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Verstopfung (Obstipation)

Verstopfung gehört zu den häufigsten Beschwerden im Alter und zu den am meisten unterschätzten. Sie verursacht Bauchschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit, sie kann Verwirrtheit auslösen und im schlimmsten Fall zum Darmverschluss führen. Diese Seite erklärt, ab wann man überhaupt von Verstopfung spricht, welche Medikamente sie verursachen, warum plötzlicher Durchfall ein Warnzeichen dafür sein kann und in welcher Reihenfolge Abführmittel eingesetzt werden. Wie die Verdauung arbeitet, steht unter Magen & Darm.

Was Verstopfung wirklich bedeutet

Der hartnäckigste Irrtum zuerst: Täglicher Stuhlgang ist nicht nötig. Normal ist alles zwischen dreimal täglich und dreimal wöchentlich. Wer alle zwei Tage ohne Beschwerden Stuhlgang hat, ist nicht verstopft und braucht kein Abführmittel.

Von Verstopfung spricht man, wenn über längere Zeit mehrere dieser Punkte zutreffen:

Entscheidend ist die Konsistenz, nicht die Häufigkeit. Zur Verständigung mit Ärzten und Pflegekräften hilft die Bristol-Stuhlformen-Skala: Typ 1 sind einzelne harte Kügelchen, Typ 3 und 4 sind die Wunschform – wurstförmig und weich, Typ 7 ist flüssig. Wie die Verdauung arbeitet, steht unter Magen und Darm.

Warum sie im Alter so häufig ist

Medikamente als Ursache

Bevor irgendetwas anderes gesucht wird, lohnt der Blick auf den Medikamentenplan. Diese Gruppen verstopfen häufig:

Oft lässt sich etwas ändern: eine andere Substanz, eine niedrigere Dosis, oder von vornherein ein Abführmittel dazu. Das gehört in den jährlichen Medikamenten-Check, siehe Medikamente im Alter. Nie selbst absetzen – aber ansprechen.

⚠️ Wenn Durchfall in Wirklichkeit Verstopfung ist

Im Enddarm sammelt sich über Tage oder Wochen ein harter Stuhlballen, der nicht mehr abgeht. Das nennt man Koprostase. Flüssiger Stuhl von oben läuft an diesem Ballen vorbei und tritt unkontrolliert aus. Was aussieht wie Durchfall, ist eine schwere Verstopfung – und die schlimmste Reaktion darauf wäre ein Mittel gegen Durchfall.

Typische Konstellation: Ein Bewohner hat seit Tagen keinen richtigen Stuhlgang gehabt, ist unruhig oder verwirrt, hat einen aufgetriebenen Bauch, wenig Appetit – und nässt nun mit dünnem Stuhl ein.

Was zu tun ist: ärztlich untersuchen lassen, dazu gehört die Untersuchung des Enddarms mit dem Finger. Aufgelöst wird die Koprostase von unten, mit Klistier oder Einlauf, manchmal muss der Ballen ausgeräumt werden. Erst danach wird von oben nachbehandelt.

Sofort ärztlich: aufgetriebener, harter, druckschmerzhafter Bauch, Erbrechen, kein Wind- und Stuhlabgang mehr, kolikartige Schmerzen. Das kann ein Darmverschluss sein.

Warnzeichen, die abgeklärt gehören

Diese Zeichen bedeuten nicht automatisch etwas Schlimmes, gehören aber untersucht statt behandelt.

Was ohne Medikamente hilft

Abführmittel – das Stufenschema

Zwei alte Ängste halten sich hartnäckig: Abführmittel machten abhängig und träge. Für die heute üblichen Mittel gilt das so nicht. Wer sie braucht, darf sie dauerhaft nehmen – gerade bei Opioiden ist das sogar zwingend.

Was weniger geeignet ist: Lactulose wirkt gut, führt aber häufig zu Blähungen und Bauchkrämpfen. Salzhaltige Abführmittel wie Glaubersalz sind im Alter problematisch, weil sie den Salzhaushalt durcheinanderbringen. Paraffinöl kann bei einer Schluckstörung in die Lunge geraten. Pflanzliche Mittel mit Sennesblättern oder Aloe sind für den Dauergebrauch nicht die erste Wahl.

In der Pflegedokumentation gehört ein Stufenplan hinterlegt: was nach wie vielen Tagen ohne Stuhlgang gegeben wird und wann die Ärztin informiert wird. Das verhindert, dass jede Schicht anders entscheidet.

Bei Bedarf ärztlich Einlauf, manuelles Ausräumen bei Kotstau (Koprostase) Stufe 3 Zäpfchen oder Klistier wirkt nach Minuten bis ½ Stunde Stufe 2 Bisacodyl oder Natriumpicosulfat regt den Darm an · wirkt über Nacht Stufe 1 – meist zuerst Macrogol bindet Wasser · wirkt nach 1 bis 3 Tagen bei Bedarf höher Weniger geeignet Lactulose häufig Blähungen, Bauchkrämpfe Glaubersalz bringt den Salzhaushalt durcheinander Paraffinöl bei Schluckstörung Gefahr für die Lunge Senna, Aloe nicht für den Dauergebrauch
Dass Abführmittel abhängig und träge machen, gilt für die heute üblichen Mittel so nicht. Wer sie braucht, darf sie dauerhaft nehmen.

Verstopfung durch Schmerzmittel

Opioide – von Tilidin und Tramadol bis Morphin und Fentanylpflaster – bremsen die Darmbewegung. Anders als bei Müdigkeit und Übelkeit gewöhnt sich der Darm daran nicht. Die Verstopfung bleibt, solange das Medikament gegeben wird.

Deshalb die Regel: Wer ein Opioid bekommt, bekommt von Anfang an ein Abführmittel dazu – nicht erst, wenn nichts mehr geht. In der Praxis meist Macrogol als Dauergabe. Das gilt auch in der Palliativpflege, wo unbehandelte Verstopfung eine der häufigsten und quälendsten Belastungen ist.

Reicht das nicht, gibt es Substanzen, die die Opioidwirkung gezielt im Darm aufheben, ohne die Schmerzlinderung zu beeinträchtigen. Danach lohnt es sich zu fragen, wenn die üblichen Mittel versagen. Mehr zum Thema unter Schmerz im Alter.

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Magen & Darm · Mangelernährung · Medikamente im Alter · Schmerz im Alter · Inkontinenz · Palliativpflege · Weitere Krankheiten im Alter

⚕️ Diese Erklärungen ersetzen keinen Arztbesuch. Eine neu aufgetretene Verstopfung nach dem 50. Lebensjahr, Blut im Stuhl oder ungewollter Gewichtsverlust gehören immer abgeklärt. Abführmittel nur nach Rücksprache dauerhaft einsetzen.

Quellen

Neben meiner Erfahrung aus über 20 Jahren Altenpflege beruht diese Seite auf den folgenden Fachquellen. Die Links führen zum jeweiligen Original.

  1. S2k-Leitlinie Chronische Obstipation – DGVS und DGNM, AWMF-Register 021-019, 2022
  2. S3-Leitlinie Hausärztliche Leitlinie Multimedikation – DEGAM, AWMF-Register 053-043, 2021

Tobias Hoffmann – examinierter Pfleger, seit über 20 Jahren in der Altenpflege, Praxisanleiter und Qualitätsbeauftragter. Mehr über mich und woher die Inhalte kommen

Stand: Oktober 2026. Diese Seite wird wöchentlich auf Änderungen geprüft – so arbeite ich. Angaben zu Geldbeträgen und Rechtsgrundlagen ohne Gewähr – im Zweifel gilt die Auskunft Ihrer Pflegekasse.