Das Herz
Das Herz schlägt etwa 100.000 Mal am Tag, ein Leben lang, ohne Pause. Es ist ein Muskel – und wie jeder Muskel verändert es sich mit den Jahren. Vieles davon ist normal. Diese Seite erklärt, wie das Herz arbeitet, was im Alter dazugehört und was nicht, und welche Erkrankungen dahinterstecken können, wenn die Luft knapp wird oder die Beine schwer werden.
Was das Herz tut
Das Herz ist eine Doppelpumpe von der Größe einer Faust. Die rechte Hälfte schickt das sauerstoffarme Blut in die Lunge, die linke Hälfte pumpt das dort aufgefrischte Blut in den ganzen Körper. Vier Herzklappen sorgen dafür, dass alles nur in eine Richtung fließt – sie arbeiten wie Ventile.
Den Takt gibt ein eigenes elektrisches System vor: Der Sinusknoten im rechten Vorhof erzeugt den Impuls, der sich über den Herzmuskel ausbreitet und ihn zum Zusammenziehen bringt. Deshalb schlägt ein Herz auch ohne Befehl aus dem Gehirn weiter.
In Ruhe pumpt es etwa fünf Liter Blut pro Minute. Bei Anstrengung kann sich diese Menge vervielfachen – vorausgesetzt, Muskel, Klappen und Taktgeber arbeiten zusammen.
Was sich im Alter verändert – und was daran normal ist
- Die Gefäße werden steifer. Die großen Schlagadern verlieren an Elastizität. Deshalb steigt der obere Blutdruckwert mit dem Alter oft an, während der untere gleich bleibt oder fällt.
- Der Herzmuskel wird etwas dicker und weniger dehnbar. Das Herz füllt sich langsamer – bei Belastung fehlt dadurch Reserve.
- Die maximale Herzfrequenz sinkt. Ein Achtzigjähriger erreicht unter Anstrengung nicht mehr die Pulswerte eines Dreißigjährigen. Das ist keine Krankheit.
- Die Klappen verkalken leicht. Ein weiches Herzgeräusch ist im hohen Alter häufig und nicht automatisch bedrohlich.
- Der Taktgeber wird störanfälliger. Deshalb nehmen Rhythmusstörungen mit dem Alter zu.
Nicht normal ist: Luftnot bei alltäglichen Wegen, die früher kein Problem waren. Nächtliches Erwachen mit Atemnot. Geschwollene Knöchel, die abends zunehmen. Ein rasch unregelmäßiger Puls. Diese Dinge gehören abgeklärt und nicht als „das Alter“ verbucht.
Woran man merkt, dass etwas nicht stimmt
- Luftnot bei zunehmend geringerer Belastung – erst beim Treppensteigen, dann beim Gehen, schließlich in Ruhe
- Nächtlicher Husten oder Atemnot im Liegen, Schlafen nur mit erhöhtem Oberkörper
- Geschwollene Knöchel und Unterschenkel, abends stärker als morgens
- Rasche Gewichtszunahme – zwei Kilo in wenigen Tagen sind fast immer eingelagertes Wasser, nicht Fett
- Leistungsknick, Müdigkeit, nachlassende Belastbarkeit
- Herzstolpern, Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls
- Schwindel beim Aufstehen, kurze Bewusstlosigkeit
Wichtig für ältere Menschen: Ein Herzinfarkt zeigt sich hier oft nicht mit dem klassischen Brustschmerz. Häufiger sind Luftnot, Übelkeit, Schwäche, Schmerzen im Oberbauch oder plötzliche Verwirrtheit. Bei Frauen und bei Menschen mit Diabetes gilt das besonders.
- Anhaltender Druck oder Schmerz in der Brust, länger als fünf Minuten – auch ohne typische Ausstrahlung
- Plötzliche schwere Luftnot, kalter Schweiß, Todesangst
- Plötzliche Verwirrtheit, Schwäche oder Kollaps bei einem Menschen mit bekannter Herzerkrankung
Im Zweifel anrufen. Bei Herzinfarkt zählt jede Minute, und niemand wird für einen Fehlalarm gerügt. Wie ein Notruf abläuft und was in die Notfallmappe gehört, steht unter Notfallmappe.
Die häufigsten Erkrankungen des Herzens
Bluthochdruck
Die häufigste Erkrankung überhaupt im Alter und der wichtigste Risikofaktor für alles Weitere. Er tut nicht weh – deshalb wird er oft nicht ernst genommen. Ausführlich unter Herz-Kreislauf im Alter.
Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Das Herz schafft es nicht mehr, genug Blut in den Kreislauf zu befördern. Folge sind Luftnot, Wassereinlagerungen und Erschöpfung. Eine tägliche Gewichtskontrolle ist hier eine der wirksamsten Maßnahmen überhaupt. Mehr dazu unter Herzschwäche.
Vorhofflimmern
Die häufigste Rhythmusstörung im Alter. Die Vorhöfe zittern statt zu schlagen, Blut kann sich stauen und gerinnen – daraus entsteht das erhöhte Risiko für einen Schlaganfall. Vorhofflimmern verläuft oft völlig unbemerkt, deshalb ist das gelegentliche Pulsfühlen im Alter kein altmodischer Ratschlag. Mehr dazu unter Vorhofflimmern.
Koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt
Verengte Herzkranzgefäße mindern die Durchblutung des Herzmuskels. Beschwerden treten zunächst bei Belastung auf.
Herzklappenerkrankungen
Vor allem die verengte Aortenklappe nimmt im hohen Alter zu. Typisch sind Luftnot, Schwindel und Bewusstlosigkeit bei Belastung. Heute lässt sich die Klappe oft über einen Katheter ersetzen, ohne große Operation – auch bei sehr alten Menschen.
Was dem Herzen guttut
- Bewegung, regelmäßig und maßvoll. Ausdauer ist das wirksamste Herzmittel, das es ohne Rezept gibt. Zügiges Gehen zählt.
- Blutdruck kennen und behandeln lassen. Regelmäßig selbst messen, immer zur gleichen Zeit, im Sitzen nach fünf Minuten Ruhe.
- Täglich wiegen bei bekannter Herzschwäche – morgens, nach dem Toilettengang, notiert. Zwei Kilo Zunahme in drei Tagen gehören gemeldet.
- Weniger Salz. Der Großteil steckt in Brot, Wurst, Käse und Fertigem, nicht im Salzstreuer.
- Rauchstopp – lohnt sich in jedem Lebensalter, die Wirkung setzt binnen Wochen ein.
- Impfschutz. Grippe- und Pneumokokkenimpfung senken nachweislich das Risiko für Herzkomplikationen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt beides ab 60 Jahren.
- Medikamente zuverlässig nehmen und den Medikamentenplan aktuell halten.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Täglich wiegen bei bekannter Herzschwäche – morgens, nach dem Toilettengang, vor dem Frühstück, immer auf derselben Waage. Das Gewicht aufschreiben. Zwei Kilo mehr in drei Tagen sind eingelagertes Wasser und gehören noch am selben Tag gemeldet.
- Blutdruck und Puls notieren statt nur abzulesen. Eine Woche mit Werten sagt der Ärztin mehr als eine einzelne Messung in der Praxis. Beim Pulsfühlen auch darauf achten, ob er regelmäßig geht.
- Auf die Beine schauen. Drücken die Socken einen Ring ein? Passen die Schuhe abends noch? Das sind einfache, verlässliche Hinweise.
- Beim Salz mitdenken. Der Salzstreuer ist selten das Problem – Brot, Wurst, Käse und Fertiggerichte sind es.
- Wissen, dass ein Herzinfarkt im Alter oft anders aussieht: Luftnot, Übelkeit, Schwäche, Oberbauchschmerz oder plötzliche Verwirrtheit statt Brustschmerz. Im Zweifel 112, nicht abwarten.
- Den Medikamentenplan aktuell halten und zu jedem Termin mitnehmen, auch in die Klinik.
- Bei fortgeschrittener Herzschwäche kann ein Pflegegrad berechtigt sein. Wie lange das Waschen dauert und wie oft Pausen nötig sind, gehört ins Pflegetagebuch.
Passend dazu
Herz-Kreislauf im Alter · Schlaganfall · Die Nieren · Die Lunge · Medikamente im Alter · Alle Organe im Überblick
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Wie funktioniert das Herz? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Wie funktioniert der Kreislauf? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz – Bundesärztekammer, KBV und AWMF, Version 4 (2023)
- Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie – Bundesärztekammer, KBV und AWMF, Version 1.0, 2023
- 2024 ESC Guidelines for the management of atrial fibrillation – European Society of Cardiology, European Heart Journal 2024;45:3314–3414
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen