Die Lunge
Wir atmen etwa 20.000 Mal am Tag, ohne darüber nachzudenken. Erst wenn die Luft knapp wird, merkt man, wie viel Arbeit die Lunge leistet. Im Alter lässt ihre Leistung nach – das ist normal. Wenn aber alltägliche Wege zur Anstrengung werden, steckt meist mehr dahinter. Diese Seite erklärt, wie die Lunge arbeitet, was sich mit den Jahren verändert und woran man eine Erkrankung erkennt.
Was die Lunge tut
Die Lunge bringt Sauerstoff ins Blut und schafft Kohlendioxid hinaus. Das geschieht in rund 300 Millionen winzigen Lungenbläschen, deren Gesamtfläche etwa so groß ist wie ein halbes Tennisfeld – gefaltet in den Brustkorb.
Das Atmen selbst erledigt nicht die Lunge, sondern das Zwerchfell und die Zwischenrippenmuskeln. Die Lunge folgt nur passiv. Deshalb ist Atemnot oft auch eine Frage der Muskelkraft und der Körperhaltung – ein Punkt, der in der Pflege großen Unterschied macht.
Dazu kommt die Selbstreinigung: Feine Flimmerhärchen transportieren Schleim und Staub nach oben, wo er abgehustet oder geschluckt wird. Rauch legt diese Härchen lahm – deshalb der typische Raucherhusten am Morgen, wenn sie sich über Nacht erholen.
Was sich im Alter verändert – und was daran normal ist
- Das Lungengewebe verliert an Elastizität, der Brustkorb wird steifer. Beides zusammen senkt die Atemreserve.
- Die Atemmuskulatur wird schwächer – wie jeder andere Muskel auch.
- Der Hustenreflex lässt nach und die Flimmerhärchen arbeiten langsamer. Deshalb steigt das Risiko für Lungenentzündungen.
- Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt leicht, ohne dass das krankhaft wäre.
Normal ist: beim schnellen Treppensteigen früher außer Atem zu kommen als mit vierzig.
Nicht normal ist: Luftnot beim Anziehen, beim Waschen oder im Sitzen. Husten über Wochen. Ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen. Wer sein Tempo unbewusst immer weiter drosselt, um nicht außer Atem zu kommen, hat oft schon länger ein Problem, das nie benannt wurde.
Woran man merkt, dass etwas nicht stimmt
- Atemnot bei immer geringerer Belastung
- Husten über mehr als drei Wochen, mit oder ohne Auswurf
- Pfeifende oder brummende Atemgeräusche
- Farbveränderter oder blutiger Auswurf
- Bläuliche Lippen oder Fingernägel
- Häufige Atemwegsinfekte, die schlecht ausheilen
- Unerklärter Gewichtsverlust zusammen mit Husten
Ein wichtiger Hinweis für Angehörige und Pflegende: Eine Lungenentzündung zeigt sich bei alten Menschen häufig ohne Fieber und ohne Husten. Stattdessen fallen plötzliche Verwirrtheit, Appetitlosigkeit, ein Sturz oder einfach „er ist nicht er selbst“ auf. Wer darauf wartet, dass jemand hustet und fiebert, erkennt es zu spät. Mehr dazu unter Delir.
- Plötzliche schwere Atemnot, besonders wenn sie aus dem Nichts kommt – zusammen mit Brustschmerz beim Einatmen und Herzrasen kann das eine Lungenembolie sein. Ein einseitig geschwollenes, warmes Bein ist ein zusätzlicher Hinweis.
- Blaue Lippen oder blaue Fingernägel
- Sprechen nur noch in einzelnen Wörtern, weil die Luft nicht für ganze Sätze reicht
- Atemnot im Sitzen und in Ruhe, die sich nicht bessert
- Blutiger Auswurf
In diesen Fällen die 112 wählen. Bis der Rettungsdienst da ist: aufrecht hinsetzen, Arme aufstützen, enge Kleidung öffnen, Fenster auf, ruhig bleiben und mitatmen – Hektik in der Umgebung verschlimmert die Atemnot.
Und ein Zeichen, das leicht übersehen wird: Wenn ein alter Mensch plötzlich verwirrt, teilnahmslos oder appetitlos wird, kann dahinter eine Lungenentzündung stecken – auch ohne Fieber und ohne Husten. Das gehört noch am selben Tag ärztlich angesehen.
Die häufigsten Erkrankungen der Lunge
COPD
Die chronisch verengte Lunge, fast immer Folge des Rauchens. Kennzeichnend sind Husten, Auswurf und zunehmende Atemnot. Ausführlich – auch was bei zähem Schleim hilft – unter COPD: Anzeichen, zäher Schleim und Pflege.
Lungenentzündung
Eine der häufigsten Ursachen für Krankenhausaufenthalte im Alter – und eine der gefährlichsten. Besonders gefährdet sind Menschen mit Schluckstörungen, weil dann Speichel oder Nahrung in die Lunge geraten. Vorbeugen lässt sich mit Mundpflege, aufrechter Haltung beim Essen und der Behandlung der Schluckstörung.
Asthma
Anfallsweise Atemnot durch verengte Bronchien, oft schon seit jüngeren Jahren bekannt. Im Alter wird es leicht mit einer Herzschwäche verwechselt.
Lungenembolie
Ein Blutgerinnsel verstopft ein Lungengefäß – meist aus einer Beinvenenthrombose. Plötzliche Luftnot, Brustschmerz beim Einatmen und Herzrasen sind Alarmzeichen. Das Risiko steigt bei Bettlägerigkeit, nach Operationen und bei Flüssigkeitsmangel.
Lungenkrebs
Häufig lange ohne Beschwerden. Warnzeichen sind langanhaltender Husten, blutiger Auswurf und Gewichtsverlust.
Was der Lunge guttut
- Rauchstopp. Die einzige Maßnahme, die den Verlauf einer COPD nachweislich bremst – und sie wirkt in jedem Alter.
- Bewegung. Wer sich schont, wird kurzatmiger, nicht belastbarer. Das ist der wichtigste Denkfehler bei Atemwegserkrankungen.
- Die Lippenbremse lernen. Langsam gegen leicht geschlossene Lippen ausatmen. Hält die Atemwege offen und ist bei Luftnot sofort wirksam.
- Aufrechte Haltung, Arme aufstützen (Kutschersitz). Das entlastet die Atemhilfsmuskulatur spürbar.
- Kühler Luftzug ins Gesicht bei Atemnot – ein kleiner Ventilator wirkt erstaunlich gut und kostet nichts.
- Mundpflege ernst nehmen. Ein sauberer Mund senkt das Risiko für Lungenentzündungen messbar.
- Impfschutz nutzen. Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stand 2026): jährlich gegen Grippe ab 60, einmalig gegen Pneumokokken ab 60, gegen Gürtelrose ab 60, einmalig gegen RS-Viren ab 75 – und bereits ab 60 bei schweren Vorerkrankungen oder beim Leben in einer Pflegeeinrichtung.
Was Angehörige und Pflegende tun können
- Bei Luftnot die Haltung ändern, nicht hinlegen. Aufrecht hinsetzen, die Arme auf den Oberschenkeln oder einem Tisch aufstützen. Das gibt der Atemhilfsmuskulatur einen festen Punkt und wirkt sofort.
- Die Lippenbremse gemeinsam üben, solange es ruhig ist. Im Anfall kann man sie nicht mehr lernen – dann muss sie sitzen.
- Ein kleiner Ventilator mit kühlem Luftzug ins Gesicht lindert Atemnot erstaunlich zuverlässig. Ein offenes Fenster tut es auch.
- Ruhig bleiben und mitatmen. Atemnot macht Angst, und Angst verschlimmert die Atemnot. Wer daneben sitzt und langsam voratmet, hilft mehr als jede Erklärung.
- Die Inhalationstechnik prüfen lassen. Sehr viele Menschen wenden ihr Spray falsch an – dann kommt der Wirkstoff nicht an. In der Apotheke wird das kostenlos gezeigt. Die häufigsten Fehler stehen unter richtig inhalieren bei COPD.
- Mundpflege ernst nehmen. Ein sauberer Mund senkt das Risiko für Lungenentzündungen messbar, besonders bei Schluckstörungen.
- Beim Essen aufrecht sitzen, nicht nebenbei sprechen, nach der Mahlzeit noch eine halbe Stunde aufrecht bleiben. Wer beim Essen hustet, sollte auf eine Schluckstörung untersucht werden.
- Nicht auf Fieber und Husten warten. Plötzliche Verwirrtheit, ein Sturz oder Appetitlosigkeit können bei alten Menschen die einzigen Zeichen einer Lungenentzündung sein.
Passend dazu
COPD · Das Herz · Mangelernährung · Delir – akute Verwirrtheit · Palliativpflege · Alle Organe im Überblick
Quellen
Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.
- Wie funktioniert die Lunge? – gesundheitsinformation.de (IQWiG)
- Nationale VersorgungsLeitlinie COPD – Bundesärztekammer, KBV und AWMF, 2. Auflage 2021
- S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie – Deutsche Gesellschaft für Pneumologie u. a., AWMF-Register 020-020, 2021
- Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2026 – Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 4/2026
- Risk assessment for venous thromboembolism (VTE) – Department of Health (England), Risikobewertungsbogen zur NICE-Leitlinie NG89; nennt Flüssigkeitsmangel (Dehydration) als Thrombose-Risikofaktor
Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen