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KHK und Herzinfarkt im Alter

Bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Gefäße verengt, die den Herzmuskel selbst mit Blut versorgen. Typisch ist ein Druck in der Brust bei Anstrengung. Verschließt sich ein Gefäß ganz, kommt es zum Herzinfarkt – dann zählt jede Minute. Gerade bei Frauen sind die Zeichen aber oft weniger eindeutig. Diese Seite erklärt, woran du einen Notfall erkennst, was du bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun kannst, wie behandelt wird und wie man einem zweiten Infarkt vorbeugt.

Was ist die koronare Herzkrankheit?

Die Herzkranzgefäße (Koronarien) liegen wie ein Kranz um das Herz und versorgen den Herzmuskel mit Sauerstoff. Über Jahre lagern sich Fett und Kalk in ihren Wänden ab, die Gefäße werden enger. Das ist die koronare Herzkrankheit. Sie ist eine Form der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) – mehr dazu unter Herz-Kreislauf.

Nicht jede KHK macht Brustschmerzen. Laut Leitlinie kann sie auch ohne Beschwerden verlaufen oder sich nur als Herzschwäche oder als Herzrhythmusstörung zeigen. Zu den Risikofaktoren gehören unter anderem Bluthochdruck, Diabetes, erhöhte Blutfette und Rauchen.

⚠️ Notfall: Zeichen eines Herzinfarkts – sofort 112

Oft weniger eindeutig: Vor allem bei Frauen können Atemnot, Übelkeit, Erbrechen oder Beschwerden im Oberbauch die einzigen Zeichen sein. Deshalb wird ein Infarkt bei ihnen häufiger übersehen.

Wann 112? Bei Brustschmerzen immer – auch nachts, nicht bis zum Morgen warten. Wer schon eine KHK hat: wenn die Beschwerden länger als ein paar Minuten anhalten, in Ruhe auftreten oder trotz Nitrospray nicht nachlassen. Über die 112 einen Rettungswagen mit Notarzt anfordern – bei diesen Zeichen nicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Bis der Rettungsdienst kommt

Untersuchung

Behandlung: Medikamente, Stent, Bypass

Beim Herzinfarkt wird das verschlossene Gefäß so schnell wie möglich wieder geöffnet, meist mit einem Herzkatheter: Ein Ballon weitet die Engstelle, ein kleines Röhrchen aus Metallgeflecht (Stent) hält sie offen. Danach folgen Medikamente, Reha und eine Änderung des Lebensstils.

Bei einer chronischen KHK ohne Infarkt bilden Medikamente die Grundlage:

Stent oder Bypass bei chronischer KHK? Laut Patienteninformation zur Leitlinie lindern Stents die Beschwerden oft etwas besser als Medikamente allein, die Lebenserwartung ist mit und ohne Stent aber etwa gleich. Nach einem Stent ist bei etwa 16 von 100 später ein erneuter Eingriff nötig, mit Medikamenten allein entscheiden sich etwa 21 von 100 später doch für einen Eingriff. Im ersten halben Jahr nach einem Katheter-Eingriff treten etwas mehr Herzinfarkte auf, später weniger. Ob ein Eingriff sinnvoll ist, wird gemeinsam entschieden. Manchmal kommt auch eine Bypass-Operation infrage.

Bei älteren, gebrechlichen Menschen mit mehreren Erkrankungen empfiehlt die europäische Leitlinie zum Herzinfarkt (akutes Koronarsyndrom), Eingriffe und Medikamente nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken ganzheitlich und persönlich anzupassen.

Das Nitrospray

Nitrospray ist das Notfallmittel bei einem Angina-pectoris-Anfall. Nach der Fachinformation und der Patienteninformation zur Leitlinie gilt:

Nach dem Infarkt: Reha und Herzgruppe

Nach einem Herzinfarkt und nach einer Bypass-Operation soll laut Reha-Leitlinie eine kardiologische Reha folgen – möglichst früh, spätestens drei Monate nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Sie besteht aus einem überwachten Bewegungstraining, Schulung, psychologischer Unterstützung und der Einstellung der Medikamente.

Danach sollen Betroffene ermutigt werden, an einem langfristigen Nachsorgeprogramm teilzunehmen, zum Beispiel einer ambulanten Herzgruppe (Herzsport). Mehr zur Reha für Ältere unter Geriatrische Reha.

Niedergeschlagenheit und Angst: Die Reha-Leitlinie sieht psychologische Unterstützung vor, bei Bedarf auch eine psychologische Behandlung. Hält die gedrückte Stimmung an, lohnt das Gespräch in der Hausarztpraxis – mehr unter Altersdepression.

Einem weiteren Infarkt vorbeugen

Was Angehörige tun können

KHK in der Pflege

Merksatz: Brustschmerz, Druck oder Enge – auch nur Atemnot, Übelkeit oder Oberbauchschmerz mit kaltem Schweiß – sind ein Fall für die 112. Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute.

Häufige Fragen

Wie erkennt man einen Herzinfarkt, besonders bei Frauen?

Typisch sind Schmerzen, Druck oder Enge hinter dem Brustbein, die in Arme, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch ausstrahlen können. Dazu kommen oft Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß und Todesangst. Vor allem bei Frauen sind Atemnot, Übelkeit oder Oberbauchbeschwerden manchmal die einzigen Zeichen. Im Zweifel immer die 112 rufen.

Was ist der Unterschied zwischen KHK und Herzinfarkt?

Bei der koronaren Herzkrankheit sind die Herzkranzgefäße verengt. Das kann bei Belastung Brustenge auslösen. Beim Herzinfarkt verschließt sich ein Gefäß ganz, und ein Teil des Herzmuskels wird nicht mehr durchblutet. Die KHK ist die häufigste Ursache eines Herzinfarkts.

Was tun, wenn das Nitrospray nicht hilft?

Wenn die Beschwerden trotz Nitrospray anhalten, länger als ein paar Minuten dauern oder in Ruhe auftreten, sofort die 112 rufen. Das Spray nur im Sitzen anwenden und nie zusammen mit Mitteln gegen Erektionsstörungen oder bestimmten Mitteln gegen Lungenhochdruck.

Muss man nach einem Herzinfarkt in die Reha?

Nach einem Herzinfarkt und nach einer Bypass-Operation soll laut Reha-Leitlinie eine kardiologische Reha folgen, möglichst früh und spätestens drei Monate nach der Entlassung. Danach hilft eine Herzgruppe, dauerhaft in Bewegung zu bleiben.

Verlängert ein Stent bei KHK das Leben?

Bei einer chronischen KHK ohne akuten Infarkt ist die Lebenserwartung laut Patienteninformation zur Leitlinie mit und ohne Stent etwa gleich. Stents lindern aber oft die Beschwerden. Beim akuten Herzinfarkt ist das schnelle Öffnen des Gefäßes dagegen entscheidend.

Passend dazu

Herz-Kreislauf · Das Herz · Bluthochdruck · Herzschwäche · Vorhofflimmern · Diabetes · Notfallmappe

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Version 7.0 – Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF), verabschiedet 15.08.2024, gültig bis 14.08.2029
  2. Verhalten im Notfall bei KHK – Patienteninformation zur NVL Chronische KHK, Stand September 2023
  3. Warum empfiehlt mir meine Ärztin oder mein Arzt Statine? – Patientenblatt zur NVL Chronische KHK, 2024
  4. Katheter-Untersuchung bei koronarer Herzkrankheit: Stents einsetzen oder erst mal abwarten? – Patientenblatt zur NVL Chronische KHK, 2024
  5. Herzinfarkt – gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit mit IQWiG, Stand 28.08.2020
  6. 2023 ESC Guidelines for the management of acute coronary syndromes – Byrne R. A. u. a., European Society of Cardiology, European Heart Journal 2023;44(38):3720–3826, doi:10.1093/eurheartj/ehad191
  7. S3-Leitlinie Kardiologische Rehabilitation in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Kurzfassung) – AWMF-Register 133-001, Version 1.0 vom 10.12.2020, von der AWMF verlängert
  8. Fachinformation Nitrolingual Nitrospray – Stand Februar 2024, Abschnitte 4.2, 4.3 und 4.8: Anwendung im Sitzen, Hinweise für Ältere, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen
  9. ICD-10-GM I25: Chronische ischämische Herzkrankheit – gesund.bund.de (ICD-Zuordnung der Seite)
  10. Schutzimpfung gegen Influenza – Impfempfehlung der STIKO – Robert Koch-Institut

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Diese Seite ersetzt keine ärztliche Beratung.