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Vorhofflimmern

Etwa acht von hundert Menschen über 65 haben Vorhofflimmern – und mehr als die Hälfte hat zumindest anfangs keine oder nur unklare Beschwerden. Gefährlich ist es trotzdem: Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall. Diese Seite erklärt, woran man Vorhofflimmern erkennt, warum das Pulsfühlen im Alter so wichtig ist, wie Blutverdünner schützen und worauf Angehörige und Pflegekräfte im Alltag mit Gerinnungshemmern achten. Wie das Herz arbeitet, steht unter Das Herz.

Was ist Vorhofflimmern?

Beim Vorhofflimmern schlagen die Vorhöfe des Herzens nicht mehr geordnet, sondern flimmern unkoordiniert. Das Herz schlägt dadurch unregelmäßig und oft so schnell, dass es weniger Blut in den Körper pumpt. Schätzungen zufolge sind etwa 2 Prozent der Bevölkerung betroffen, bei den über 65-Jährigen etwa 8 Prozent.

Alle Formen erhöhen das Schlaganfallrisiko – auch das anfallsartige Vorhofflimmern, das zwischendurch verschwindet.

Warnzeichen

Ursachen und Folgen

Bei den meisten Menschen geht das Vorhofflimmern auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zurück: Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Herzschwäche. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse kann dahinterstecken – sie wird bei neu entdecktem Vorhofflimmern deshalb mit geprüft.

Erkennen: Puls und EKG

Behandlung

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie fasst die Behandlung in vier Bausteinen zusammen:

  1. Begleiterkrankungen behandeln: Bluthochdruck, Herzschwäche, Diabetes, Übergewicht, Schlafapnoe, zu viel Alkohol. Maßvolle Bewegung schadet bei Vorhofflimmern nach den bisherigen Studien nicht
  2. Schlaganfall verhindern: mit gerinnungshemmenden Medikamenten, wenn das Risiko erhöht ist (siehe unten)
  3. Beschwerden lindern: den zu schnellen Puls mit Medikamenten senken (Frequenzkontrolle) oder versuchen, den normalen Rhythmus wiederherzustellen (Rhythmuskontrolle) – mit Medikamenten, einem Stromstoß in Kurznarkose (Kardioversion) oder einer Katheterbehandlung, bei der auslösende Stellen im Herzen verödet werden (Katheterablation)
  4. Regelmäßig neu bewerten: Risiken und Behandlung ändern sich mit der Zeit

Wer braucht einen Blutverdünner?

Gerinnungshemmer zum Einnehmen (orale Antikoagulanzien) können das Schlaganfallrisiko sehr wirksam senken. Ob sie nötig sind, richtet sich nach einem Punktwert, dem CHA₂DS₂-VA-Score. Punkte gibt es für Herzschwäche, Bluthochdruck, Alter ab 65 (ab 75 doppelt), Diabetes, einen früheren Schlaganfall oder eine TIA (doppelt) und Gefäßerkrankungen.

Leben mit Blutverdünnern

Die wichtigste Nebenwirkung aller Gerinnungshemmer sind Blutungen. Deshalb gilt:

🚨 Wann sofort Hilfe nötig ist

Notruf 112 bei Zeichen eines Schlaganfalls: hängender Mundwinkel, Lähmung oder Taubheit eines Arms, verwaschene Sprache, plötzliche Seh- oder Gleichgewichtsstörung. Jede Minute zählt – siehe Schlaganfall. Ebenso bei Brustschmerz, Ohnmacht oder schwerer Atemnot.

Unter Blutverdünnern sofort ärztlich abklären: Blutungen, die nicht aufhören, schwarzer Stuhl, Blut im Urin oder Erbrochenen, ein Sturz auf den Kopf.

Was Angehörige und Pflegende tun können

Vorhofflimmern in der Pflege – worauf Pflegekräfte achten

Videos zum Thema

Die Videos von 2025 sind älter als diese Seite; einzelne Angaben können überholt sein. Maßgeblich ist der Text hier.

Häufige Fragen

Ist Vorhofflimmern gefährlich?

Vorhofflimmern selbst ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich. Es erhöht aber das Risiko für einen Schlaganfall, weil sich in den flimmernden Vorhöfen Blutgerinnsel bilden können, und kann auf Dauer das Herz schwächen. Deshalb gehört es behandelt – auch wenn man nichts spürt.

Woran merke ich Vorhofflimmern?

Häufig an Herzklopfen, Herzrasen oder einem unregelmäßigen Puls, an Schwindel, Atemnot oder plötzlicher Leistungsschwäche. Mehr als die Hälfte hat aber – zumindest anfangs – keine oder nur unklare Beschwerden. Den Puls eine Minute lang zu tasten, ist ein einfacher Test – ein unregelmäßiger Puls gehört abgeklärt.

Muss ich bei Vorhofflimmern Blutverdünner nehmen?

Das richtet sich nach dem Schlaganfallrisiko, das mit dem CHA₂DS₂-VA-Score bestimmt wird. Ab 2 Punkten empfiehlt die europäische Leitlinie einen Gerinnungshemmer, bei 1 Punkt wird er erwogen. Wer 75 Jahre oder älter ist, hat die 2 Punkte allein durch das Alter.

Reicht ASS bei Vorhofflimmern?

Nein. Plättchenhemmer wie ASS allein sind zum Schutz vor einem Schlaganfall bei Vorhofflimmern nicht geeignet. Empfohlen sind Gerinnungshemmer, bevorzugt die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK).

Was ist der Unterschied zwischen Marcumar und den neuen Blutverdünnern?

Bei Phenprocoumon (Marcumar) muss der Gerinnungswert INR regelmäßig kontrolliert werden. Bei den direkten Gerinnungshemmern wie Apixaban, Dabigatran, Edoxaban oder Rivaroxaban ist das nicht nötig; sie werden bei Vorhofflimmern bevorzugt. Marcumar bleibt für besondere Fälle, etwa eine mechanische Herzklappe.

Darf man mit Vorhofflimmern Sport treiben?

Maßvolle körperliche Aktivität schadet nach den bisherigen Studien nicht. Wie viel Belastung passt, bespricht man am besten mit dem Arzt – vor allem, wenn zusätzlich eine Herzschwäche besteht.

Passend dazu

Das Herz · Herz-Kreislauf-Erkrankungen · Herzschwäche · Schlaganfall · Stürze · Medikamente im Alter

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation – European Society of Cardiology, European Heart Journal 2024
  2. Spotlight on the 2024 ESC/EACTS management of atrial fibrillation guidelines: 10 novel key aspects – Rienstra M. et al., Europace 2024
  3. Vorhofflimmern – Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
  4. Vorhofflimmern – Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, in Zusammenarbeit mit dem IQWiG
  5. Was sind Gerinnungshemmer? – IQWiG

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.