht man von einer Entgleisung. Es reicht, wenn einer der beiden Werte so hoch ist. Das ist ernst. Ohne weitere Beschwerden ist es aber meist kein Notfall. Möglich sind ein roter Kopf, Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit.
- Ruhe bewahren, hinsetzen, ablenken.
- Nach etwa 30 Minuten noch einmal messen.
- Ist der Wert dann noch hoch oder halten die Beschwerden an: die Hausarztpraxis anrufen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Beim Messen helfen und die Werte in einer Liste oder einem Pflegetagebuch notieren. Die Liste zum Arzttermin mitnehmen.
- Tabletten im Blick behalten: Werden sie genommen? Wochenbox, Medikationsplan und feste Zeiten helfen. Nicht selbst weglassen, auch wenn die Werte gut sind.
- Auf Schwindel achten, besonders beim Aufstehen und nachts beim Gang zur Toilette. Langsam aufstehen, kurz auf der Bettkante sitzen bleiben. Mehr zur Sturzvorbeugung.
- Neue Beschwerden melden: Müdigkeit, Schwindel, geschwollene Knöchel, Reizhusten oder Stürze können mit den Tabletten zusammenhängen.
- Schmerzmittel aus der Apotheke nicht ohne Rücksprache geben.
- Essen ohne Verbote (Praxis-Hinweis): Lieber weniger Wurst, Fertiggerichte und Nachsalzen als ein strenger Salzverzicht – gerade bei Menschen, die ohnehin wenig essen.
Bluthochdruck in der Pflege
- Gleich messen: nach 5 Minuten Ruhe im Sitzen – bei Bettlägerigen immer in derselben Lage –, am selben Arm, mit passender Manschette. Nur so sind Werte vergleichbar.
- Grenzwerte absprechen (Praxis-Hinweis): Mit der Ärztin oder dem Arzt schriftlich festlegen, ab welchen Werten nach oben und unten Rückmeldung gewünscht ist.
- Bei Schwindel oder Stürzen auch an zu niedrigen Blutdruck denken und das an die Arztpraxis weitergeben. Eine Messung im Stehen kann helfen.
- Trinkmenge beachten: Wer wenig trinkt und Entwässerungsmittel nimmt, trocknet schneller aus. Gibt es eine ärztlich vereinbarte Trinkmenge, zum Beispiel bei Herzschwäche, gilt diese.
- Häufiges Wasserlassen durch Entwässerungsmittel kann zu nächtlichen Toilettengängen und Stürzen führen. Den Zeitpunkt der Einnahme bei Bedarf mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.
Häufige Fragen
Ab welchem Wert hat man Bluthochdruck?
Bei Messung in der Arztpraxis ab 140/90 mmHg, bei Selbstmessung zu Hause ab 135/85 mmHg im Durchschnitt über eine Woche. Ein einzelner hoher Wert reicht für die Diagnose nicht.
Welcher Blutdruck ist im Alter normal?
Als Orientierung gilt ein Wert unter 140/90 mmHg. Bei älteren und gebrechlichen Menschen kann ein höherer Zielwert angemessen sein, bei sehr gebrechlichen oder dauerhaft bettlägerigen Menschen oft auch über 160 mmHg oben. Der persönliche Zielwert wird mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbart.
Darf man Blutdrucktabletten absetzen, wenn die Werte gut sind?
Nicht auf eigene Faust. Gute Werte zeigen meist, dass die Tabletten wirken. Ohne sie steigt der Blutdruck wieder an. Ob eine Dosis verringert werden kann, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Ist ein Blutdruck von 180 ein Notfall?
Oben über 180 oder unten über 110 mmHg ohne weitere Beschwerden ist ernst, aber meist kein Notfall: Ruhe bewahren und nach 30 Minuten erneut messen. Bleibt er hoch, die Arztpraxis oder die 116 117 anrufen. Kommen Atemnot, Brustenge, Lähmungen, Seh- oder Sprechstörungen, Verwirrtheit, ein Krampfanfall oder Bewusstlosigkeit dazu, sofort die 112 rufen.
Wann misst man den Blutdruck am besten?
Morgens und abends, möglichst zur gleichen Uhrzeit, im Sitzen nach 5 Minuten Ruhe. Jeweils zweimal mit 1 bis 2 Minuten Abstand messen und die Werte aufschreiben.
Passend dazu
Herz und Kreislauf · Herzinsuffizienz · Schlaganfall · Nieren · Sturz · Medikamente im Alter
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0 – Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF), 2023, gültig bis 2028: Kapitel 1 (Definition), 3 (Messung), 4 (Kontrollen), 5 (Zielwerte), 6 (Lebensstil) und 7 (Medikamente)
- Bluthochdruck – Wie soll der Blutdruck eingestellt sein? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Wie messe ich meinen Blutdruck richtig? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Was hat Salz mit dem Blutdruck zu tun? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Warum ist Bewegung gut für mich? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Was sind die wichtigsten Medikamente? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Was tun, wenn der Blutdruck plötzlich viel zu hoch ist? – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- Bluthochdruck – Gefäßschäden und Folgeerkrankungen – Patientenblatt zur NVL Hypertonie
- 12-Monats-Prävalenz von Bluthochdruck in Deutschland – Neuhauser H., Kuhnert R., Born S., Journal of Health Monitoring, Robert Koch-Institut, 2017
- Fachinformation Ibuprofen 400 mg – Stand Juni 2026, Abschnitte 4.4 und 4.5: Bluthochdruck, abgeschwächte Wirkung von Blutdrucksenkern, Nierenrisiko
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen